Da geht doch noch was - Erkenntnisse aus den Pariser Versteigerungen
Das europäische Auktionsjahr wurde mit vier (!) Versteigerungen rund um die Rétromobile Paris erfolgreich gestartet. Und natürlich waren alle gespannt, wie und ob überhaupt die Rekordergebnisse von Kissimmee (USA) die europäische Klassikerszene beeinflussen würde.
Die Antwort hierfür kann gleich gegeben werden. Die Auswirkungen sind klar ersichtlich. Anders ist es kaum zu erklären, dass unter den zehn teuersten Autos von Paris sieben Ferrari und insbesondere zwei 288 GTO, ein Enzo und ein F50 mit rekordhohen oder zumindest sehr, sehr hohen Preisen notiert wurden. Die jungen Ferrari haben in fast allen Fällen die Erwartungen deutlich übertroffen.
| # | Marke | Typ | Jahr | % Est | VP REF | VP CHF |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Ferrari | 250 GT SWB California Spider | 1960 | 0.96 | 14'067'500 | 12'942'100 |
| 2 | Ferrari | 288 GTO | 1984 | 1.25 | 9'117'500 | 8'388'100 |
| 3 | Ferrari | Enzo | 2004 | 1.8 | 8'105'000 | 7'456'600 |
| 4 | Ferrari | F50 | 1997 | 1.13 | 7'598'750 | 6'990'850 |
| 5 | Ferrari | FXX K Evo | 2018 | 1.03 | 6'980'000 | 6'421'600 |
| 6 | Talbot-Lago | T150-C-SS Teardrop Coupé | 1938 | 0.86 | 6'755'000 | 6'214'600 |
| 7 | Ferrari | 288 GTO | 1985 | 1.04 | 5'855'000 | 5'386'600 |
| 8 | Ferrari | FXX Evo | 2008 | 0.79 | 4'448'750 | 4'092'850 |
| 9 | Mercedes-Benz | 300 SL | 1956 | 1.09 | 4'275'000 | 3'975'750 |
| 10 | Bugatti | Bolide | 2024 | 0.71 | 3'998'750 | 3'678'850 |
Obwohl das Durchschnittsalter der teuersten zehn Autos nicht einmal 40 Jahre beträgt, haben es dann doch noch drei “richtige” Klassiker in die Top Ten geschafft, nämlich der Ferrari 250 GT SWB California Spider von 1960, den RM Sotheby's für EUR 14,1 Millionen (CHF 12,9 Millionen) versteigerte, den Talbot-Lago T150-C-SS Figoni et Falaschi von 1938, für den der neue Besitzer bei Gooding Christie's EUR 6,8 Millionen (CHF 6,2 Millionen) zu zahlen bereit war und der sicherlich spektakuläre unrestaurierte Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer von 1956, der bei Artcurial EUR 4,3 Millionen (CHF 3,98 Millionen) kostete.
Insgesamt wurden von 302 Fahrzeugen 222 verkauft, also gegen 76 %. Mit 83,3 % lagen die Höchstgebote gar nicht so weit von den Erwartungen weg, wenn man sie mit den mittleren Estimates vergleicht. Mit 49 % war der Anteil der Lots, die ohne Mindestpreis unter den Hammer kamen, wohl grösser als je zuvor in Paris. Insgesamt wurden für die Autos EUR 148 Millionen bezahlt.
Die Auktionshäuser erhielten allerdings recht unterschiedlich grosse Stücke des Kuchens. Bonhams verkauft zwar 82 %, die Fahrzeuge kosteten aber im Schnitt nur EUR 163.403. Artcurial auf der anderen Seite konnte nur 60 % der Autos vermitteln, erhielt pro Wagen aber durchschnittlich EUR 486'910.
Gooding Christie's , erstmals als offizielles Auktionshaus in Paris angetreten, übergab 80 % der Fahrzeug in neue Hände, im Schnitt für EUR 763'861.
Zahlenmässig am besten aber schnitt in Paris RM Sotheby's ab. 80 % der Fahrzeuge konnten zugeschlagen werden, die Käufer zahlten im Schnitt fast EUR 1,1 Millionen.
Aufgefallen ist uns allerdings, dass die Bieter je nach Fahrzeugepoche sehr unterschiedlich an die Sache heran gingen. 70 % der Vorkriegsfahrzeuge konnten zwar verkauft werden, es wurde aber im Schnitt fast ein Viertel weniger geboten als geschätzt.
Auch die Autos der Nachkriegsjahre waren nur begrenzt beliebt, nur 64 % von ihnen konnten vermittelt werden. Die Sechzigerjahre waren schon etwas mehr ansgesagt, hier liessen sich 77 % der Fahrzeuge in neue Hände übergeben.
Bei den Autos der Siebzigerjahre kam es in 85 % zum Abschluss, bei den Achtzigerjahren in 82 % der Lots.
Die Autos der Neuzeit, also ab 1990 schnitten sogar wieder etwas schlechter ab, nur 77 % davon konnten verkauft werden. Allerdings lagen die Höchstgebote mit 91 % vom mittleren Schätzwert deutlich näher bei den Erwartungen als bei den übrigen Epochen.
Natürlich liess sich in Paris nicht alles verkaufen, auch eigentliche Superraritäten wie der fortschrittliche Ballot 3⁄8 LC Biplace De Grand Prix von 1920 nicht. Aber in eine Depression verfallen muss man angesichts der Ergebnisse sicherlich auch nicht, im Gegenteil. Weiterhin gilt, dass besondere und gute Autos ihren Markt finden. Die Preise für Autos, die über 60 Jahre alt sind, dürften allerdings für die vorhersehbare Zukunft kaum im Steigen begriffen sein, junge Super- und Hypersportwagen aber stossen auf sichtlich rege Nachfrage.


























