Wir können uns alle noch an die grossen Bonhams-Versteigerungen im Grand Palais in Paris erinnern, jener eindrücklichen Kulisse, in der einst auch der Pariser Autosalon stattfand. An einem Tag versteigerte Bonhams da jeweils eine Vielzahl an Motorrädern, Memorabilia und Autos. Annähernd 12 Stunden dauerten diese Marathon-Versteigerungen.
Nun, am 30. Januar 2026 reichten gute vier Stunden im “Polo de Paris”, angesiedelt im Westen vom Pariser Zentrum und rund eine halbe bis dreiviertel Stunden von der Rétrmobile entfernt, um die gemeldeten 65 Fahrzeuge (und einige Memorabilia) zu versteigern.
Auf rund EUR 13,2 Millionen waren die 64 Autos und die Lambretta mit Seitenwagen zusammen eingeschätzt worden, 51 % davon (33 Fahrzeuge inkl. des Roller-Gespanns) wurden ohne Mindestgebot angeboten.
Mit einer Verkaufsquote von 82 % schlug sich Bonhams nicht schlechter als die Konkurrenz, mit einem mittleren Höchstgebot von 91 % des durchschnittlichen Schätzwerts sogar etwas besser.
Insgesamt wurden für die verkauften Fahrzeuge rund EUR 8,66 Millionen (CHF 7,968 Millionen) in Rechnung gestellt, pro Lot also EUR 163'403.
Mercedes-Benz, Porsche, Citroën und Ferrari
Zehn Mercedes-Benz, sechs Porsche und je fünf Ciroën und Ferrari machten rund 40 % der angebotenen Marken aus. Unter den insgesamt 31 vertretenen Fahrzeugherstellern gab es aber auch Exoten wie Jowett, Voisin oder Wanderer.
Während 70 % der angebotenen Mercedes verkauft werden konnten, betrug die Verkaufsquote bei Porsche nur 50 %, bei Ferrari und Citroën aber 80 % . Alle vier Rolls-Royce fanden neue Besitzer.
Strinati-Sammlung verkauft
Unter Lotnummer 121 bis 131 kamen Autos aus der ehemaligen Sammlung von Pierre Strinati aus der Schweiz unter den Hammer. Bonhams hatte as Interesse an den elf Wagen wohl etwas unterschätzt, denn die Bieter gingen im Schnitt bis zum 1,42-fachen des mittleren Estimates.
Während allerdings für die günstigeren Fahrzeuge wie dem Jowett Jupiter von 1952 oder dem Jaguar XK140 Coupé von 1956 deutlich mehr als erwartet geboten wurde, ...
... hielten sich die Interessenten bei den teureren Fahrzeugen, insbesondere beim interessanten Voisin C30 Saloon von 1939 und beim aussergewöhnlichen Mercedes-Benz 500K Coupé von 1934 eher zurück und blieben weit unter den Erwartungen.
Die grösste Überraschung war allerdings der Mercedes-Benz 190 SL aus dem Jahr 1956. Komplett im Originalzustand und inklusive Hardtop und Gepäckset war dieser SL sicher eine einmalige Gelegenheit. Bei EUR 40'000 begannen die Gebote, nach rund 12 Minuten waren dann EUR 240'000 erreicht und der Hammer fiel, womit dieser schwarze Wagen immerhin EUR 276'000 oder CHF 253'920 kostete.
Gut verkaufen liess sich auch der Delage D8-120 als Cabriolet von 1938, der EUR 460'000 oder CH 423'200 einbrachte.
Flügeltürer am teuersten
Der schwarze Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer von 1955 wurde mit EUR 1,3 Millionen (CHF 1,2 Millionen) das teuerste Auto der Versteigerung.
Er hängte sowohl den Strinati-500K ab als auch einen Ford GT von 2022, welcher für EUR 598'000 oder CHF 550'160 vermittelt wurde.
Immerhin lief es für den Ford GT deutlich besser als für den Spyker C8 Spyder von 2006, der mit einem Verkaufspreis von EUR 253'000 (CHF 232'760) doch deutlich unter den Erwartungen lag, während ein Ferrari 575M Maranello von 2002 ziemlich genau auf Estimate-Höhe zugeschlagen werden konnte.
Für deutlich mehr Nachfrage als Erwartung sorgte ein Wanderer W25K Roadster von 1938, der anstatt für die geschätzten EUR 100'000 bis 150'000 schliesslich für EUR 253'000 (CHF 232'760) vermittelt werden konnte.
BMW M1 und Porsche 911 Speedster nicht verkauft
Der BMW M1 von 1981 erreichte mit einem Höchstgebot von EUR 360'000 den Mindestpreis genausowenig wie ein Alfa Romeo 6C 2500 von 1952.
