Angebot eines Partners

Maserati Sebring - der Gran Turismo für die Amerikaner, aber nicht nur

Erstellt am 15. Januar 2016
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
37
Artcurial 
29
Archiv 
18

Bereits seit 1957 baute Maserati in Zusammenarbeit mit dem Karosseriebauer Touring den 3500 GT , 1960 kam eine offene Variante von Vignale dazu, gezeichnet von Giovanni Michelotti. Mit diesem Zweigespann entwickelten sich die Verkaufszahlen sehr positiv, im Jahr 1961 konnten bereits über 500 Strassen-Sportwagen verkauft werden.

Maserati 3500 GT (1959) - gegenüber früheren Modellen kaum zu unterscheiden
Archiv Automobil Revue

Neue Konkurrenz

Aber die Konkurrenz schlief nicht, Aston Martin brachte den eleganten DB 4 auf dem Markt und Jaguar stellte mit dem E-Type einen deutlich günstigeren, aber kaum weniger schnellen Sportwagen auf die Räder. Bei Ferrari verbreiterte sich das Angebot ebenfalls ständig. Da war Gegensteuer nötig, insbesondere auch, weil das Design des Maserati 3500 GT anfangs der Sechzigerjahre bereits ein halbes Jahrzehnt alt war.

Vignale oder Michelotti?

In Zusammenarbeit mit Vignale entstand eine verkürzte Coupé-Variante des 3500 GTI, die im Prinzip auf dem Chassis des Vignale Spiders mit 2,5 Metern Radstand basierte. Ob nun Vignale selber den Zeichenstift führte oder ob es Giovanni Michelotti war, ist nicht hundertprozentig klar, Alfredo Zanellato Vignale, der Neffe des Karosseriebauers Alfredo Vignale, jedenfalls nennt Michelotti als Designer, aber wie immer waren natürlich viele Leute an der Entwicklung des Autos beteiligt. Auch hatte Maserati offensichtlich nach der Sichtung des ersten Prototypen einige Änderungswünsche und da die Zusammenarbeit von Vignale und Michelotti nach dem Sebring beendet wurde, könnte es also gut möglich sein, dass beide ihren Anteil am endgültigen Produkt hatten.

Anzumerken wäre zusätzlich, dass es auch Entwürfe/Autos von Pietro Frua gab, die durchaus ähnliche Züge zum Vignale-Sebring aufwiesen und auf den ersten Blick sorgar mit diesem verwechselt werden könnten.

Maserati 3500 GTIS Sebring (1962) am Genfer Automobilsalon - Premiere, hier noch als Spezialkarosserie von Vignale
Archiv Automobil Revue

Der Öffentlichkeit wurde der Sebring, damals noch schlicht 3500 GTIS genannt, erstmals am Genfer Autosalon im März 1962 gezeigt, präsentiert als Prototyp und Spezialkarosserie. Möglicherweise stand allerdings ein weiteres Einzelstück bereits im Spätherbst zuvor in Turin. Die Serienvariante wurde dann am Turiner Autosalon im Herbst 1962 ausgestellt.

Maserati 3500 GTIS Sebring (1962) - am Turiner Autosalon
Archiv Automobil Revue
Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Rolls-Royce Silver Shadow LWB ex Baur au Lac, Austellungs...
Jaguar XJ6 4.2 LWB Series II, Schweizer Auslieferung (1978)
Bentley 4 1/4 M-Series James Young Brougham de Ville Einz...
Mercedes-Benz 250 SE Cabriolet Schweizer Auslieferung (1...
+49 6737 31698 50
Undenheim, Deutschland

Für die Amerikaner

Die Firma Maserati hatte den amerikanischen Markt im Auge, als sie den Auftrag für den Sebring vergab. Entsprechend zeigte sich das neue Modell als deutlich kraftvoller und gradliniger als sein Vorgänger 3500 GT. Doppelscheinwerfer, ein grosser Kühlergrill und eine eindrucksvolle Hutze machten durchaus etwas her. Auf die lange Motorhaube folgte eine grosszügig verglaste Kabine, die Platz für zwei Erwachsene und zwei Kinder bot.

Maserati Sebring (1962) - elegantes Coupé mit herrlichen Borrani-Rädern
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Technik entsprach weitgehend dem Vorgänger, der parallel weitergebaut wurde. Hauptsächlich wurde also der 3,5 Liter Reihensechszylinder verbaut, der im 3500 GT bereits seine Zuverlässigkeit und Sportlichkeit bewiesen hatte. Die Benzinzuführung erfolgte über die mechanische Lucas-Einspritzung, die zwar für gute Leistungswerte, aber auch immer wieder für Wartungsprobleme und Pannen sorgte.

