Neuwagen am Concours? Wie vor 100 Jahren!
In Pebble Beach war es dieses Jahr wieder auffällig: neue Autos der Luxusklasse von Bugatti, Hennessey, Aston Martin und Lamborghini debütierten zuhauf am eigentlichen Klassiker-Anlass. Das wirkt manchmal befremdlich, hat aber durchaus Tradition. Oder man muss es anders sagen – die Concours fingen mal mit neuen Autos an.
Vor rund 120 Jahren begannen die ersten Concours-Veranstaltungen, im deutschsprachigen Raum erst Korso oder Eleganz-Konkurrenz und später Schönheitswettbewerb genannt.
So 1904 in Bad Homburg v.d.Höhe als Abschluss der Gordon-Bennett-Rennwoche und 1905 auf der Deutschen Automobil-Woche in München. In Österreich gebührt die Ehre Abbazia (heute Opatija in Kroatien), wo 1912 eine Schönheits-Konkurrenz im Rahmen der Adria-Sportwoche stattfand.
Der Krieg verhinderte danach fast zehn Jahre solche Vergnügungen, dann setzte ein Franzose das Zeichen für einen Neuanfang. Am 4. September 1921 organisierte der Literat und Schöngeist Marcelin André Becq de Fouquières (1874-1959) den ersten richtigen Concours d'Elegance im französischen Seebad Dinard, dem „Nizza des Nordens“.
Er brachte erstmals Karosseriebauer und Haute Couture unter einen Hut und löste damit einen Boom aus: In Baden-Baden (1921), Paris (1924), Wien (1924) und Genf (1924) wurde ebenfalls der neuen Veranstaltungstypus zelebriert, bei dem Autos, Kunst und Mode gezeigt wurden.
Im Mittelpunkt standen luxuriöse, schöne und teure Autos, Traumwagen von Saoutchik, Chapron und Vanvooren. Die schönsten und neuesten Blech-Kunstwerke der Saison. Als man beim Concours 1932 in Zürich ein paar Vorkriegsmodelle ausstellte, wurden diese als „alte Klepper“ verspottet.
Mit dem Niedergang der Karosseriebaukunst verschwanden die Concours. Um Jahre später neu zu entstehen und jene kunstfertigen Modelle noch einmal zu feiern, die mittlerweile ins Oldtimeralter gekommen waren.
Seit ein paar Jahren haben auch die Autohersteller die Oldtimer-Concours für sich neu entdeckt. Vor allem, seitdem die früheren Leitmessen in Detroit, Frankfurt, Tokio und Genf verschwunden oder nur noch ein Schatten ihrer selbst sind.
So stehen wieder Neuwagen auf den Concours d'Elegance. Neue Traumwagen, besonders sportlich, luxuriös, teuer. So exklusiv wie vor 100 Jahren und gefühlt von Jahr zu Jahr mehr. Und aus den Tages-Concours entwickeln sich hier und da wieder ganze Automobilwochen wie früher in Baden-Baden und St. Moritz. Mit Rennen, Concours und natürlich – vielen neuen Autos.


























