Vergessene Filmautos: Der Ford Mustang aus "The Fast and the Furious: Tokyo Drift"
Einfach reinlaufen, einen Beutel mit Kohle abliefern und dann wieder gehen? So leicht lässt ihn die Yakuza nicht vom Haken. Ein Autorennen soll endgültig entscheiden, wer die Stadt zu verlassen hat: Emporkömmling Sean oder der ungekrönte "Drift King" Takashi. Nur womit fahren? Denn die Polizei hat in der Nacht zuvor sämtliche Autos in der Werkstatt von Seans Mannschaft konfisziert.
Zwei ausgelagerte Schrotthaufen sind den Augen der Gesetzeshüter jedoch entgangen: der völlig zerstörte Nissan Silvia mit turbogeladenem RB26 im Hinterhof – und der motorlose '67er Projekt-Mustang in der Garage von Seans Vater. In Windeseile kombinieren Sean und seine Freunde die beiden zu einem drifttauglichen Rennprovisorium, komplett mit Schalensitzen, Überrollkäfig, hydraulischer Handbremse – und 350 PS starkem Nissan-Sechszylinder im Bug.
Und die Welle der Entrüstung, die dieser Umbau bei autobegeisterten Zuschauern ausgelöst hat, ist bis heute nicht abgeebbt. Verehrer traditioneller Muscle Cars empören sich darüber, dass jemand es gewagt hat, einen amerikanischen Klassiker mit einem japanischen Nicht-V8 zu entweihen. Wohingegen die Japan-Fraktion wettert, dass man dieses Hightech-Heiligtum von einem Motor doch nicht in so eine blattgefederte Primitivkarre stecken kann.
Mit dem Motor freilich nicht genug, hält sich der grüne Fastback auch optisch nicht an Konventionen. Denn neben dem RB26DETT hat er auch die 19 Zoll grossen Volk GT-7 und den schäggestellten HKS-Stummelauspuff von Silvia geerbt. Nur die zwei weissen Längsstreifen entsprechen der üblichen Mustang-Mode. Aber zum Lackieren fehlte einfach die Zeit. Die Feinabstimmung des Fahrwerks war vor dem Rennen wichtiger.
Insofern entspricht Seans Mustang damit dem Ursprungsgedanken des Hot Rodding, dass man aus dem, was man hat, einfach das Beste macht, mehr als jeder Restomod mit unbegrenztem Budget. Stärker als alle makellos aufgebauten rein japanischen Autos im Film folgt der Nikkei-Amerikaner der Philosophie des "Wabi-Sabi", dass wahre Schönheit nur in der Unvollkommenheit liegen kann – was in gewisser Weise für den ganzen Film gilt.
The Fast and the Furious: Tokyo Drift gilt heute als unbeliebtester (und kommerziell enttäuschendster) Teil der Reihe, obwohl er sich mit Abstand am stärksten auf Autos und die Subkultur um sie herum fokussiert. Und weil noch keine muskelbepackten Glatzköpfe mit ihnen von einem Hochhaus ins nächste springen, wirken die Fahrszenen sogar glaubhaft. Für die Drift-Aufnahmen kamen insgesamt fünf Stunt-Mustang zum Einsatz – die alle einen V8-Motor hatten.

































