Ach du Packard!
Virgil Exner hatte die Idee bereits im Dezember 1963 zu Papier gebracht, war aber über einen Modellbausatz im Masstab 1:25 nicht hinausgekommen. Ende der Siebzigerjahre unternahm daher Budd Bayliff einen weiteren Versuch, die untergegangene Marke Packard wiederzubeleben: 1978 erwarb er die Rechte zur Verwendung von Namen und Emblemen und begann in seinem Karosseriebaubetrieb in Lima, Ohio, beides an fabrikneuen Cadillacs oder Buicks anzubringen.
Natürlich wurden die Luxusschlitten vom Detroiter Fliessband zuvor einer ganzen Reihe an optischen Modifikationen unterzogen. Und wie Exner hatte auch Bayliff hierbei einen leichten Hang zur Überbetonung der klassischen Stilmerkmale. Denn obwohl Packard in den Fünfzigerjahren seinen traditionellen Kühlergrill der Formensprache von Ponton-Karosserien angepasst hatte, entschied sich Bayliff für das schmale, hohe Vorkriegs-Format. Auch freistehende Leuchten an Front und Heck kehrten zurück.
Stilistisch bewegten sich die neuen Packards somit auf Augenhöhe mit den Stutz-Neuinterpretationen auf Pontiac-Fahrgestell, mit denen sie heute gerne verwechselt werden. Preislich lagen sie allerdings bei dem Doppelten und mehr: Zwischen 45'000 und 65'000 Dollar stellte die Bayliff Coach Corporation für den künstlichen Alterungsprozess in Rechnung. Dafür war der Packard im Gegensatz zum Stutz neben einem Coupé und einer viertürigen Limousine auch als Cabrio erhältlich – und als Leichenwagen.
Der spielte mit roter Dachleuchte sogar eine Doppelrolle als Rettungswagen – praktisch, wenn man auf halber Strecke merkt, dass sich der Weg ins Spital nicht mehr lohnt. Von dem pragmatisch-nostalgischen Totengräber sollen allerdings nur zwei Exemplare entstanden sein, die beide noch existieren. Stückzahlen der Modelle für lebende Fahrgäste sind leider nicht bekannt. Man kann also nicht darauf hoffen, so schnell einen zweiten zu finden, wenn einem ein Exemplar durch die Lappen geht.
Folglich sollte man die erste Chance, die sich bietet, auch nutzen. Auf bringatrailer.com wird derzeit ein 1981er Packard Custom Coupe versteigert. Falls es einem am Steuer dann doch zu peinlich werden sollte: Beim angebotenen Bayliff-Caddy ist der serienmässige V8-6-4 mit schlappen 140 HP durch einen 375 HP starken 7,7-Liter-V8 von 1968 ersetzt worden. Damit liesse sich dann wenigstens schnell dem Spott entfliehen. Manchmal kann auch schlechter Geschmack einsam machen…


























