Mal anderswo schauen
Man kennt es: Ein regnerischer Sonntag, der Computer ist an – oder das Handy liegt in der Hand – und die üblichen Orte für Gebrauchtwagen werden aufgerufen. Na klar, unseren eigenen Marktplatz besuche ich natürlich zuerst. Dieser liefert uns immer wieder Inspiration für Geschichten und Themen, selbst wenn man nicht «käufig» ist, wie ein alter schweizerdeutscher Verkäufer-Ausdruck es umschreibt. Doch manchmal fühlt man sich nicht ganz gesättigt. Kunststück, wir durchforsten unsere Angebote ja tagtäglich. Dann schaue ich gerne auch etwas über den Tellerrand und nach jenseits der Sprachgrenze und vorzugsweise dorthin, wo man nie so genau weiss, was einem alles Erwartet, weil ein kunterbuntes Sammelsurium angeboten wird – ein digitaler Flohmarkt.
Eine Seite, die mir diesbezüglich besonders gefällt, ist www.leboncoin.fr.
Mein ursprüngliches Interesse dafür galt der Suche nach alten Wohnwagen. Ich bin ein grosser Fan der Caravan-Klassiker des französischen Herstellers Notin und ganz besonders von Hénon. Irgendwann gibt's eine Geschichte zu diesem bemerkenswerten Caravan-Bauer aus dem nordfranzösischen Ort Albert, versprochen!
Doch zurück zu leboncoin.fr! Die Seite ist relativ einfach zu navigieren, auch wenn man der französischen Sprache nicht kundig ist. Allerdings hilft es, besonders wenn es um die Kontaktaufnahme geht, wenn man die Sprache beherrscht. Zugegeben, gekauft habe ich noch nie etwas dort und manchmal gestaltet sich die Kontaktaufnahme mit den Verkäufern eher schwierig; Das Tolle daran ist, dass die meisten Anbieter nicht kommerzieller Art sind, der Nachteil ist, dass manche auf eine Anfrage aus dem Ausland gar nicht erst reagieren. Immerhin wird dem Interessenten angezeigt, zu welchem Prozentsatz bei den Inserenten mit einer Antwort gerechnet werden darf. Um eine Anfrage zu stellen, muss man sich einen kostenlosen Account einrichten, was dem üblichen Unfug wohl etwas Einhalt gebieten soll. Letztlich ist es aber eine Kleinanzeigen-Plattform im Netz – mit allen Vor- und Nachteilen und mit einer Benutzung auf eigene Gefahr.
Wie bereits beschrieben, ich habe noch nie etwas dort gekauft. Darin zu wühlen hat aber auch einen höchst informativen Zweck. Die überraschend vielfältige, doch sehr regionale Welt der französischen Wohnwagen lässt sich beispielsweise wunderbar mit Hilfe der Kleinanzeigen ergründen. Kennen sie Mettmann aus dem Elsass, die Wagen von Val de Loire oder einen Baillou? Sagt ihnen eine Fleurette etwas oder Chollet? Das Studieren von Kleinanzeigen ist schon aus diesem Grund höchst interessant. Zudem gewähren viele der Bilder diesen voyeuristischen Blick ins Innere dieser Wohnanhänger, von denen man vielleicht schon mal ein Exemplar auf einem Campingplatz angetroffen hat, oder hinter einem alten Bauernhaus irgendwo in den französischen Pampas. Und eben, der von Händlern, Liebhabern und Insidern oft schon vorgefilterte und preistechnisch korrekt zugeordnete Inhalt geht dieser veritablen Pinwand weitgehend ab.
Auf leboncoin.fr inserieren jene, die schlicht ihre Ware loswerden wollen, die Scheune leeren, den Hinterhof oder die Garage. Was ich vergessen habe: Natürlich gibt es auf leboncoin.fr auch eine Unmenge an Autos. Ersthand-Käufe sind durchaus möglich. Was mir persönlich gefällt ist, dass die Franzosen in der Regel ziemlich offen und ehrlich ihre Gebrauchtware anpreisen. Was auf den Bildern zu sehen ist, korrespondiert meistens mit den dafür verlangten Preisen. C'est trés sympa!
Übrigens, das passt hier irgendwie noch hinein: Wer Zeit hat, der macht es womöglich aber wie ein alter Kumpel von mir, ganz ohne Internet. Es hat früher in der französischen Provinz seinen französischen Klassiker, Simca oder Traction Avant, gerne vor ein Bistro mit Aussenbestuhlung parkiert, sich dazugesetzt und gewartet, bis jemand mit ihm das Gespräch aufgenommen hat – natürlich über das Auto. Manche Male führten diese Konversationen zu einer alten Garage, in eine Scheune oder vor eine Werkstatt, wo noch dieses oder jenes spannende Objekt abgestellt stand, weil der einheimische Gesprächspartner davon wusste oder da jemanden kannte. Doch eben – das braucht Zeit.
































