Es geht schneller, als man denkt!
Bestimmt hat jeder von uns einen Kollegen, bei dem seit jeher ein Projekt in der Werkstatt steht: „Ja, den mache ich dann noch, der kommt dann noch dran, da fange ich dann an…“ Doch seit 20 Jahren steht der Wagen einfach da. Mir geht es genauso.
Vor etwa vier Jahren habe ich ihn in meine Werkstatt geschoben – die alte Erinnerung aus meiner Kindheit: Den Studebaker GT Hawk in Rivierablau, Baujahr 1961, also ein Modelljahr 1962. Es stimmt schon, dieses Jahr, selbst wenn die Geschichte uns lehrt, dass der Gran Turismo Hawk ab 1962 gebaut worden sei. Unserer wurde am 28. Dezember 1961 in South Bend Indiana in der Fabrik fertig gebaut und ist im April 1962 in der Schweiz bei Binelli und Ehrsam, der Importeurin verkauft worden.
Das Coupé mit 4.8-Liter V8-Motor und 180 PS gehörte einer Nachbarin, die ihn stets mit weissen Handschuhen fuhr, so erinnere ich mich noch an Begegnungen mit dem Auto in meiner Kindheit. Sie fuhr fast ehrfürchtig, als wäre der „Studi“ mehr ihr Begleiter denn einfach eine Maschine. Als ihre Enkelin, die in de USA lebt, das Haus verkaufen wollte, musste auch der Wagen gehen. Und ich konnte nicht anders – ich habe ihn übernommen. Die Besitzerin hat darauf bestanden, dass wir das Auto kriegen sollten, nachdem ich ihr von meinen Erinnerungen an ihre Grossmutter erzählt hatte und die 1970er-Jahre, damals in unserem Quartier. Mein Alltag waren ihre Ferienerinnerungen, wenn sie für die Sommermonate aus den USA in die Schweiz kam: Der Fussballplatz, der Migros-Supermarkt, unser Pausenplatz beim Schulhaus. Sie verkaufte das Auto wohl zu günstig für all die Erinnerungen, die bei ihr daran hingen.
Der GT Hawk in den 1960er-Jahren vor dem Haus der Erstbesitzerin
Kurz darauf habe ich ihn meiner damals 13-jährigen Tochter geschenkt, denn der Wagen hatte nie einem Mann gehört. Ich fand, das wäre falsch, etwas daran zu ändern. Vielleicht war das schon ein grosses Geschenk – vielleicht zu gross, ich denke aber, es war genau richtig. Jetzt ist sie 17, und lernt demnächst fahren, und ich sitze dann wohl recht oft daneben. Das begleitete Autofahren-Lernen ist eine gute Sache. Bald wird sie dann 18 sein, die Prüfung machen können – und spätestens dann soll der Hawk fertig sein! Es fehlt ihm primär an den Bremsen und all den Dingen, die während eines Standzeit von 30 Jahren Schaden genommen haben. Immerhin, das Auto ist rostfrei und der Motor startete nach wenig Arbeit und Einstellen der Zündung und der Automat tut seine Arbeit.
Ich dachte einst, da sei doch noch genug Zeit. Doch so schnell vergeht sie! Und jetzt drängt die ungestüme Jugend! Also los!


























