Die diskrete Magie der Dinky-Toys-Kataloge
Die Print-Welt – ob Zeitung, Anzeiger, Zeitschrift oder Werbung – war Ende der Fünfziger-, Anfang der Sechzigerjahre in Text und Bild fast ausschliesslich schwarz-weiss, selbst im "Gelben Heft". Nicht, dass mich das als Kind gestört hätte. Es war einfach normal. In unserem bildungsbürgerlichen Haushalt (zweimal täglich die Zeitung "Der Bund") gab es drei Ausnahmen: Den SBB-Kalender sowie die grossformatige Kulturzeitschrift "Du", welche farbige Kunstreproduktionen und vereinzelt Farbfotografien brachte.
Und dann gab es meine kleinformatigen Dinky-Toys-Kataloge, die durchgehend vierfarbig waren!
Erst neulich, als ich diese Kataloge wieder einmal aus dem Archiv holte, ist mir bewusst geworden, wie sehr diese kleinen Büchlein damals etwas Besonderes waren: Eben durchgehend farbig. Nicht dass ich denke, Modellautos hätten mich weniger interessiert, wenn diese Modellauto-Breviere schwarz-weiss gewesen wären, aber die Farbe brachte schon sehr viel Emotion ins Spiel und verhiess Realitätsnähe.
Doch auch die schönen Schwarz-Weiss-Inserate in der Automobil-Revue hatten ein gewisses grafisches Etwas. Und was für ein Versprechen etwa beim neuen Jaguar 3.4 Litre Mark 2: "Fensterscheiben, unabhängige Federung und neuartige Lenkung". Selbst wenn die Scheiben aus Plexiglas waren, die Federung in Wirklichkeit zwei bewegliche Starrachsen mit Metallspange und die Lenkung durch einseitigen Druck auf das Fahrzeug aktiviert werden musste, das sich dabei entgegen der realen Fahrdynamik nach dem Kurveninnern neigte – Was für technische Fortschritte im Modellautobau!
Wermutstropfen: Diese Fortschritte kosteten im Fall des Jaguar fast sechs Wochengehälter (Taschengeld). Aber es ist ein altes Gesetz, das es vielleicht verdient, wieder entdeckt zu werden: Was nicht sofort erreichbar ist, dessen Aura wächst mit der Wartezeit. Und entsprechend grösser war der nicht-materielle Wert eines solchen Modells und ist es noch heute. Er ist wunderbarerweise auch um nichts kleiner als zum Beispiel der meines hochdetaillierten, absolut grossartigen, kiloschweren 1:12-Metallmodells des Maserati "Birdcage"...
Sammeln – ob nun Modellautos oder was auch immer – ist etwas völlig anderes als ein unkontrolliertes Anhäufen von Objekten. Es ist eine kleine Lebensschule im Spannungsfeld von Gewünschtem und Möglichem. Und noch viel mehr.

































