Ein klarer Blick auf das Offensichtliche
Neulich musste ich mir nach langer Zeit wieder einmal ein Auto mieten. Von Zeit zu Zeit mache ich das ja ganz gern. Neben der Notwendigkeit ans Ziel zu kommen, hilft das auch dabei, nicht den Anschluss an die Moderne zu verlieren, wenn das jüngste eigene Auto 25 Jahre alt ist.
In diesem Fall hat mir Hertz einen nagelneuen Nissan Quash… Qaqush… Quaakqu… einen nagelneuen Nissan vorgesetzt, der natürlich mit allen aktuellen elektronischen Fahrassistenzsystemen ausgerüstet war: Abstandspiepsen, Spurwechselrütteln und Zuschnellfahrbimmeln – die natürlich immer dann am stärksten piepsten, rüttelten und bimmelten, wenn es überhaupt nichts zu piepsen, rütteln und bimmeln gab.
Doch der ganze Zauber der Moderne offenbarte sich erst bei Sprühnieselregen auf der Autobahn. Es war zu wenig, um den Scheibenwischer durchgehend laufen zu lassen, weil der hyperaktive Sensor ihn ständig über die halbtrockene Scheibe rubbeln liess. Aber zu viel, um gänzlich auf gelegentliches Wischen verzichten zu können. Also wurde im Zweiminutentakt der Hebel rechts hinter dem Lenkrad einmal hoch und direkt wieder runter gekippt.
Und jedesmal, wirklich jedesmal erschienen zwischen Tacho und Drehzahlmesser kurz nacheinander zwei Meldungen auf dem Armaturenersatzbildschirm: "Scheibenwischer eingeschaltet" – "Scheibenwischer ausgeschaltet". Na, was du nicht sagst, Auto. Ich bin da sicher nicht beim Geradeausfahren aus Versehen drangestuppst. Ähnlich verhielt es sich bei Standlicht, Abblendlicht und Fernlicht. Ach ja, und beim Tempomat.
Ich hätte ja noch Verständnis, wenn mich das Auto auf Sehenswürdigkeiten entlang der Stecke aufmerksam machen würde. Aber auf irgendwelche Banalitäten, die ich obendrein selbst ausgelöst habe? Das ist doch etwas überbeschützend. Oder sind moderne Autofahrer wirklich so blöd, dass sie nicht mehr den Zusammenhang zwischen einem Griff zum Scheibenwischerschalter und einem sich bewegenden Scheibenwischer herstellen können?
Seither geniesse ich die Fahrten in meinem "modernen" Auto noch mehr. Denn mir ist klar geworden, dass es eine Eigenschaft hat, die bei der Beurteilung von Autos gerne ausser Acht gelassen wird: Es geht mir nicht auf die Nerven. Ich kann mich darauf verlassen, dass mein Auto weiss, was es tut. Und mein Auto kann sich darauf verlassen, dass ich weiss, was ich tue. Wir kommen so gut miteinander zurecht. Bisher habe ich jedenfalls noch nie übersehen, dass der Scheibenwischer eingeschaltet war.


























