Ultimativ ikonisch
Mehr ist immer besser. Deshalb reicht es heute anscheinend nicht mehr, nur eine Sprache nicht zu beherrschen. Wer es in der schreibenden Zunft zu etwas bringen will, muss mindestens zwei Wortschätze samt Grammatik durcheinanderbringen können. Und ich würde das ja mit Humor nehmen, wenn sich diese zweifelhafte Begabung nicht zunehmend auch im Altautojournalismus ausbreiten würde. Denn damit wird es persönlich, weil es dem Ansehen meines Berufes schadet.
Dabei sollten es Leute, die sich hauptberuflich mit Sprache beschäftigen, eigentlich besser wissen. Denn: Das deutsche "ultimativ" kommt vom "Ultimatum", der letzten Aufforderung vor angedrohten Konsequenzen, und ist keine Steigerungsform über dem Superlativ. Das englische "ultimate sports car" übersetzt sich demnach nicht mit "der ultimative Sportwagen", sondern beispielsweise mit "der Sportwagen schlechthin", "der Nonplusultra-Sportwagen" oder einfach nur "der Sportwagen" mit betontem Artikel.
Ganz ähnlich verhält es sich mit der gerade sehr angesagten Wortneuschöpfung "ikonisch", die gerne verwendet wird, um selbst den alltäglichsten Anblick zur göttlichen Erscheinung hochzuschreiben. Problem: Das englische "icon" entspricht nicht zwangsläufig der deutschen "Ikone". Selbst wenn wir so tun, als wäre er ein althergebrachtes deutsches Wort, ist der denkfaule Neologismus also inhaltlich immer noch falsch. Oder sind wir wirklich der Meinung, dass die Rückleuchten einer Corvette Sting Ray alle Eigenschaften eines Heiligenbildes besitzen?
Zum Glück ist bisher noch niemand "gelangt in den Fahrersitz, um zu schlagen die Strasse." Aber der Weg dahin ist geebnet. Verzeihung. Ich meine natürlich: "Der Ton ist gesetzt". Leute, die "in Zwanzig-Fünfundzwanzig die Extrameile gehen, weil sie einen guten Job machen wollen" sind leider schon viel häufiger als solche, die sich Zweitausendfünfundzwanzig eine Extraportion Mühe geben, weil sie ihre Sache gut machen wollen. Meist sind das dann auch die Leute, die dafür lieber ihre "Komfortzone" als ihren Wohlfühlbereich verlassen.
Wenn es auf diese Weise weitergeht, werden sich unsere Texte bald in etwa so lesen:
"Ein Opel Omega ist ein hervorragendes Auto für Langdistanzausflüge. Dank Kreuzkontrolle muss man nicht so oft auf den Geschwindigkeitometer schauen. Und dank Mehrfachwidder hat der V6 in jedem Revolutionsbereich genug Drehmoment, um auch Hügel konstant zu klettern. Der Luftzustand behält im Sommer das Passagierfach kühl – und im Winter verhindert er, dass die Fenster aufnebeln. Natürlich kontrollieren wir vor jeder längeren Fahrt, ob Drehsignale, Kopf- und Schwanzlichter funktionieren. Die Gedächtnissitze sind übrigens sehr bequem."
Alles verstanden? Möglich. Ziemlich albern? Mit Sicherheit. Wenn man sich nicht anhören will wie ein Brite aus einem Asterix-Heft, muss man eben hin und wieder einmal eine Sekunde länger über das nachdenken, was man so schreibt. Einfach englische Ausdrucksweisen Wort-für-Wort einzudeutschen, ist zwar gerade Stand von der Kunst, mir aber trotzdem ein gewaltiger Schmerz in dem Arsch. Langsam wird's echt ridikulös.
P.S. Der oben gezeigte Ausschnitt stammt aus dem lesenswerten Asterix-Band 8 "Asterix bei den Briten" von René Goscinny und Albert Uderzo, übersetzt durch Gudrun Penndorf, erschienen bei Egmont Comic Collection.

























