Zwischen Sonnenschein und Kontrollverlust oder: Es gibt immer einen roten Cooper
Von irgendwoher schallt noch Musik. Wir stehen an einer Schiessbude und versuchen, mit Korken auf Terry's Chocolate und andere Schleckwaren zu zielen. Terry's Chocolate war aber der Fehler, der Korken prallte ab.
Die Szene lichtet sich, auf dem Fairground räumen die ersten Händler ihre Auslagen zusammen. Es musste noch ein Modell sein, irgendeine Erinnerung an diesen Tag. Oder auch nur ein Bier. Verdient haben es alle – denn Robin Dönni hat seine Streckentaufe erfahren. Im wörtlichen Sinn.
Die Sussex Trophy ist dieses Jahr erstmals ein Zweifahrerrennen: 45 Minuten, irgendwo in der Mitte das Fenster für den Fahrerwechsel. Für einen Rookie ist das eine dankbare Bühne – vorausgesetzt, er kommt überhaupt auf ihren Brettern zu stehen.
Der kleine Grüne gegen die Übermacht
Dass es nicht um Pokale gehen würde, war vorher klar. Der Zweiliter-Maserati im Lister leistet rund 200 PS. Auf der anderen Seite der Boxengasse steht ein Lister-Costin mit Chevrolet-V8 – wir reden von gegen 400 PS. Das ist keine Motorisierungsfrage mehr, das ist eine andere Sportart. Wie schon im Freitagstraining: grosse Resultate standen nicht zur Debatte. Robin meint später, es fühlte sich an wie das Fahren im Auto gegen Raumschiffe.
Fred Martin-Dye, unser Erstfahrer, startete vom Ende des Feldes. Zwei Runden später steht der Wagen im Gras. Gelbe Flagge. An der Pit-Lane sind wir konsterniert – und einer zittert richtig. Denn wenn der Lister jetzt das Zeitliche segnet, ist unser Goodwood-Rookie um seine Rennpremiere gebracht. Drama, Emotion, ein paar starke Worte. Man kennt das.
Dann die Entwarnung. Der Schalter der Benzinpumpe ist buchstäblich "heruntergefallen". Ein einziger Handgriff, und der Lister ist wieder einsatzfähig. Manchmal ist Motorsport erschütternd banal.
Runde um Runde, und ein roter Cooper
Der Moment ist da. Robin steigt ins Cockpit, die Crew jubelt, als hätte jemand gewonnen. Die Fuhre rollt, der kleine grüne Wagen ist im Rennen.
Wir verteilen uns: einer an der Boxenmauer, einer oben auf der Tribüne, ich hinter der Boxengasse an der Strecke. Und es sieht gut aus. Der Lister zieht vorbei, Runde um Runde, sauber, ohne Nervosität. Nur ein roter Cooper sorgt für Schreckmomente – zuerst hinterlässt er Spuren auf unserem Blech, dann dreht sich der Mittelmotorwagen auch noch einmal um sich selbst mitten auf der Strecke – der rote Cooper lässt uns rot sehen.
Hütet euch vor dem roten Cooper!
Gewonnen haben am Ende Bonamy Grimes und Johnny Mowlem im Lotus 15, mit 18 Sekunden Vorsprung. Dahinter ein Lister-Jaguar Knobbly, auf Rang drei ausgerechnet ein Lister-Chevrolet Costin – genau jene Kategorie Auto, gegen die unser Zweiliter chancenlos antrat – oder die Lotus 15.
Lister auf der letzten Runde
Unser eigenes Resultat? Kennen wir nicht. Wer will das schon wissen, wenn Fahrer und Auto nach der Goodwood-Premiere heil in die Boxengasse zurückrollen. Das perfekte Glück ist manchmal etwas anderes als ein Siegerkranz und eine Zigarre.


























