Was man an Tankstellen noch findet
Ich kann mich noch erinnern, wie man Ölfilter, Keilriemen oder Zündkerzen an der Tankstelle kaufen konnte. Noch vor rund 15 Jahren verkaufte mir ein Tankwart in Emmenbrücke LU noch Werkzeuge, Ölfilter oder gar Fahrerhandschuhe. Ich hätte dort aber auch eine FIAMM-Fanfare erwerben können, zwar in der Schweiz im Auto eingebaut illegal, aber irgendwie auch egal. "Dixie" war die Melodie, es gab auch "La Cuccaracha" – alles an der Tankstelle.
Heute gibt es glutenfreie Sandwiches und jede Menge Körperpflegeprodukte. Wäre mein Auto ein Mensch, dann würde es an einer heutigen Tankstelle perfekt versorgt. Als Auto hingegen scheitert es bereits bei einer 10-Watt-Birne für das Rücklicht. Wieviele Leuchtensets liegen bei mir rum, weil ich unterwegs einen defekte Leuchte hatte und man mir bestenfalls nur die ganze Sammlung, hübsch verpackt in einem Plastikkästchen, hat verkaufen können? Ach ja, eine H7-Leuchte war da nie dabei. Die kaufe ich mir mittlerweile immer zu dreien – online. Denn auch die Leuchtmittel lassen heute zu Wünschen übrig. Meistens fallen die Scheinwerferbirnen kurz nacheinander aus. Doch zurück zur Tankstelle.
Manchmal träume ich davon, wie tief die Goldgrube sein müsste, die sich jemand aushebt, der einen alten, richtigen Tankstellenshop alter Schule eröffnet. Einen mit allerlei Verschleissteilen wie Filtern, Bremsbelägen oder Keilriemen, Elektrozeugs inklusive Kabeln und Steckverbindern, etwas Werkzeug – darunter vielleicht auch einen Kugelbolzenabzieher etwa für die Spurstange oder Raccord-Schlüssel für die Brems- oder Hydraulikkupplungsleitung. Idealerweise hätte dieser Shop dann geöffnet, wenn der reguläre Autozubehör- und Teilehandel geschlossen ist. Denn Bedarf für allerlei Serviceteile gibt es ja meistens erst nach Feierabend – nämlich dann, wenn man als berufstätiger Mensch endlich Zeit findet, in seiner eigenen Werkstatt zu schrauben.
Ganz toll wäre gar, wenn die gute Seele von Tankwart am Sonntag auf hätte. Ich vermute mal – aber vielleicht erträume ich mir das einfach – dass er an diesem Tag einen ordentlichen Zulauf hätte. Kleinigkeiten nach der Wochenendausfahrt liessen sich so gleich noch vor der sonntagabendlichen Sportschau erledigen oder seine Tankstelle wäre gleich von Anfang an das Ziel der sonntäglichen Ausfahrt.
Wer weiss, wenn mir irgendwann die Worte hier ausgehen sollten, dann sitzt der Sigrist vielleicht vor seiner Tankstelle und wartet auf all jene, die vorwiegend am Sonntag oder nach Feierabend schrauben müssen – oder wollen.
Bild © ETH e-pics, Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich (Aufnahme einer Tankstelle an der Binzmühlestrasse Zürich, 1984)


























