Braucht es wirklich eine Strasse?
Die Marktgemeinde Weyer an der Enns in Oberösterreich widmet Erwin Komenda keinen Strassennamen und die örtliche Pfarre kein Ehrengrab. So die Feststellung von Dr. Iris Steineck auf der familieneigenen Webseite komenda.at rund um den 60. Todestag des Porsche-Designers. Komenda (1904-1966) war der Chefingenieur von Ferdinand Porsche und Zeichner der Modelle 356, 550 und last not least des VW Käfer.
Die Wiener Ärztin ist die Enkelin Komendas und kämpft, wo immer es geht, für den Grossvater. Ihre Klage auf seine Urheberschaft am Porsche 911 blieb allerdings bislang erfolglos, auch wenn er an dem grundlegenden Entwurf von F.A. Porsche mitgearbeitet hat. Doch jetzt geht es ihr um Würdigung durch einen Strassennamen und das Familiengrab.
Die Gemeinde habe mitgeteilt, so steht es auf der Webseite, dass eine posthume Verleihung der Ehrenbürgerschaft nicht vorgesehen sei. So viele neue Strassen wird es nicht haben und eine bestehende umzutaufen ist ja auch nicht einfach. Schon gar nicht, wenn dafür ein anderer Name gelöscht werden müsste.
Es gibt beispielsweise eine Strasse für Josef Bachbauer, einst Hotelier in Weyer. Und eine für Josef Gabriel Frey, einen Lederer und Maler. Beides offenbarte verdiente Einheimische. Aber keine Strasse für Komenda, der allerdings, anders als in Zeitungen gern zitiert, eben kein Sohn der Marktgemeinde ist.
Erst kurz nach seiner Geburt in Jauern am Semmering zog die Familie nach Weyern, wo Komenda seine Jugend verbrachte. Und später zwar immer wieder gern dorthin zurückkehrte, aber doch seinen Lebensmittelpunkt in Zuffenhausen gehabt haben dürfte, wo er als Chefingenieur bis zu seinem frühen Tod mit 62 Jahren arbeitete.
Er sei sehr beliebt gewesen in Weyer und habe sich in seiner Wahlheimat für die Mitmenschen eingesetzt, heisst es. Offenbar reicht das aber nicht für einen Strassennamen, über den der Gemeinderat der 3989-Seelen-Dorfs abstimmen müsste.
Immerhin, als jüngst die Ennstal Classic am 24. Juli 2026 in Weyer vorbeikam, wurde auf dem Marktplatz an den berühmten Designer erinnert. Und einen Tag nach dem Todestag am 22. Juli legten Bürgermeister Leopold Buchriegler und Elizabeth Spiekermann, Sprecherin des Tourismusforums Weyer, Blumen aufs Grab. Die angeblich schon wieder verschwunden waren, als Tochter Ingrid Komenda das Grab ihres Vaters besuchte. So steht es auf der Webseite.
Die Pfarre sieht sich übrigens auch nicht in der Pflicht und verweist auf die Gemeinde, sollte das Grab eine öffentliche Würdigung erfahren. Über Ehrengräber sage die Friedhofsordnung nichts aus. Das klingt fast nach Loriot, aber natürlich ist die Sache ernst. Todernst darf man sagen.
Geht es hier wirklich noch um fehlende Anerkennung? Oder wird einfach nur reflexhaft reagiert, wenn nicht alle und jeder vor Ehrfurcht erstarrt bei dem Namen Komenda? Ja, Designer haben früher weniger Anerkennung bekommen und erst die italienische Fraktion aus den 1930er-Jahren ist nicht nur bekant, sondern berühmt geworden: Spada, Giugiaro, Gandini und wie sie alle heissen.
In der Nachkriegszeit war das noch nicht so, Design oft nicht mal eine eigenständige Abteilung. Bei Mercedes hiess sie Stilistik und war dem Karosserieversuch unterstellt. Deshalb ist auch der Name Friedrich Geiger vielen nicht geläufig, obwohl er mit dem 300 Sl eine Super-Ikone der Automobilgeschichte schuf. Und Komenda den Käfer, der zwar weltweit fuhr, aber weniger wegen seiner Schönheit, als seines originellen Designs wegen geliebt wurde.
Das macht ihm niemand mehr streitig und die Anerkennung seiner Leistung ist längst erfolgt. Eine Strasse braucht es dafür nicht mehr. Die findet sich übrigens auch nicht in Komendas Geburtsort Jauern. Dort gibt es gar keine Straßennamen, sondern die Gebäude tragen nur den Ortsnamen als Adresse mit einer Nummer. 356 wäre doch eine hübsche Idee …

































