Warum der Aufruhr? Ist doch "nur" ein Käfer-Cabriolet!?
Er ist durch die sozialen Medien gerauscht und auch auf Youtube wurde ihm ein eigenes Video gewidmet. Die Rede ist von einem roten VW Käfer, der auf einem Heuboden in einer Scheune in Österreich aufgetaucht ist und inzwischen nach Holland in eine neue, sorgsame Obhut gewandert ist. Käfer-Cabriolets gab es viele, der Typ 15, jener «Aufschnitt» aus dem Hause Karmann in Osnabrück beispielsweise hat es auf nicht weniger als 330'281 Exemplare gebracht, gebaut zwischen 1949 und 1980 und immer auf der neusten, besten Käfer-Version basierend. Das heisst, das Karmann Cabriolet entsprach – ausser es wurde für den Behördeneinsatz geordert – der Export-Ausführung des Käfers, später dann auf dem modernisierten Superkäfer 1302 und zuletzt dem 1303.
Nun, beim Stichwort «Behördenausführung» kommen wir auch etwas näher zum Kern der medialen Präsenz des reichlich abgegammelten roten Volkswagens, der jüngst vom neuen Besitzer Patrick Baptist ans Tageslicht geholt worden ist. Denn der Wagen mit der Chassisnummer 1-0196550 besitzt einen Aufbau von Austro-Tatra statt von Karmann. Dieses Exemplar wurde ursprünglich an die Gendarmerie in Graz geliefert und danach von der Freiwilligen Feuerwehr in Purgstall/Erlauf genutzt. Dabei wurde es auch rot lackiert. Die originale graue Farbe ist noch darunter zu erkennen.
Der vorherige Besitzer hatte ihn bereits seit 1952 und war ebenfalls Teil der Freiwilligen Feuerwehr.
Vom Volkswagen Typ 18 Polizei-Cabrio wurden zuerst 275 Stück von Hebmüller und danach 203 Stück von Austro Tatra gebaut. Die ursprüngliche Idee von 1948 war, dass 4 Polizisten schnell ein- und aus dem Auto aussteigen können. Die von Hebmüller gebauten Autos hatten deshalb auch Stofftüren. Aber die Polizeibeamten fanden das Auto nicht bequem, sodass von den ursprünglich bei Hebmüller bestellten 800 Wagen letztendlich nur gerade deren 275 gebaut wurden. Die «zweite» Serie von 203 Stück, die bei Austro Tatra für Österreich hergestellt worden war, hatte dann echte Türen und bot mehr Komfort. Von diesen 203 bei Austro Tatra gebauten Autos gab es neun 2-Türer. Neben Hebmüller und Austro Tatra wurden auch 4-Türer-Polizei-Cabrios von Papler gebaut, aber diese hatten keinen Auftrag von Volkswagen und durften daher auch nicht die Typ-18-Nummerierung verwenden, selbst wenn dies heute so gehandhabt wird.
Gebaut wurde der Wagen mit der Karosserienummer 18-00400 in Wien-Semmering als erster der Serie für den Einsatz bei der Wiener Polizei und der österreichischen Gendarmerie. Das fragliche Auto von 1951 basiert dabei auf dem Standard-Bretzelkäfer von 1950 und besitzt einfache Türfüllungen, ein einlagiges Verdeck und hat vermutlich auch die Seilzugbremsen des Einfach-VWs mit auf den Weg erhalten.
Gemäss des neuen Besitzers ist der 25-PS-Motor original, dank des baldigen Einsatzes bei der Feuerwehr hat der Wagen vermutlich überlebt, denn anders als im Streifendienst werden mit Feuerwehrautos in der Regel selten grosse Distanzen zurückgelegt.
Auffällig ist eine runde Beule im Motordeckel, dieser schuf einst Platz für eine zweite Lichtmaschine, deren Halterung ist auf dem Motor noch auszumachen. Ob damit bereits eine Funkanlage betrieben wurde, konnten wir nicht in Erfahrung bringen, vermutlich aber sorgte der zweite Generator einfach dafür, dass bei vollem Einsatz der Signalanlage dem Käfer nicht der Strom ausging.
Vor über 40 Jahren haben die vorletzten Besitzer das Auto weggestellt, nun ist es also wieder zum Vorschein gekommen und erhöht damit die Zahl der bekannten Austro-Tatra- Käfer mit zwei Türen auf – zwei! Damit ist das erhöhte Aufsehen für dieses Auto nicht nur erklärt sondern wohl auch durchaus gerechtfertig.
Spannend ist es alleweil zu beobachten, wie das Zauberwort «Scheunenfund» nichts von seiner Faszination verloren hat, im Gegenteil. Und nicht nur das. Im Wissen darum, dass Entdeckungen wie diese noch immer möglich sind, lässt einem der Gedanke nicht los, dass man dereinst selbst der Finder einer spinnweben- und staubbedeckten Preziose werden könnte. Einen Scheunenfund in dieser Grösse etwa fehlt noch in meiner Sammlung, aber «Funde» im Kleinen mache ich immer wieder – in meiner eigenen Scheune. Der in diesem Gefäss auch schon erwähnte Dreizehner-Schlüssel gehört beispielsweise dazu, mein Beschriftungsgerät hingegen ist seit seinem Kauf und der Ablage in irgend einer Ecke bis heute nicht wieder aufgetaucht. Es besteht also durchaus Hoffnung auf einen Überraschungsfund im eigenen Gemäuer!
Die Bilder des Heubühnen-Polizeikäfers stammen vom Finder und Besitzer und sind unter www.karmann1952.de einzusehen, wo ein hervorragendes Register vieler seltener VW-Derivate zu finden ist. Und zur Bergung des seltenen Stücks ist auch folgender Film auf Youtube entstanden:


























