Warum bin ich eigentlich kein Porsche-Ultra?
Vor 25 Jahren bin ich meinen ersten Porsche gefahren. Genau genommen hatte ich sogar eine ganze Sammlung, aus der ich frei wählen konnte: 1600 Super Speedster, Carrera RS, 911 Turbo 3.3 – alle jederzeit verfügbar für ebenso ausgiebige wie schnelle Touren durch Mitteleuropa. Und das Beste: Ich musste dafür nicht einmal mein Zimmer verlassen.
Am 24. März 2000 ist Need for Speed: Porsche unleashed für den PC erschienen, in dem sich – wie der Name schon vermuten lässt – ausschliesslich Zuffenhausener Erzeugnisse fahren liessen. Sogar mit einem gewissen Bildungsanspruch: Im Evolutions-Modus führte das Spiel durch 50 Jahre Markengeschichte vom ersten 356 bis zum neuesten 911 Turbo. Im Werksfahrer-Modus liess sich die Fahrtechnik verbessern.
Von meinem Cousin Matthias gecrackt (nach einem Vierteljahrhundert darf man das hoffentlich zugeben), hatte ich den meisten Spass allerdings dabei, einfach nur die verschiedenen Strecken zu erkunden. Im 356 durch Monte Carlo, im 944 durch die Normandie oder im frühen 911 S an der Côte d'Azur entlang – das prägt. Dachte ich.
Bis mir vor einiger Zeit die Frage durch den Kopf ging: Wieso habe ich nicht schon längst einen Porsche-Klassiker in der Garage? Oder zwei? Oder zehn? Warum hat schon das erste Platznehmen auf dem Beifahrersitz ausgereicht, um auf ewig von einem Triumph TR4 begeistert zu sein, haben aber Stunden über Stunden vor dem virtuellen Abbild nie das Verlangen geweckt, irgendwann hinter einem realen Porschelenkrad zu sitzen?
Übersättigung? Oder doch eher das Gegenteil? Vielleicht hat das visuelle Erlebnis bei aller Liebe zum Detail einfach nicht ausgereicht. Wahrscheinlich haben ohne Haptik und Duft einer 40 Jahre alten Fahrmaschine sogar die wichtigsten Einflussfaktoren gefehlt. Ich werde jedenfalls auch weiterhin ganz gut ohne einen Porsche auskommen. Aber in die Normandie würde ich sehr gerne einmal.


























