Der Wert des "nur mal schnell um die Ecke".
Seit es an Tankstellen wahrscheinlicher geworden ist, Kinderwindeln oder ein Computer-Ladekabel zu finden als Zündkerzen oder Bremsflüssigkeit, bin ich es mittlerweile gewohnt, mein Werkstatt-Verbauchs- und -Verschleissmaterial in irgendeiner trostlosen Vorstadt-Industriezone zu kaufen. Leider sind dort, beim grossen Händler, aber die Lager dermassen – nun – gross und digitalisiert, dass es oft geradezu unmöglich ist, ein altes Teil auf den Tresen zu legen und mit verschiedenen neuen zu vergleichen, um dann beispielsweise doch noch das richtige Scheibenwischerblatt zu kriegen. Selbst der Meter Benzinschlauch oder sonstwas ist nicht abrufbar, wenn der Fahrzeugausweis mit der korrekten Chassisnummer grad nicht zur Hand ist. Klar, Ein-Eindeutigkeit hift immer, aber gelegentlich brauche ich nur "irgendeine" Bride, Schraube oder einen Anschluss, der halt passt – weiss der Teufel.
Ich finde, die "Verödung" der Selberschrauber- und "Die-Tankstelle-um-die-Ecke-hat's"-Kultur wird zu einem Problem. Und es führt unweigerlich dazu, dass man geneigt ist, sich beispielsweise diese Kleinteilesortimente aus Fernost beim kunterbunten und reich sortierten Onlinewarenaus zu bestellen. Sie wissen schon bei welchem. Das, wo bei einem Vollbrand des gesamten Bestandes ein Sachschaden von nur 50 Euro entsteht...
Ein Autoteileladen mitten in Zürich, daran kann kein Schrauber vorbeigehen!
Nun, neulich bin in Zürich mal wieder eine andere Route als üblich zur Arbeit gefahren. Und was sehe ich da mitten im Wohnquartier? Einen inhabergeführten, kleinen Auto-Ersatzeile-Shop – ein Gefühl wie beim Anblick einer Oase mitten in der Wüste! Das Tolle daran ist: Es riecht dort nicht nur wie früher im Tankstellenshop, man findet wirklich all das Werk- und Kleinzeug, die Schmiermittel, die Reiniger, ja selbst einen Reisigbesen, falls man den ausgestreuten Ölbinder wieder zusammenwischen will (den gibt's auch). Und klar, für den Profi gibt es hier noch sehr viel mehr richtige Autoersatzteile, aber danach hatte ich gar nicht gesucht.
Ich bin wieder einmal bestärkt, dass es noch Hoffnung gibt für den Schrauber – und das sogar in der nicht sehr autofreundlichen Stadt Zürich. Allerdings scheint es mit Orten wie diesen genauso zu sein wie mit Zimmerpflanzen: Man muss sich etwas um sie kümmern, um sie zu erhalten. Ich war somit bestimmt nicht das letzte Mal dort, denn während ich diese Zeilen schreibe, riecht es nach Gummi von den neuen Benzinleitungen neben mir auf dem Schreibtisch. Nein, Rabatt gab es keinen. Wozu auch? Und es wurde mal Zeit nach 34 Jahren – vernünftigere Menschen als ich würden sogar sagen: Es war höchste Eisenbahn für neue Treibstoffleitungen im T1!
Auto Teile Zürich AG, Inhaber André Bless mit einem winzigen Teil seines riesigen Sortiments – das Schrauber-Wochenende ist gerettet!


