Maserati Sebring (1962) - viele Sebring wurden auf Vergaser umgerüstet, dieser hat die Einspritzung behaltne dürfen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

235 PS bei 5500 Umdrehungen leistete das Triebwerk, dessen Kraft über eine ZF-Fünfganggetriebe (oder später wahlweise übe reine Dreigang-Automatik) auf die starre Hinterachse geführt wurde. Vorne waren die Räder einzeln an Dreieckslenkern aufgehängt. Gebremst wurde über vier Scheiben, die natürlich hydraulisch betätigt wurden.

Mit knapp über 1350 kg (leer) war der Maserati Sebring trotz teilweisem Einsatz von Aluminium für einzelne Teile der ansonsten aus Stahlblech gearbeiteten und bei Vignale hergestellten Karosserie kein Leichtgewicht.

Sportlich, aber kein Rennwagen

John Bolster war einer der wenigen Journalisten, die einen Maserati 3500 GTIS testen durften. Im September 1963 kommentierte er im Magazin Autosport die leicht zu beherrschenden Fahreigenschaften und die überdurchschnittlichen Fahrleistungen (Spitze rund 230 km/h). Er beschrieb den aus heutiger Sicht kompakten Wagen (4,4 x 1,65 x 1,3 Meter) als hervorragendes Beispiel eines «ultra high performance luxury two-seater”, also als luxuriösen Zweisitzer mit hervorragenden Fahrleistungen.

Stetige Weiterentwicklung

Der Maserati Sebring wurde von 1962 bis 1968 gebaut, insgesamt verliessen rund 600 Exemplare die Fertigung. Keines der gebauten Fahrzeuge dürfte mit einem anderen identisch gewesen sein, denn einerseits konnte man diverse Austattungsoptionen wie Klimaanlage, Radio, Borrani-Speichenräder und eine Vielzahl an Farben bestellen, andererseits entwickelte Maserati den Wagen durch Ergänzung der Motorenpalette und stilistische Anpassung stetig weiter. Knappe finanzielle Verhältnisse führten auch zu einem stetigen Wechsel bei Anbau- und Ausrüstungsteilen.

Serie 1 versus Serie 2

Im Grossen und Ganzen kann man die Sebring-Produktion in zwei Serien unterteilen. Die erste Serie wurde bis 1965 gebaut wurde, am Genfer Salon im März1965 wurde die zweite Serie präsentiert, die sich durch geänderte Scheinwerfer vorne und liegenden statt stehend angeordneten Rücklampen von der Serie 1 unterschied. Auch an den hochliegenden seitlichen Kiemen war die zweite Serie von ihrem Vorgänger unterscheidbar, der die entsprechenden Öffnungen unten hinter dem Vorderrad aufwies. Der Grund für die Anpassungen dürfte unter anderem im Erscheinen des von Pietro Frua gezeichneten Quattroporte gewesen sein und tatsächlich erkennt man Parallelen.

Maserati 3500 GTIS Sebring (1967) - das Vignale-Coupé der Serie 2 gegen das Ende der Produktionszeit hin
Archiv Automobil Revue

Die grösste Entwicklung aber machte die Motorenpalette durch, denn zum 3,5-Liter gesellte sich nach und nach der 3,7-Liter (245 PS) und ab 1966 der 4-Liter (255 PS).

Viele Rückbauten

Obschon das Gros (oder alle?) der Sebring-Coupés mit Lucas-Einspritzung ausgerüstet wurden, rüsteten viele Besitzer die Wagen wieder auf Weber-Vergaser zurück, die leichter beherrschbar waren, was für den Leistungsverlust kompensierte.

Ob ein Sebring bis zum letzten Punkt original ist, ist schwer feststellbar, denn es wurden verschiedene Kofferraumschlösser, Auspuffanlagen, Knöpfe, Schalter und selbst Technik-Teile verbaut.

Die vorwiegend in Handarbeit entstandene Karosserie, die sich über den gewohnten Stahlrohrrahmen stülpt, verlangt bei der Restaurierung nach kundiger Hand.

