Anmerkung zum Ascona C
Tja, da hat Kollege Krüger dem guten Opel Ascona C in seinem Blog nicht viel geschenkt. Und mehr noch: ich habe meine eigenen Erlebnisse mit diesem Modell. Allerdings muss ich anmerken, dass es eher die Umstände und die Fahrer waren, die meine Aufmerksamkeit auf den braven Opel gelenkt hatten, als das Auto an sich.
Im Sommer 1990 bin ich als Motorfahrerrekrut zur Rekrutenschule in Payerne (VD) eingerückt. Die Ausbildung zum Lastwagenfahrer erfolgte in der Armee mehrschichtig. Angefangen hat man damals mit Fahrstunden beim Instruktor, bei unseren Fahrlehrern. Ihr Dienstgrad war der eines Adjutanten, die meisten von ihnen waren ehemalige Chauffeure oder Disponenten, die ihre Chance darin gesehen hatten, als Berufsmilitär ein sicheres Gehalt, geregelte Arbeitszeiten und grosszügige Nebenleistungen zu geniessen. Zu diesen gehörte auch ein Dienstwagen und das war – richtig – ein Opel Ascona C!
Die meisten unserer Adjutanten waren nicht sehr "militärische" Typen: Fachkundig, ruhig und auch mal zu einem Spass zu haben. Ich kann mich erinnern, dass einst ein Kamerad sich beim Rangieren schwungvoll aus dem Seitenfenster lehnen wollte, er aber vergessen hatte, dass die Scheibe noch oben war. Der "Adi" und Fahrleher musste dermassen lachen, dass er die Fahrstunde abgebrochen hat. Ein andermal hatten die Motorradfahrer die Idee, etwas Motocross auf der Kampfbahn zu fahren, worüber ich mir nicht so sicher war, ob das irgend einer Dienstvorschrift entsprechen würde. Prompt kam einer angefahren, ein Ascona C. Der Adjutant stieg aus, stemmte die Hände in die Hüfte und beobachtete das Geschehen, dann trommelte er die ganze Bande zusammen, hielt eine Standpauke und dann – fuhren die Kameraden weiter! Sie sollten keine grossen Sprünge wagen, die alten Condor A-350er-Maschinen würden bei allzu harten Landungen die Rahmenunterzüge überbelasten...
Mein Fahrlehrer, Gott habe ihn seelig, war da etwas anders geschnitzt, ein Romand, ein Französisch sprechender Ortsansässiger. Der gute Mann begrüsste mich stets mit einem – nicht so freundlichen:"Siigchrrritzzz, was wirrrr mache 'eute?" Wir nannten ihn "Spike" weil seine Mundwinkel wie beim Hund von Tom und Jerry stets nach unten zeigten und seine Aussprache beim Bellen ebenso nass war. Und er bellte viel! Und auch "Spike" fuhr – natürlich – einen Opel Ascona C!
Es gab als weitere Ausbildungsebene aber auch die Kollektivfahrschule. Dann fuhren wir, immer zwei Kameraden zusammen auf einem Fahrzeug, im Zug, also mit unserer kleinsten Einheit im Konvoy auf einer designierten Strecke. Die Instruktoren folgten uns gelegentlich mit ihren Autos oder warteten in einer engen Kurve mit einem Notizbüchlein. Wehe ein Doppelrad berührte in der Kurve die Sicherheitslinie! Dann gab es im Nachgang einen Rüffel. Wir aber hielten stets ein Auge offen, ob uns da ein Ascona im Spiegel sass oder gar irgendwo am Strassenrand einer parkiert stand. Was es uns ein klein wenige leichter machte war der Umstand, dass die Armee nur eher gedeckte Farben zuliess: Blau, Weiss oder ein seltsames Beige, wir nannten die Farbe "Kindergaggi". Metallic-Lacke waren tabu.
Ich aber wurde "Spike" relativ rasch los, er verlor wohl irgendwann die Nerven vor dem versammelten Kader, so dass man ihn ausser Dienst stellte, notabene in seinem letzten Einsatz. Rache war süss, denn dieses gesamte Kader der Motf RS 248 hatte in der Vergangenheit, am Anfang ihrer eigenen militärischen Laufbahn, auch schon unter "Spikes" Bell-Anfällen gelitten. Meine eigene militärische Laufbahn ist dann in ruhigen Bahnen verlaufen, wie das Bild beweist. Das Autofahren aber, das hat mir Spike mit seinem ganz eigenen Charme eingehämmert – zugebellt! Motf Sigrist durfte eine unfallfreie Dienstzeit absolvieren.
Mir aber ist der Respekt vor einem blauen, weissen oder gaggibeigen Ascona C bis heute geblieben. Denn wer weiss, vielleicht ist es ja der ruhelose Geist von "Spike", der mich verfolgt und hinter mir herbrüllt: "Siigchrritzzz! Rrrrrrechts-faaaahhhrrrr!"


























