Wie Messer und Gabel
Ist ihnen jemals ein Besteck, also ein Messer und eine Gabel begegnet, bei denen sie vor dem Gebrauch zuerst eine Einführung benötigt hatten, wie sie zu bedienen seien? Kaum, oder? Denn dieses Tischwerkzeug ist selbstsprechend. Zwar gibt es unendlich viele Variationen davon, doch in ihrer Grundauslegung sind sie alle gleich.
Etwa so fühlt es sich oft auch bei klassischen Automobilen an. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, natürlich liegt das nicht nur an den verschiedenen Epochen, sondern auch an den technischen Konzepten, doch man kriegt sie schnell in den Griff.
Foto-Tage sind solche Momente in unserem Redaktionskalender, an denen wir uns sehr direkt mit unserer Lieblingsmaterie beschäftigen, wir fahren sie! Damit wir unsere Zeit optimal nutzen können, versuchen wir jeweils gleich mehrere Autos an einem Tag ins Bild zu setzen.
Nun, neulich war unsere Liste sehr abwechslungsreich: Vorkrieg, 60er-Jahre und ein Auto aus dem anbrechenden digitalen Zeitalter, von 2011. Gewiss, ich bin es mich gewohnt, mit unterschiedlichsten Autos zu fahren, das gehört ja auch zum Beruf. Und so war es denn auch keine unüberwindbare Aufgabe, den SAAB 96 oder den Lancia Augusta zu starten oder zu handhaben. Diese Autos fühlen sich an wie – Messer und Gabel? Natürlich ist dies nicht abwertend gemeint, sondern ganz im Sinne von: selbsterklärend.
Beim Saab, wo das Schaltschema auf dem Armaturenbrett angegeben ist, war es eine Sache von wenigen Sekunden, den Rückwärtsgang zu finden, den Hebel muss man etwas der Länge nach heraus ziehen um die Sperre zu überwinden. Beim Lancia war zwar nichts angeschrieben, doch mehr als vier mögliche Ecken gibt es da auch nicht, wo er sich befinden könnte. Er ist hinten rechts, es gilt den Hebel mit etwas Schwung gegen eine Sperrfeder gegen das Knie – Lancias dieser Zeit waren Rechtslenker – zu ziehen und nach hinten zu bewegen. Also: Kindergeburtstag.
Natürlich gibt es einen Choke, damit soll man den kalten Motor bei Laune halten. Das erfordert etwas Feingefühl, aber es ist ein leichtes Unterfangen und bald ist man flott unterwegs.
Beim jüngsten Fotomodell aber musste ich zunächst den Schlüssel als solchen erkennen. Mitten im Armaturenbrett ist ein Schlitz eingelassen, in den ein mit geschliffenem Glas verziertes „Etwas“, in der Schweiz würden wir dazu „Kloben“ sagen, passt. Kann man es Drehen? Ach nein, drücken! Damit gibt man einen Impuls an das Auto weiter, der den Starter zum Arbeiten bewegt.
Danach folgt der Griff ins Leere, denn es gibt zwar ein Drehrad auf der Mittelkonsole, doch dieses dient etwas anderem. Den Gang wählt man mittels Druckknopf links und rechts neben dem Starterknopf mittig auf dem Armaturenbrett, nur wenn dieser leuchtet hat man die Gewissheit, dass es in der richtigen Richtung voran gehen wird. Man kann sich daran gewöhnen – genauso wie an den Sound eines 6-Liter V12-Motors wie im Aston Martin Rapide, wo ich dies so vorgefunden habe, einem verblüffend kompetenten Sportwagen mit vier Türen – wir werden darauf später vertieft darauf eingehen.
Aber mit Intuition ist man hier aufgeschmissen. Doch wer weiss, vielleicht ist dies einfach ein Zeichen, dass ich alt werde.

