Maserati Sebring (1962) - vermutlich war Michelotti der Gestalter der eleganten Coupé-Karosserie
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Am Lenkrad

Wer heute in einen Sebring einsteigt, der sucht als erstes das Zündschloss, das sich weder links noch rechts vom Lenkrad, sondern in der Mitte des umfangreich instrumentierten Armaturenbretts befindet. Gestartet wird dann durch Drehen und Drücken des Zündschlüssels.

Maserati Sebring (1962) - attraktiv ausgestaltetes Interieur
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Bei unserer Probefahrt ist der Motor sofort angesprungen, brauchte aber einige Kilometer, bis er rund lief. Danach wurden wir aber von einem herrlichen Motorensound verwöhnt. Auf der Strasse ist der Sebring eher ein Grand Turismo als ein Kurvenräuber.

Maserati Sebring (1962) - der Sebring war ein wichtiges Übergangsmodell
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Auch heute noch reichen die Fahrleistungen problemlos aus, um im Strassenverkehr flott unterwegs zu sein. Die gute Rundumsicht, an die moderne Sportwagen bei weiten nicht herankommen,  sorgt dafür, dass man alles mitbekommt, was um einem herum passiert. Bei langsamer Fahrt erfordert die Arbeit am Volant, das nicht servounterstützt ist, viel Arbeit. Ein bisschen Kraft muss man auch beim Kuppeln und Schalten aufwenden, aber ermüdend ist die Fahrt im gut riechenden Sebring deshalb noch lange nicht.

Maserati Sebring (1962) - Doppelscheinwerfer als Stilelement
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Auf unserer Ausfahrt zeigten viele Passanten ihre Anerkennung, was wir aufgrund der eher unprätentiösen Form nicht erwartet hätten.
Der fotografierte graue Sebring aus dem Jahr 1962 befindet sich seit über 40 Jahren im selben Besitz und ist weitgehend original. Auch die als kapriziös geltende Einspritzung verrichtete ihre Arbeit einwandfrei.

Wertsteigerung

In den letzten Jahren haben die Preise des Maserati Sebring angezogen, trotzdem ist das elegante Coupé heutzutage im Vergleich zu einem Ferrari 330 GTC oder 250 GT/L Lusso ein Schnäppchen, vor allem auch, wenn man die niedrige Stückzahl anschaut. Zustand und Provenienz machen erfahrungsgemäss einen grösseren Unterschied als die Motorisierung oder die Serie.

Maserati Sebring (1962) - die Lichter waren bei der Serie im in der Vertikalen angeordnet, die Serie 2 verwendete dann horizontal orientierte Heckleuchten
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Artcurial versteigerte den burgunderroten Sebring Serie 1 von 1963 an der Rétromobile Paris am 5. Februar 2016 . Für die Aufnahmen des grauen Sebring von 1962 danken wir Franks Originale für das Zurverfügungstellen des Wagen.s

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
Keine Kommentare
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.
Angebote unserer Partner

Originaldokumente / Faksimile

Markenseiten

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Fahrzeug-Inserate

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Coupé, 235 PS, 3485 cm3
Cabriolet, 220 PS, 3485 cm3
Cabriolet, 235 PS, 3485 cm3
Coupé, 245 PS, 3692 cm3
Coupé, 190 PS, 2965 cm3
Coupé, 320 PS, 4855 cm3
Coupé, 280 PS, 4930 cm3
Coupé, 245 PS, 3692 cm3
Cabriolet, 255 PS, 4014 cm3
Coupé, 255 PS, 4014 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Altendorf/SZ, Schweiz

055 451 01 01

Spezialisiert auf Maserati, Ferrari

Spezialist

Köln, Deutschland

+49-151-401 678 08

Spezialisiert auf Maserati, Alfa Romeo, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 722 00 00

Spezialisiert auf Lancia, Alfa Romeo, ...

Spezialist

Oberriet SG, Schweiz

017/755 24 76

Spezialisiert auf Jaguar, Daimler, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 722 00 00

Spezialisiert auf Lancia, Alfa Romeo, ...

Spezialist

Toffen, Schweiz

+41 31 819 48 41

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 566 13 70

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Schinznach-Dorf, Schweiz

+41564501132

Spezialisiert auf Alfa Romeo, Audi, ...

Angebot eines Partners
Angebot eines Partners

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 2,5 Millionen Seitenaufrufen pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...
Oha! Kostenlos Texte und Fotos sehen?
Einfach hier anmelden:
Neu hier?
1x kostenlos registrieren und dauerhaft Inhalte freischalten!