Wer fahren will, muss arbeiten – Studebaker GT Hawk Update
Überall hört man, der Oldtimerszene fehle der Nachwuchs. Stimmt vermutlich. Ich habe beschlossen, mich nicht weiter darüber zu beklagen, sondern bei mir selbst anzufangen, genauer gesagt bei meiner Tochter.
Vor vier Jahren habe ich Liv einen Studebaker Gran Turismo Hawk von 1962 geschenkt, wie bereits einem meiner Blogs zu entnehmen war. Ob das pädagogisch wertvoll oder einfach eine gute Ausrede für ein weiteres Auto war? Nun, meine Tochter hat sich sehr gefreut. Der Wagen stand seit 1996 still, immerhin trocken und mit einem letzten Service vor der Stilllegung. Rost gibt es keinen, der Zustand ist ordentlich. Benzinleitungen, Reifen und vor allem die Bremsen wollten aber überholt werden.
Das Innere der Trommelbremse – damals mit viel Paste montiert, aber in den Leitungen und Radzylindern gabs nach 30 Jahren nur noch Pulver...
Die Bremsen haben am gründlichsten aufgegeben – ganz! Kein Pedaldruck, keine Wirkung, gar nichts. Schon bei der Bergung vor vier Jahren blockierte hinten ein Rad, und beim Herauswinden rissen wir die Beläge gleich von den Bremsschuhen. Einen ersten Blick hinein hatten wir also schon damals geworfen, ob wir wollten oder nicht.
Jetzt aber galt es "richtig". An einem Samstagnachmittag lagen alle Teile bereit, und Tochter Liv durfte selbst ran. Ich habe angeleitet, erklärt und der Patenonkel hat die Werkstattlampe gehalten. Sie hat geschraubt, die alten Radzylinder und Bremsbacken ausgebaut und die neuen Teile eingesetzt. Das ging seht glatt, ohne Fluchen und abgerissene Schrauben.
Studebaker hat 1852 als Wagenbauer angefangen und die Planwagen der Siedler auf dem Weg nach Westen gebaut. Einen älteren Stammbaum hat kein amerikanischer Autohersteller. Vielleicht erklärt das, warum am "Studi" alles so angenehm unkompliziert ist. Die Bremstrommeln sind bloss über die Radnaben gesteckt und werden von den Felgen gehalten. So schnell hatten wir noch nie eine Trommelbremse offen. Der Abzieher blieb in der Schublade. Eine tolle Sache und ein Lehrstück an Reparaturfreundlichkeit, an dem moderne Autobauer sich reichlich gütlich tun sollten.
Mit dem Raccord-Schlüssel die Überwurfmuttern lösen braucht Fingerspitzengefühl
Auch sonst stellte sich uns kaum etwas in den Weg. Keine Überwurfmutter hing nach Jahrzehnten so an ihrem Radzylinder, dass sie nicht loslassen wollte. Die Arbeit kam zügig voran – ideal für eine Einsteigerin im besten Teenageralter, bevor ihr die Geduld ausgeht. Ich weiss, wovon ich rede. Aber ganz ohne Überraschung ging es dann doch nicht. Die vorderen Metallleitungen haben wir unvorsichtigerweise abgedreht, also kommen sie neu. Und wenn wir schon dabei sind, ersetzen wir nun auch gleich alle Metallleitungen. Das ist dann die nächste Etappe, denn das Ziel steht fest. Im Frühling 2027 will Liv die Fahrprüfung machen, und bis dahin soll der Studebaker fahrbereit sein. Zündung, Vergaser und der ganze Rest kommen danach dran. Funktionieren tut alles bereits, zumindest in der Theorie. Den Details wollen wir auf den Grund gehen, wenn wir sie buchstäblich "erfahren" können – mit V8-Gebrabbel und so. Das macht doch Spass – nicht so, wie die aktuellen Spritpreise.
Beleuchtungsassistenz vom Profifotografen: "Licht, Tupfer, Klemme..."
Aber für den Moment sind wir sehr zufrieden. Die Bremsen rundum sind gemacht, samt Hauptbremszylinder, neue Backen eingebaut, alles frisch – bis auf die Metallleitungen. Diese lassen wir neu konfektionieren. Wichtig ist auch: Unsere Hände sind schwarz, ich blicke gerade auf meine recht patinierten, X-mal geschrubbten zehn Extremitäten, und eine Siebzehnjährige weiss jetzt, wie eine Trommelbremse von innen aussieht.

























