Klein anfangen
Sie ist noch grösser und vielfältiger geworden, die 50. Rétromobile in Paris, und auch manche Exponate sind grösser als in anderen Jahren. Heuer etwa ist es der Triebwagen von Bugatti, der Autorail «Présidentiel» – angetrieben von nicht weniger als 4 Motoren und zusammen dann doch eher bescheidenen 800 PS. Da ist der Schweizer womöglich etwas überheblich, aber das schaffte 1934 wohl auch eine etwas grössere elektrische Rangierlok. Aber das ist gar nicht das Thema.
Denn eindrücklich ist der Autorail alleweil. Man wünschte sich nur, dass man ihn vielleicht ab und zu laufen liesse, das akustische Erlebnis müsste eigentlich gewaltig sein. Aber eben – eine Messe ist eher etwas statisches. Und statisch sind auch die Modelle, die ich mir erstmal bei einer schnellen Erstbegehung gleich nach der Ankunft an der Rétromobile 2026 angeschaut habe.
Highlight bei der spanischen Slotcar-Manufaktur Velasor: Display einer Halle mit Werkstätten in 1/32
Bei Velasor ist kaum ein Vorbeikommen, was die Spanier da fabrizieren ist – für Slotcars in 1/32 – ein völliger Wahnsinn. Dass mit den handgebauten, superdetailierten Modellen überhaupt jemand fährt, ist wenig wahrscheinlich. Dass damit jemand gar harte Slot-Rennen fährt, wohl ausgeschlossen. Dass die Preise derweil viele Hundert Euro betragen – eigentlich verständlich. Denn selbst wenn sie nicht fahren könnten, sind diese Modelle absolut einzigartig.
Weil mir Velasor also irgendwie zu teuer ist, schaue ich kurz bei Monsjeur Bigaudet vorbei, von «Arts, Toys and Design». Nach Preisen gefragt habe ich ihn noch nicht, aber seine meist Mint & Boxed MIB-Modelle der grossartigsten Blechautos der 1920er bis 1950er-Jahre aus Frankreich sind – sehr begehrt, ich sage das mal so. Was mich davon abhält, ist der Umstand, dass ich das wenige Handgeld, das ich zur Rétromobile mitgebracht habe, nicht gleich in den ersten 15 Minuten loswerden muss. So heftig brennt es dann doch nicht in meiner Tasche.
Somerville sind schön schwer, den Inhalt zeige ich ein anderes Mal – denn da gibt es noch eine Geschichte...
Schliesslich habe ich zwei Modelle in 1/43 des britischen Kleinserienherstellers Somerville gekauft, den Volvo PV 444 von 1947 und den Duett von 1960, herausgebracht 1983 respektive 1990. Beide sind also echte Klassiker – und beide waren ein Schnäppchen für weniger als die Hälfte des Neupreises. Also, selbst wenn vieles edel, teuer und am oberen Ende der Skala scheint hier in Paris, dann gibt es auch gute Gelegenheiten, man muss sie nur suchen.
Yan-Alexandre Damasiewiczs «The Ferrari 250 GTO Spotting Guide» ist das erste Buch des Verfassers
Das wichtigste aber war, wieder einmal, das Gespräch. Schon in der ersten Stunde habe ich wohl Dreiviertel der Zeit mit Sprechen verbracht. Da war ein Journalistenkollege aus der Romandie, dem französisch-sprachigen Teil der Schweiz, und dessen Kollege, der ein Buch zu allen Chassisnummern des Ferrari 250 GTO verfasst hat. Dazu werde ich später einmal kommen. Peter Schetty, der ehemalige Rennleiter von Ferrari 1970 bis 1972 und Berg-Europameister 1969, war ebenso für ein kurzes Gespräch zu haben. Und schliesslich habe ich auch noch mit unserem Chefredaktor ein einfaches, aber sehr sättigendes Bistro-Nachtessen genossen.
Eigentich wollte ich die Rétromobile erst am Donnerstag besuchen, doch der Umstand, dass der Messeeingang wenige hundert Meter von meinem Hotel entfernt liegt, hat mich dazu bewogen, eine Art Vorbesichtigung zu machen, zum Glück! So konnte ich mich erstmal den kleinen Dingen widmen. Morgen werde ich zielstrebig die wichtigsten Highlights besuchen. Und meiner bescheidenen Kamera wird nicht bereits nach einem Dutzend Bildern schon der Strom ausgehen...


























