Einmal cool, bitte!
Wenn der Oldtimer ein Statement ist, so gilt das für den Auftritt des Fahrers respektive der Fahrerin um so mehr. Ein Gentleman im gepflegten Tweed, der aus seinem Bentley Continental steigt – das hat doch was. Oder die Dame, die mit wehendem Schal – Vorsicht bei Speichenrädern! – in ihrem Austin Healey über die Landstrasse cruist. Das ist lässig. Und an immer mehr Veranstaltungen wird sogar honoriert, wenn die Teilnehmer authentisch zum Fahrzeug gekleidet sind. Das ist cool und zeigt die Verbundenheit zum rollenden Blech und seiner Geschichte. Aber es gibt Grenzen, die nichts mit Bequemlichkeit, sondern mit Leidensfähigkeit zu tun haben. Jeep-Fahrer wissen, was ich meine.
So ein Willys Jeep ist ein Hingucker. Egal wo man fährt, einen Willys MB, den Ur-Jeep schlechthin, sieht man nicht alle Tage. Und weil er trotz seiner martialischen Bestimmung heute den Charme eines Disney-Autos hat, sieht man ihn gern. Für das Fahrpersonal stellt sich ebenso die Frage, wie tritt man stilgerecht auf. Viele entscheiden sich für eine Uniform, und damit ist nicht nur eine amerikanische gemeint. Schliesslich wurde der Willys von vielen Nationen eingesetzt. Die etwas zivilere Variante sind beliebige Camouflage-Jacken in Olive oder – besonders cool – dem sandfarbenen Coyote. Doch die Aufgabe hat zwei Seiten. Es geht nicht nur darum, ob Uniform cool oder nicht cool ist. Sondern wie man fährt.
So ein Willys hat zwar ein Stoffdach, doch Dach oben ist verpönt und völlig uncool. War schon in der RS so. Selbst wenn es regnet, hilft schneller fahren meist mehr, als das nasse Elend links und rechts von der Windschutzscheibe reintropfen zu sehen. Also ohne Dach und damit entsteht die Zusatzfrage: mit oder ohne Windschutzscheibe. Die lässt sich bekanntlich einfach nach vorn umklappen und schon sieht der Willys nicht nackt, sondern dreimal cooler aus. Das schon starke Freiluftgefühl ohne Türen und ohne Dach verdoppelt sich allerdings. Mindestens.
Das hat fatale Auswirkungen. Und wir sprechen nicht von Spitzengeschwindigkeiten ab 80 km/h, sondern von zivilen Ausfahrten im Ortstempo. Wie Peitschenhiebe schlagen die Fahrtwinde einem ins Gesicht. Und das verstärkt sich noch, wenn Flugsand oder Insektenschwärme ins Spiel kommen. Tücher und Sonnenbrillen helfen ein wenig, auch wenn man damit aussieht wie ein Tusken-Räuber aus Star Wars. Trotzdem bedeutet jede Fahrt über eine Viertelstunde hinaus ein brutales Peeling und man hat oft was zwischen den Zähnen, die man im doppelten Sinn zusammenbeissen muss. Aber irgendwie ist es auch ein Abenteuer, ein Ausbruch vom Alltag. Es ist wild, unvernünftig, frei und sehr, sehr cool.
P.S. Ein Bericht über das D-Day-Treffen in Sisseln haben wir kürzlich publiziert.


























