Von der Oase zur Fata Morgana
Was soll an einem Parkhaus denn bitte so kompliziert sein? Das ist doch nicht mehr als eine beliebige Anzahl übereinander gestapelter, weiss linierter Ebenen mit Rampen dazwischen. Gewiss lässt sich jede Hochgarage in der Theorie auf diese simple Formel herunterbrechen. Die praktische Umsetzung ist aber meist etwas planungsintensiver.
Denn erstens kann ein Parkhaus im Gegensatz zur Sio-Garage früher im Kinderzimmer nur selten frei im Raum platziert werden, sondern muss sich vorhandener Bausubstanz anpassen. Und zweitens ist eine Rampe nicht immer gleich einer Rampe. Natürlich gibt es die simplen schiefen Ebenen. Aber dann sind da auch noch die verlustlose Rampe, die endlose Rampe, die D'Humy-Rampe, einfache oder doppelte Spindeln und natürlich die Parkspindel – sowie beinahe jede beliebige Kombination dieser sieben Varianten.
Mit "Parkhäuser – Oasen im Verkehr" hat die deutsche BP Benzin und Petroleum AG 1970 ein Buch herausgegeben, das nicht nur die verschiedenen Bauformen erläutert, sondern auch Konzepte für die Lösung zukünftiger Probleme entwirft. Dass Autos entgegen ihrer Bestimmung die meiste Zeit ihres Daseins stationär verweilen, war schliesslich schon vor 55 Jahren keine allzu neue Erkenntnis mehr – ebenso wie der damit verbundene Umstand, dass ihre rasant steigende Anzahl bald das Platzangebot in den Städten übersteigen wird.
Antiquarisch für rund 30 Euro zu haben, ist das 56-seitige Werk schon wegen des ungewöhnlichen Themas einen Blick wert. Denn während Tankstellen als Begleitbauten für den bewegten Kraftverkehr schon häufig Gegenstand von Büchern waren, sind es die Immobilien für immobile Automobile bis heute selten. Die grossformatigen Farbfotos machen den BP-Bildband obendrein zu einem wunderbaren Zeitdokument, ebenso wie die Vision der autogerechten Stadt – eine Zukunft, die schon wieder vorüber ist.

































