Dreizack in Nöten
Es war zu erwarten: Maserati "performt" wieder einmal unter den Erwartungen und dies, nachdem die Marke aus dem Stellantis-Verbund noch 2023 schwarze Zahlen geschrieben hat. Die grossen V8-Modelle wurden per 2024 ad Acta gelegt, geblieben sind V6-Motoren – zugegeben ist der Nettuno ein Traummotor – und entsprechende Strom-Modelle, darunter ein Cabriolet. Immerhin ist das elektrische GranCabrio Folgore notabene eines der ersten seiner Art überhaupt.
Doch bei gerade noch etwas über 13'000 ausgelieferten Autos mit dem Dreizack am Bug für 2024 ist das Ergebnis ernüchternd. 2017 verkaufte Maserati über 51'500 Autos – ein Rekord. 2023 waren es – nach einer coronabedingten Baisse – noch 26'600 Wagen. Seither sind die Limousinen Ghibli und Quattroporte Geschichte und auch das grosse SUV Levante gibt es nicht mehr. Einzig der Grecale als Mittelklasse SUV – er basiert auf Alfa Romeos gelungener «Giorgio-Plattform» (Giulia und Stelvio) – und das Coupé GranTurismo und besagtes GranCabrio sind übriggeblieben. Als Antrieb winken im Grecale ein Vierzylinder und der besagte Nettuno V6-Motor, im GranTurismo und GranCabrio gibt es nur den V6. Dazu kommt für alle drei Modelle ein Elektroantrieb unter der E-Bezeichnung Folgore. Der einhellig gelobte MC20 Mittelsportwagen bringt dazu wohl Prestige, aber auch kaum nennenswerten Absatz. Ein Dilemma.
Und statt einer ursprünglich angedachten Finanzspritze von 1.8 Milliarden für die Marke sprach Stellantis CFO Natalie Knight bereits Mitte letzten Sommer davon, dass man sich womöglich nach einem Interessenten für Maserati umsehen werde.
Dabei ist Maserati noch nicht mal das einzige Jammertal bei Stellantis. Wer an das Schicksal von Lancia und Alfa Romeo denkt, ist sich einfach nicht so sicher, wie ernst man es mit der Pflege dieser Marken meint. Gewiss, aus dem Baukasten lassen sich bisweilen sehr gelungene Modelle zaubern, manchmal ist es gar so, dass eine Marke aus einer an sich guten Grundlage ein noch wesentlich attraktiveres Angebot hervorbringt. Ein treffendes Beispiel ist etwa der spanische Aufsteiger Cupra aus dem VW-Konzern, wo in regelmässigen Abständen weit emotionalere und ästhetisch gelungenere Modelle auf den üblichen VW-Plattformen auf den Markt kommen, als es dies Volkswagen schafft.
Nun, bei Stellantis schafft man es ganz offensichtlich nicht. Im Gegenteil: Statt sich seiner Traditions- und Klassemarken anzunehmen, versuchen sich die Franzosen mit einer generischen Marke ohne wirkliche Daseinsberechtigung – DS Automobiles – in den Premiummarkt vorzudrängen. Dies, währenddessen man Lancia nur sehr halbherzig wiederbelebt und Alfa Romeo mit Showroom-Futter für die Händler abspeist, die ein Hohn sind für das wahre Cuore Sportivo. Einen Alfa Romeo Tonale auf einer bei seiner Lancierung bereits 12-jährigen Jeep-Plattform zu präsentieren, grenzt an Frivolität.
Aber vielleicht sollte ich mich wieder den Klassikern zuwenden, da, wo der nostalgiegefärbte Blick die damaligen Probleme und Fehlentscheide etwas in gedämpftes Licht taucht. Denn eines ist klar, die Probleme der Industrie von heute sind nicht alle jüngeren Datums. Manche Marke hatte schlicht das Pech, von hilflosen Managern schon früher in die nahende Obsoleszenz geführt zu werden, selbst wenn sie aktuell noch existiert. Hoffen wir, dass Maserati nicht zu jenen gehört, deren Tage gezählt sind oder der ein Weiterexistieren als elektrifiziertes Zombie fernöstlicher Herkunft bevorsteht – Lotus lässt grüssen, die Produktion von klassischen Sportwagen in Hethel darf man seit geraumer Zeit als kaum mehr als ein Museumsbetrieb zur Wahrung der Firmentradition werten. Die Musik für Colin Chapmans Erbe spiel heute in Wuhan – China.
Bild: Maserati GranCabrio 490 CV - GranCabrio One of One @The I.C.E. St. Moritz ©Maserati


























