Weil es bergauf geht
Manchmal staune ich darüber, welche Autos sich die Menschen gelegentlich aussuchen. Dies ist besonders pikant, wenn ich mir vorstelle, dass eine ganze Heerschaar von Marketingmenschen sich einst Gedanken dazu gemacht hat, für wen denn dieses oder jenes Automodell gedacht sei. Doch die Kunden, die verflixten, kaufen dann doch anders.
Beispiele habe ich in der eigenen Familie: So kaufte sich die liebe Schwiegermutter einst zum Einkaufen im Dorf einen Audi A3 der zweiten Generation. Das tönt ja an sich noch einigermassen vernünftig. Nur der Umstand, dass es der grosse 3.2 V6 mit Allradantrieb sein musste, liess mich etwas stutzig werden. Was der amerikanische, ehemalige Show-Host und passionierte Autosammler Jay Leno scherzhaft als Begründung nennt, wenn er (absurd) leistungsstarke Wagen fährt – er wohne in einer hügeligen Gegend – das nannte die Schwiegermama als ernsthaften Grund für 250 PS in ihrem Einkaufswagen: Es geht bergauf, da braucht es etwas Leistung und im Winter könnte es ja auch mal einen oder zwei Tage Schnee haben, darum unbedingt "quattro".
Eine ähnliche Story lieferte auch die ehemalige Besitzerin unseres Studebaker, ein GT Hawk von 1962, der nun meiner Tochter gehört. Diesen gab es sowohl mit einem 2.8-Liter Reihensechszylinder wie auch mit zwei V8 Motoren zu 4.8 Litern Hubraum. Sie ahnen es: Die gute Dame hat damals den 4.8-Liter mit 180 PS gewählt damit ihr Wagen die steile Auffahrt zu ihrem Haus meistern konnte – diese misst etwa 15 Meter. Statt "quattro" gab es ein Stück Gusseisen im Kofferraum – für eine bessere Traktion auf Schnee.
Ich vermute allerdings, der wahre Grund für den stärkeren Motor war in beiden Fällen derselbe: Spass am Fahren!
Das Foto ist "typgleich"

































