Elektrisch = kein Fahrspass?
In Diskussionen und Forenkommentaren wird dem Elektroauto oftmals die Fähigkeit zur Vermittlung von Fahrspass abgesprochen. Eine neutrale Beurteilung dazu dürfte schwierig sein, aber natürlich kann auch ein elektrisch angetriebenes Automobil auf kurviger Strecke beispielsweise Freude am Fahren bereiten. Der sofort verfügbare Vortrieb und das meist in üppiger Fülle vorhandene Drehmoment kann das Erklimmen von Passstrassen sehr vergnüglich machen. In der Kurve verhält sich ein Elektroauto kaum anders als ein modernes Fahrzeug mit Benzinmotor, im Zweifelsfall dank des meist tief liegenden Schwerpunktes sogar sportlicher.
Aber, und jetzt kommen wir zum für viele wichtigen Punkt, es fehlt halt doch ein Teil der Physik, der zur Fahrfreude auch gehören kann. Das Ansaugen von Gemisch, das Stampfen der Zylinder und das Verbrennen von Luft und Benzin, dies alles kann der Elektromotor nicht ersetzen. Die damit verbundene Geräuschkulisse und die deutlich analogere Form der Kraftentfaltung, die typischerweise zusammen mit Gangwechseln kommt, genauso wenig.
Wer den Benzinmotor und seine Lautäusserungen liebt, der wird mit dem Elektroauto sicherlich weniger Freude haben. Allerdings reden wir hier von einem Spektrum, das ein einem Ende mit dem heutigen Elektroauto besetzt ist, während das andere Ende mit den Anfängen der Individualmotorisierung überhaupt beginnt. Ein moderner PHEV-Wagen, also ein Auto mit hybridisiertem Benzinmotor und Automatik, ist wohl näher am Elektroauto als etwa am SS100 der Dreissigerjahre. Und welchem Wagen würde man nun mehr Fahrspass-Potential zutrauen, dem modernen Benziner oder dem Vorkriegsauto? Eben!
Es kann unendlich viel Freude machen, einen Vierzigerjahre-MG TC mit übersichtlichen 54 Pferdestärken einen Berg hochtreiben, ständig zwischen den Gängen zu wechseln und früh auf die Bremsen zu steigen, dabei den sportlichen Vierzylinder-Motor im Ohr zu haben und mit der überdirekten Lenkung und der hinteren Starrachse zu kämpfen. Im Vergleich dazu ist dann der Fahrspass mit einem modernen Mercedes-Benz AMG GT oder einem Porsche 992 vielleicht sogar kleiner, aber sicherlich weniger abenteuerlich und überraschend.
Am Ende des Tages ist alles eine Frage der Perspektive. Was Fahrspass ist, definiert der Fahrer und jeder sieht das etwas anders. Darum würden wir auch sagen, dass die oben definierte “Gleichung” falsch ist, auch wenn wir jederzeit den Vorkriegs-Sportwagen dem modernen elektrischen Hypercar vorziehen würden …


























