Alex Zanardi, ein unglaublicher Kämpfer hat uns verlassen (Nachruf)
Italien verliert mit Alex Zanardi ein Aushängeschild seiner Sportwelt. Nicht ohne Grund wurde er 2012 zum Sportler des Jahres gewählt. Seine Erfolge werden genauso wie seine Schicksalsschläge auf immer und ewig unvergessen bleiben.
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni meldet sich zu Wort: „Italien verliert einen grossen Champion und einen außergewöhnlichen Mann, der jede Prüfung des Lebens in eine Lektion über Mut, Stärke und Würde verwandeln konnte. Alex Zanardi hat es immer wieder verstanden, sich neu aufzustellen, selbst die härtesten Herausforderungen mit Entschlossenheit, Klarheit und einer außergewöhnlichen Seelenstärke zu meistern. Zanardi habe «mit» seinen sportlichen Erfolgen, seinem Vorbild und seiner Menschlichkeit hat er uns allen weit mehr als einen Sieg geschenkt: Er hat Hoffnung, Stolz und die Kraft gegeben, niemals aufzugeben.
Zwischen 1991 und 1996 startete der Italiener mit Jordan, Minardi, Lotus und zuletzt Williams zu insgesamt 41 F1-Grand-Prix. Der Erfolg war mässig, ein einziger WM-Punkt konnte er auf sein Konto schreiben. Doch in Amerika wurde er zum Star, als er 1997 und 1998 auf Anhieb zweimal hintereinander die CART-Meisterschaft gewinnen konnte.
2001 kam der erste Schicksalsschlag, als er am Lausitzring beim Champ Car Unfall beide Beine verlor und nur haarscharf dem Tod entkam. Alex verlor trotzdem nie seinen Humor und meinte nach diesem Unfall, dass er eigentlich nun ein Deutscher sei, weil er doch jetzt mehr deutsches Blut in sich habe wie italienisches.
Aufgeben gab es nicht und so kämpfte er sich ins Cockpit zurück. 2003 kehrte er an den Lausitzring zurück und absolvierte in einem umgebauten Rennwagen die 13 Runden, die ihm zwei Jahre zuvor zum Sieg gefehlt hatten. Die Zuschauer erhoben sich von den Sitzen und applaudierten ihm. Aus den Lautsprechern erklang David Bowies „Heroes“.
Gemeinsam mit BMW startete Zanardi später erfolgreich im Tourenwagensport.
Gleichzeitig begann er intensiv mit dem Para-Radsport. Mit dem Handbike gewann er viermal Gold bei den Paralympics in London 2012 und Rio 2016. 2014 und 2015 nahm er zudem mit dem Handbike am Ironman auf Hawaii teil.
Doch das Schicksal schlug erneut erbarmungslos zu, denn nur knapp 20 Jahre nach seinem Horror-Crash in Deutschland überlebte er 2020 einen weiteren schweren Unfall, als er bei einem Handbike-Staffelrennen in der Toskana von einem Lastwagen erfasst wurde. Dabei zog sich Zanardi schwere Gesichts- und Schädelverletzungen zu und musste in ein längeres künstliches Koma versetzt werden. Erst im Dezember 2021 konnte er das Krankenhaus wieder verlassen.
Für den italienischen Radsportverband Federciclismo war Zanardi „der Mann, der die Wahrnehmung von Behinderung in Italien verändert hat und einer der stärksten und erfolgreichsten Sportler der letzten Jahrzehnte war. Einen Rückblick auf die Karriere dieses grossen Champions zu werfen, von seinem ersten Leben in der Formel 1 bis zu seinem zweiten, spannenden Leben in der Welt der Paralympics, bedeutet, die Heldengeschichte eines Mannes zu erzählen, der nie stehen geblieben ist, um zurückzuschauen, sondern stets die Messlatte höher gelegt und neue Grenzen für uns alle gesetzt hat.“
Aller schlechten Dinge sind drei, so folgte 2022 nach einem Brand in seinem Haus ein weiterer längerer Krankenhausaufenthalt – doch Zanardi ließ sich von all den tragischen Unfällen bis zu seinem Tod am 1. Mai 2026 mit nur 59 Jahren nie unterkriegen.
Die FIA reagiert ebenfalls mit Bestürzung: „Die FIA ist tief betroffen vom Tod von Alex Zanardi, dem ehemaligen Formel-1-Fahrer und zweifachen CART-Meister, dessen Weg von einem lebensverändernden Unfall bis hin zum Paralympics-Goldmedaillengewinner ihn zu einem der am meisten bewunderten Sportler und zu einem bleibenden Symbol für Mut und Entschlossenheit machte.“
„Er stand vor Herausforderungen, die jeden anderen zum Aufgeben gebracht hätten, doch er blickte stets nach vorne – immer mit einem Lächeln und einer unerschütterlichen Entschlossenheit, die uns alle inspirierte“, sagte Zanardi-Landsmann und Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali: „Auch wenn sein Verlust tief zu spüren ist, bleibt sein Vermächtnis ungebrochen.“
Ich selbst durfte Alex in der DTM bei BMW persönlich kennen lernen. Er polarisierte mit seinen Erfolgen und seinem unglaublichen Kampfgeist, wobei er nie seinen Humor verlor. Er blieb stets am Boden und nahm sich immer die Zeit, ein paar Worte zu wechseln. Als ich 2020 mein erstes Buch „Inside Formel 1“ schrieb, war ein Kapitel über diesen Mann unter dem Titel: „Pechvogel im Quadrat“, ein absolutes Muss. Ich kontaktierte Alex per Mail und innert kurzer Frist kam es mit all den Antworten zu meinen Fragen zurück. Seinen letzten Satz werde ich nie vergessen: „So Daniel, ich hoffe du hast alles was du brauchst, denn nun muss ich in die Toskana, wo ich zu Trainingszwecken für die Olympiade ein Handbike-Staffelrennen bestreiten werde …”. Dies waren die letzten Worte, die ich von ihm vernahm.
Unsere Gedanken sind bei Dir, Alex und Deiner Familie!


























