Kreisel und Trinkschokolade
Es gibt Dinge am Strassenrand, die vermisse ich einfach. Dinge, die sich einem als Kind eingeprägt haben und Dinge, die – in meinem Leben wenig verwunderlich – irgendwie im Zusammenhang mit Verkehr, Autos und Strasse stehen.
Neulich etwa war in der Redaktion die Rede von "Banago", einem Schokoladegetränk, das sich in den 1970er-Jahren offenbar mit Rennsport bei den Jungs zu profilieren versucht hat. Nun, in der Region Luzern, wo ich aufgewachsen bin, gab es stets einen anderen Favoriten im Milchglas: Heliomalt, das gemäss meinem Wissensstand zuletzt im Luzerner Seetal in Hochdorf produziert worden war.
Wie stark man würde, wenn man Heliomalt trank, verdeutlichte ein illustrierter Elefant auf der Verpackung. Ein Onkel von mir hatte in den 1960er-Jahren übrigens das Vergnügen, für einen Werbespot von Heliomalt einen Elefanten rückwärts in eine Garage zu reiten. Allerdings meinte er danach zeitlebens, das arme Tier habe davon ein Trauma erlitten. Ob's wahr ist weiss ich nicht.
Sicher ist jedoch, dass auf dem Weg in die Stadt am Kreuzstutz immer ein Heliomalt-Elefant uns Kinder von der Wand herunter gegrüsst hat. Wenn wir ihn verpasst haben, etwa aus mangelnder Aufmerksamkeit, war die Busfahrt quasi für die Katz' gewesen. Denn damals hat man als Kind noch zum Fenster raus geschaut. Im Winter musste man sich dazu zuerst mit den Fäustlingen die Scheibe vom Beschlag freiwischen. Für uns war damals der Heliomalt-Elefant sowas wie der Torwächter zur Stadt.
Irgendwann, viel später und als ich die Kreuzung im Kreuzstutz bereits unzählige Male mit dem Auto überquert hatte, ist der Heliomalt-Elefant verschwunden. Und mit ihm auch das Produkt aus den Regalen – Nestlé, Associated British Foods (Wander) oder Mondelez (Suchard) sei dank, die mit ihren multinationalen Vertriebsnetzen den kleinen lokalen kaum eine Chance gelassen haben.
Heliomalt sei inzischen zurück, heisst es, genauso wie Banago, der Elefant am Kreuzstutz hingegen ist nur noch knapp unter viel Farbe an der Hauswand auszumachen. Vielleicht wäre er noch da unter dieser Decke.
Heute ist, wie auf dem Bild bereits sichtbar, dort ein Kreisel. Dies war nicht irgend einer, sondern der erste Kreisel meiner Heimatstadt Luzern und damit der erste, den ich zu Genuss bekommen habe. Damals war solch eine Verkehrsinfrastruktur noch ein Ereignis. Am Kreuzstutz hat sie ein grosses Problem gelöst.
Zuvor konnte der im Bild entgegenkommende Verkehr nicht links den Berg hoch (im Bild rechts) abbiegen, dazu galt es Umwege zu fahren, damit man unter der Bahn hindurch die fragliche Strasse im rechten Winkel überfahren konnte. Das wussten viele Hotelgäste des Hotel Gütsch (rechts aus dem Bild) aber nicht und man riskierte hier immer wieder, dass einem der Weg von einem ahnungslosen Touristen abgeschnitten wurde.
Der Kreisel war richtig gut. Seither sind viele-viele Kreisel hinzu gekommen – und mancher ist weit weniger gelungen. Am Kreuzstutz übrigens ziert seit einigen Jahren die Statue des Strassenwischers Heinz Gilli den Kreisel. Er hört, sieht und weiss alles, was im Quartier geschieht. Vielleicht achten moderne Kinder heute auf ihn statt den Heliomalt-Elefanten.