Auch drei Mercedes-Benz und drei Porsche blieben unverkauft und beim Ferrari 512 TR von 1992 reichten die gebotenen EUR 140'000 auch nicht für einen Verkauf.
Selbst beim raren und gefragten Porsche 911 Speedster von 1989 mit schmaler Karosserie wurden mit einem Höchstgebot von EUR 130'000 die Erwartungen bei weitem verfehlt.
Günstige Gelegenheiten
Weil mehr als die Hälfte der Lots ohne Mindestpreis unter den Hammer kamen, witterten auch einige Interessenten gute Chancen, günstig zu einem Klassiker zu kommen.
Immerhin konnte man sich für EUR 92'000 einen Citroën DS19 Décapotable von 1961 sichern, für EUR 115'000 einen Rolls-Royce 40/50hp Silver Ghost Piccadilly Roadster aus dem Jahr 1923.
Mit EUR 32'200 konnte man sich einen Citroën SM kaufen, für EUR 34'500 einen Jaguar Mark 2 3,8 Litre von 1963.
Preiswert gaben auch zwei Ferrari-Besitzer ihr Auto ab, denn der 365 GTC/4 von 1971 kostete nur EUR 124'200, einen 330 GT 2+2 von 1966 gab's für EUR 172'500.
Mit nur EUR 40'250 (CHF 44'436) konnte man sich in einen Maserati Kyalami von 1976 setzen, etwas mehr kostete der Maserati Ghibli 4.9 SS von 1971, nämlich EUR 138'000 (CHF 126'960).
Ob es am ausgedünnten Spezialistenwissen bei Bonhams lag, dass die Schätzungen doch teilweise deutlich neben den erzielten Preisen lagen, ist schwer zu sagen. Im Schnitt lagen die Experten ja gar nicht so weit daneben, im Einzelfall allerdings schon. Am Ende haben aber immer die Käufer das letzte Wort. Angesichts der doch vielen interessanten Autos hätte die Auktion von Bonhams gerade im Vergleich zur Konkurrenz sicher etwa mehr Promotion verdient gehabt.
Angebotene und verkaufte Fahrzeuge
Die folgende Tabelle listet alle angebotenen und verkauften Fahrzeuge mit Schätzpreisen, Höchstgeboten und Verkaufspreisen. Die Preis-Umrechnung erfolgte zum am Auktionstag gültigen Tageskurs. Alle Angaben ohne Gewähr.
| Lot | Fahrzeug | Jahr | EUR Est von | EUR Est bis | EUR HG | EUR VP | CHF VP | % Est | S |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 101 | Lambretta LD 125 with Sidecar | 1954 | 15'000 | 20'000 | 7500 | 8625 | 7935 | -50.71%
|
V |
| 102 | Maserati Kyalami | 1976 | 50'000 | 70'000 | 42'000 | 48'300 | 44'436 | -19.5%
|
V |
| 103 | Austin-Healey 3000 Mk. II | 1963 | 50'000 | 70'000 | 40'000 | 46'000 | 42'320 | -23.33%
|
V |
| 104 | Toyota Land Cruiser BJ42 | 1984 | 45'000 | 55'000 | 32'000 | 36'800 | 33'856 | -26.4%
|
V |
| 105 | Ferrari 365 GTC/4 | 1971 | 100'000 | 150'000 | 108'000 | 124'200 | 114'264 | -0.64%
|
V |
| 106 | Mercedes-Benz 220 Cabriolet B | 1952 | 50'000 | 70'000 | 35'000 | 40'250 | 37'030 | -32.92%
|
V |
| 107 | Fiat 750 Vignale Spyder | 1963 | 13'000 | 17'000 | 10'000 | 11'500 | 10'580 | -23.33%
|
V |
Alle Angaben ohne Gewähr
Legende: Spalte S = Status (V = Verkauft, N = Nicht verkauft, Z = Zurückgezogen, U = Unter Vorbehalt)
Est = Estimate/Schätzwert, HG = Höchstgebot, VP = Verkaufspreis







































































































































































































































































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