Die Hybrid-Hypothek
Nein, wir sprechen hier natürlich nicht über Finanzprodukte, sondern über den Hybridantrieb beim Personenwagen. Das Bild oben zeigt den Audi duo von 1989, ein früher Hybridprototyp auf Audi-100-Avant-Basis.
Gemäss neuesten Statistiken wurden in Europa im Jahr 2025 34,5 % Hybrid-Fahrzeuge plus 9,4 % Plug-In-Hybrid-PKW zugelassen. In Summe handelte es sich also bei 43,9 % aller neu zugelassenen Autos in Europa um Hybrid-Fahrzeuge.
Dass diese Art des Antriebs so populär geworden ist, liegt nicht primär an der Attraktivität oder an technologischen Vorteilen, sondern eher am Angebot. Je nach Fahrzeugtyp ist es nämlich gar nicht so einfach, etwas anderes zu kaufen als einen Hybrid-PKW. Dies wiederum hängt mit den stetig anspruchsvoller werdenden umweltbedingten Zulassungsregeln und erlaubten Flottenverbräuchen zusammen. Aber auch mit staatlichen Eingriffen und Förderungsmassnahmen. Es ist kein Zufall, dass in Grossbritannien 11,1 % Plug-In-Hybrid-Wagen verkauft wurden, in Italien aber nur 6,5 %.
Aber wo liegt das Problem, wenn diese Fahrzeuge doch zu tieferen Verbräuchen und gesenkten CO2-Ausstössen führen?
Hybrid-Fahrzeuge mit Batterien und eingebetteten Elektroantriebsmotoren, noch mehr aber Plug-In-Hybrid-Autos mit praktisch doppelt vorhandenem Antriebskonzept inklusive Ladefunktion sind sehr komplex geworden. Im Vergleich zu einem “normalen” Elektroauto mit einem oder mehreren Antriebsmotoren und einem einfachen Untersetzungsgetriebe weisen Hybrid-Fahrzeuge deutlich mehr Bauteile auf, die perfekt zusammenarbeiten müssen, um den Energiesparvorteil einzufahren. Im Gegensatz zu den nicht hybrisierten 35,5 % neu zugelassenen Autos bringt die Hybrid-Flotte mehr Gewicht und mehr Abhängigkeiten mit sich. Die zwar eher kleinen Batterien müssen irgendwann ersetzt werden, die anders genutzten Benzinmotoren unterliegen neuen Alterungsbedingungen. Ob ein Plug-In-Hybrid-PKW in 10 oder 20 Jahren noch wirtschaftlich am Leben erhalten werden kann, ist heute unklar. Bereits jetzt verlangen Garantieversicherungen deutliche Zuschläge, wenn Plug-In-Hybrid-Autos versichert werden sollen.
Gleichzeitig geht die Rechnung für die Umwelt nur bedingt auf. Zwar verbrauchen Mildhybride (also ohne Ladevorrichtung und mit kleinen Batterien sowie wenig leistenden Elektro-Zusatzmotoren) überraschend wenig Benzin, wie ein Selbsttest mit einer über zwei Tonnen schweren Mercedes-Benz E450 4x4 T-Klasse, die sich über mehr als 10'000 km weniger als acht Liter Benzin pro 100 km genehmigte und trotzdem Fahrleistungen ermöglichte, die vor 10 Jahren noch im Sportwagensegment konkurrenzfähig gewesen wären, bewies. Tatsächlich kann durch die komplexe Antriebstechnik, solange sie perfekt funktioniert, Benzin und CO2 gespart werden.
Etwas anderes sieht es mit den illusorischen Verbrauchswerten der Plug-In-Hybrid-Autos aus, welche die von den Herstellern angegebenen 1,5 bis 3 Liter pro 100 km in der Realität weit entfernt sind. Dies liegt nicht primär am Auto selber sondern an dessen Einsatz. Wenn die elektrische Reichweite nach 80 oder auch 120 km verbraucht ist, dann kostet das Zusatzgewicht und die Absenz der elektrischen Unterstützung schnell viel Benzin (oder Diesel). Im Langstreckeneinsatz und auch auf der Kurzstrecke, wenn nicht ständig aufgeladen wird, liegen die Verbräuche dann schnell bei 5 oder auch 8 Litern pro 100 km, die Natur und das Klima haben dann wenig vom angeblichen Spareffekt.
Aus Oldtimersicht kann man nur den Warnfinger heben, denn die meisten der heute zugelassenen Hybrid- und Plug-In-Hybrid-Autos werden wohl das nötige Alter, um ein H-Kennzeichen (in Deutschland) oder ein Veteranenschild (in der Schweiz) zu erhalten, gar nie erreichen und wenn, dann nur mit grossem finanziellen Aufwand ihrer Besitzer. Da stehen selbst die Chancen für reine Elektrofahrzeuge besser, wie es der BMW i3 (gebaut von 2013 bis 2022) schon bald beweisen kann und vermutlich wird.
Und auch die reinen Benziner- und Dieselfahrzeuge werden es langfristig wohl etwas einfacher haben als die Mischformen mit fast verdoppelter Komplexität. So gesehen wird die Hybrid-Phase schliesslich zur Hypothek, die wir der oftmals kurzsichtigen Politik und nicht zu Ende gedachten Regulierungen zu verdanken haben.


























