Magische Worte
Ich erinnere mich noch gut, es war der März 1980. Mein Vater, ein eingefleischter Citroënist, hatte mich nach Genf an den Salon mitgenommen. Damals fand dieser noch in den alten Hallen auf dem Plainpalais inmitten von Genf statt. Die Erinnerungen sind nicht mehr in jedem Detaill sehr akkurat. Ich war mir jedoch schon im Vorfeld des Besuchs sicher, damals gerade neun Jahre alt, dass der neue Audi unbedingt einen Besuch wert sei. Dies, obwohl ich mich zuvor nie um die Marke mit den vier Ringen gekümmert hatte. Der Grund war klar: Mit viel Vorschuss-Lorbeeren wurde der neue Audi Quattro erstmals präsentiert.
Die Aussicht, dass ein Auto alle Eigenschaften vereinen würde, die mir damals als hoch erstrebenswert erschienen – zwei Türen, Fliessheck, Turbomotor und Allradantrieb – brachten mich fast aus dem Häuschen. Aus solch einer Kombination bestand damals das Auto meiner Träume, eines, das mir nahezu unbezwingbar erschien. Superschnell dank Turbo und unaufhaltsam dank der vier angetriebenen Räder.
Denn «Turbo» war in jedem Fall schnell, immer. Mein Nachbar, respektive dessen Vater, hatte einen Saab Turbo – und sie waren beide fürchterliche Aufschneider. Doch der Saab hiess dank «Turbo» schnell und er hatte sogar einen Spoiler, zumindest das Auto der Nachbarn. Dieser war der Beweis für wirkliche Schnelligkeit.
Als ich dann zum ersten Mal begriffen hatte, dass auch Lastwagen mit «Turbo» daher fuhren, war das ein kleiner Schock. Das erste Mal hatte ich solch einen Schriftzug auf einem Brummi in Frankreich gesehen, einem Renault und sogar mit dem Zusatz Intercooler. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Was, «Turbo» gab es auch im Nutzfahrzeug? Das war für mich surreal, denn was sollte denn ein Lastwagen mit soviel «Extra-Sport» anfangen können?
Einige Jahre später dann, 1983, erschien der erste Turbo meiner damaligen Lieblingsmarke Citroën, auch dieser CX Turbo war – vorerst zumindest – «nur» ein Diesel! Immerhin sorgte der Lader nun für einigermassen akzeptable Leistungswerte. Und noch war der unbändige Glaube in die magische Wirkung von «Turbo» noch nicht ganz verschwunden.
Denn 1983 war in der Formel 1 erstmals ein Turbomotor-Auto Weltmeister geworden. Mit Nelson Piquet am Lenkrad, brachte der Brabham mit dem BMW-Turbomotor diesen ersten Turbo-Titel ins Trockene. Turbo war also durchaus doch das geflügelte Ding, respektive Wort schlechthin.
Die Turbo-Faszination sollte aber ständig etwas erodieren. Einen Vorgeschmack auf eine Alternative hatte ich zwar immer nur in Kleinstmengen verabreicht erhalten.
Vom Tuner Oettinger sollte es im Golf 2000E/16 einen «Vierventilkopf» geben, wie ich in der AMS zu lesen bekommen hatte, ein Brite soll das auch schon gehabt haben und mein Vater fluchte immer sehr farbenfroh, wenn er statt seines eigenen Wagens den Dienstwagen der Firma fahren sollte. Dies war – als Gegengeschäft gegen eine Drehbank eingekauft – ein Dolomite Sprint, der oft herum stand. Wieso, wusste ich damals noch nicht...
Ich konnte mir sowieso nicht helfen, der Dolo-Sprint erinnerte mich als Kind immer an Zahnpasta. War es der Name, oder war’s die British-Leyland-Kampfbemalung des Firmenwagens, die der Grund dafür war?
Doch dann brachte Mercedes-Benz eine Alternative zum Turbo und machte den Vierventilkopf im Mercedes 190E 2.3-16 zur Kampfansage gegen alle Turbos. Zumindest war er dies in meiner Wahrnehmung. Mittlerweile etwas älter geworden, deckte ich mich fortan mit anderer Lektüre vom Zeitschriftenhändler als Yps-Heften ein und wusste dann bald, dass es eigentlich kein «Entweder-Oder» gab, sondern idealerweise – beides! Turbo und 16V!

































