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Wenn ein Ferrari aufhört, ein Ferrari zu sein

Bruno von Rotz
25.06.2012

Carrozzeria Italia Barchetta auf Basis eines Ferrari 330 GT 2+2 von 1964 erbaut

Es war einmal ein Ferrari 330 GT 2+2. Gebaut worden war er mit Chassis-Nummer GT 6395 im Jahr 1964 durch die Firma Ferrari in Maranello, als Sportwagen-Coupé machte er den Besitzern viel Freude.

Ferrari 330 GT 2+2 von 1964

Irgendwann um 1990 baute Domenico Scaduto, ein ehemaliger Mitarbeiter der Carrozzeria Touring, den inzwischen alt gewordenen 330er in eine Barchetta um. Dazu nutzte er Chassis und Mechanik des 64-er-Ferraris und baute nach alter Handwerkskunst eine offene Sportwagen-Karosserie darauf auf, genauso wie es die Mitarbeiter der Carozzeria Touring in den Vierziger- und Fünfzigerjahren auch gemacht haben, als zum Beispiel der Ferrari 2000 Mille Miglia entstand, ein Fahrzeug das bezüglich Formensprache sicher der neuen Barchetta von Scaduto Pate stand. Wegen anderer Abmessungen und erhöhtem Platzbedarf der moderneren Mechanik unterscheidet sich die neuere Barchetta allerdings vom “Original”.

Ferrari 2000 MM - Touring Superleggera Spider von 1949

Der Besitzer John Weinberger aus Illinois (USA) war sehr stolz auf den offenen Ferrari und sogar Sir Stirling Moss fuhr den schönen Wagen an einer renomierten Oldtimerveranstaltung. Die Zeitschrift Autoweek publizierte  einen Bericht über das Fahrzeug.

Zwischen 1995 und 2010 tauchte der Wagen dann an mehreren Auktionen (Barret Jackson, RM Auctions, Gooding & Company) auf und wechselte mehrfach den Besitzer. Im Jahr 2010 erwarb Reinhard Schmidlin von der Oldtimer Galerie in Toffen den Sportwagen.

Da Schmidlin den Wagen weiterverkaufen wollte, inserierte er ihn auf der Internet-Plattform classicdriver und wurde zu seiner Überraschung  “zeitnah” von deutschen Anwälten abgemahnt. Sowohl die Verwendung des Markennamens Ferrari wie auch das Anbringen der typischen Markeninsignien (springendes Pferd) seien widerrechtlich.

Dies wollte Schmidlin nicht einsehen und so trafen sich die Parteien nach langen und kostenintensiven Vorbereitungen der involvierten Anwälte am 21. Juni 2012 in Frankfurt vor Gericht (LG Frankfurt AZ 2-03 O324/11).

Das Gericht tendierte dazu, eine Markenverletzung in mehreren Punkten gutzuheissen und damit dem Hersteller Ferrari Recht zu geben. Den Argumentationen der Verteidigung von Schmidlin wurde mehrheitlich nicht gefolgt. Als Ergebnis verhandeln die Anwälte einen Vergleich.

Die ganze Geschichte wirft natürlich eine ganze Reihe von Fragen auf. Was ist die Essenz eines Automobils (Chassis, Motor, Karosserie)? Lassen sich die aktuellen Markengesetzgebungen, die sich im Übrigen von Land zu Land deutlich unterscheiden, auf die Thematik Umbau/Special anwenden? Warum ist ein Vorgang, der 1949 vollkommen normal war, nämlich den Aufbau einer Karosserie durch eine externe Karosseriefirma auf einem Werkschassis, heute plötzlich anrüchig? Wären alle die Specials, die auf Alvis-, Riley- oder MG-Chassis in der Zeit oder später aufgebaut wurden, nach deutschem Markenrecht abmahnungswürdig, wenn es einen entsprechenden Interessenvertreter gäbe?

Rechtlich ist die Sache sicher verzwickt und man kann auch nachvollziehen, dass ein Hersteller, der viel in seine Marke investiert, diese vor Trittbrettfahrern schützen will. Aber muss es denn soweit gehen, dass Ferrari einen Leichenbestatter wegen nicht autorisiertem Anbringen eines Ferrari-Logos auf einer Urne verklagt (2007, Financial Times Deutschland) oder eine traditionell aufgebaute Barchetta abmahnt, die für die Marke Ferrari vermutlich mehr tut, als mancher 456 oder 599 auf der Strasse? Und, müssen alle Besitzer von König-Ferrari- oder Felber-Ferrari-Fahrzeugen um die Markenidentität ihrer Schätze bangen? Und bestimmt Ferrari morgen mit, wenn man das Radio seines 308 austauschen möchte oder die Farbe von Rot auf Gelb wechseln möchte?

Weil diese Geschichte, obschon sie den Tatsachen entspricht, wie ein Märchen begann, soll sie auch wie ein solches enden: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann streiten die Herren Anwälte weiter, motiviert durch das Versenden ansehnlicher Honorarnoten ...

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