Die Geschichte zum Bild oder das Bild hinter der Geschichte 3 oder: Shit happens!
Manchmal reicht ein einziger Klick – oder eben ein einziger Nicht-Klick – und du hast den Salat. Bei mir war's ein sattes, amerikanisches "Klack". Spätes Frühjahr 1991, Glaubenberg – und der Tag war plötzlich neu organisiert.
Der Auftrag? Eigentlich ein Traum: den Chevrolet Blazer für GM ins rechte Licht rücken. Offroad, kernig, ein bisschen Abenteuer – und wenn möglich noch Schnee. In der Innerschweiz? Gelände findest du überall. Aber Schnee, Ende Frühling? Eher Lotterie.
Also bin ich mit dem Ami hoch – immer weiter, immer steiler – bis ich oberhalb vom Sarnersee tatsächlich noch so ein trotziges, übrig gebliebenes Schneefeld gefunden habe. Perfekt? Nein. Aber brauchbar. Und die Kulisse hat gepasst. Mehr wollte ich gar nicht.
Ich war allein unterwegs. Keine Menschenseele. Also Blazer hingestellt, ausgestiegen, einmal rundherum geschaut. Licht? Passt. Perspektive? Geht schlimmer. Schnee? Noch da.
Klack.
Tür zu.
Ich greife zum Griff. Nichts. Nochmal. Immer noch nichts.
Und ja – der Schlüssel steckt natürlich im Zündschloss. Fenster? Klar, alle zu. Und ich? Draussen. Ausgesperrt. Komplett.
Fluchen bringt genau gar nichts. Und wir reden hier von einer Zeit, in der ein Handy ungefähr so realistisch war wie ein Helikopter auf Abruf. Also: laufen.
Ziel: Gasthaus Langis. "Nur" ein paar Kilometer. Klingt harmlos – zieht sich aber ziemlich, wenn du keine Jacke hast, keine gescheiten Schuhe und die Laune langsam kippt. Zwei Stunden später habe ich dann tatsächlich dort gestanden. Durchgeschwitzt, leicht genervt – und mit einer Geschichte, die mir selber schon fast peinlich war.
Und dann – manchmal läuft's halt doch – sitzt da ein Garagist, den ich kenne, ganz entspannt beim Kaffee. Ich erklär ihm die Lage, spendier ihm spontan einen Kaffee – man weiss ja nie – und kurz darauf sitzen wir in seiner italienischen Limousine und fahren zurück Richtung Blazer.
Weit sind wir nicht gekommen.
Das Gelände hatte andere Ideen.
Also wieder raus. Wieder laufen. Diesmal zu zweit – macht's auch nicht wirklich besser, wenn beide falsche Schuhe anhaben. Aber immerhin: Werkzeugkoffer dabei. Draht, Schraubenzieher – die Klassiker.
Ein bisschen Gefummel, etwas Improvisation – und irgendwann geht die Tür tatsächlich wieder auf. "Aufbrechen" trifft's wahrscheinlich besser. In dem Moment war's einfach nur: endlich.
Blöd nur: Die Zeit war weg. Sonne tiefer, Licht anders. Und der Schnee? Auch weniger. Deutlich weniger. Was vorher noch "brauchbar" war, war jetzt eher so: Kann man machen, muss man aber nicht.
Ich hab das Shooting trotzdem noch durchgezogen. Was willst du auch machen? Nochmal zwei Stunden laufen und hoffen, dass der Schnee zurückkommt?
Jahre später – eigentlich Jahrzehnte – halte ich die alten Dias wieder in der Hand. Zerkratzt, ein bisschen verblasst, aber genau dieser Charme von früher. Und plötzlich ist alles wieder da.
"Ah ja … da war doch was."
Was bleibt? Klar, heute würdest du das Bild technisch besser hinkriegen. Schneller, effizienter. Aber die Geschichte? Die kriegst du so nicht mehr.
Und das Fazit hat bis heute gehalten: Diese Fahrzeugassistenz … schwierig. Die Amerikaner waren da früh kreativ – Türen verriegeln sich, Schlüssel steckt drin. Super Idee.
Heute brauchst du oft gar keinen Schlüssel mehr. Das Auto merkt, dass du da bist. Alles smart. Alles bequem.
Bis die Batterie leer ist.
Shit happens. Nur piepst's heute vorher wenigstens ein bisschen.

































