Viel Licht beim dritten Zürcher X-Mas-Drive
Schnell wird es abends dunkel und vielen ist die Zeit vor Weihnachten sowieso nicht ganz geheuer. Es drohen Weihnachts-Einkaufsstress, Jahres-Endspurt und die Rückbesinnung auf das Jahr, das sich zu Ende neigt – Stichwort: Projekte die auch im neuen Jahr aktuell sein werden und dies trotz anderslautender Vorsätze.
Die Frage ist bei all diesen Punkten, ob man sie sich antun will. Umso besser ist es darum bei einem dezidierten «Ja», wenn es dazwischen etwas Ablenkung gibt. Eine Möglichkeit – und für unsereiner mit der berühmt-berüchtigten «Altblechkrankheit» bestimmt nicht die dümmste – ist es, bei einem X-Mas-Drive mit zu fahren. In klassischem Deutsch: bei einer Weihnachts-Deko-Fahrt mit dem alten Auto.
Dritte Auflage
Zum dritten Mal hat Chris Wyer eine solche Fahrt organisiert, dabei wollte der Betreiber der DriversApp das Ganze «low key» halten, wie er sagt. Oder anders ausgedrückt: Der Charakter einer Spontanaktion, eine Art rollender Flashmob soll beibehalten werden. Die Karawane weihnächtlich dekorierter Klassiker, die am 20. Dezember durch Zürich gerollt ist, war damit weder weitherum angekündigt noch breit ausgeschrieben worden. Nur auf den Kanälen der DriversApp, auf den sozialen Medien und in einem kleinen Netzwerk eher jüngerer Klassikenthusiasten und -Enthusiastinnen drehte die Ankündigung dieser dritte Auflage ihre Runden.
Bereits beim Start am Zürcher Utoquai war es offensichtlich, dass 2025 der X-Mas-Drive nochmals wesentlich mehr Zuspruch haben würde, als die ersten zwei Veranstaltungen. Mit einem Kaffee ging es bei Emil Frey Classic los, eine erste Gelegenheit, sich die fantasiereichen Kreationen der Teilnehmenden genauer anzuschauen. Erstmals in der Dämmerung ausgetragen, dominierten bei den Dekorationen die Lichter sowohl aussen wie auch innen. Ein findiger Teilnehmer liess im üppigen Innenraum seines 1964er Oldsmobile gar eine Eisenbahn ihre Runden um einen Mini-Weihnachtsbaum drehen. Überhaupt: Weihnachtsbäume, diese wurden von Leucht-Rentieren, ganzen Geschenkstürmen oder auch einem aufs Dach geschnallten Wackel-Santa begleitet.
Augen zu und durch
Der kunterbunte Zug mischte sich nach dem Stelldichein auf in das Verkehrsgetümmel des vorweihnachtlichen Stamstag-Abends in der Stadt Zürich. Dank der kühlen Witterung wird aber von keinerlei Zwischenfällen aufgrund des Stop-and-Go-Verkehrs berichtet, die Motorentemperaturen bleiben im normalen Bereich. Dennoch dürften manche froh gewesen sein, als sich in Richtung Wollishofen am linken Seeufer der Verkehr langsam lichtete. Danach war ein gemütliches Cruisen entlang der Seestrasse angesagt, bevor sich der Tross in Richtung Horgenberg vom Ufer des Zürichsees löste. Erstmals winkte den X-Mas-Drivern ein kulinarischer Abschluss.
Käse zum Abschluss
Die bescheidene Schrauberbude des Schreiberlings diente den Weihnachtsfahrerinnen und Fahrern als Unterschlupf für ein zünftiges Raclette. In die Frische der ungeheizten Werkstatt strömte nicht nur die kalte Luft durch die Ritzen herein, sondern die Käsewolken auch wieder hinaus. Die dekorierten Autos in der stockdunklen Nacht draussen zu finden war einfach, sie leuchteten in Reihen geparkt miteinander um die Wette.
Der dritte X-Mas Drive war damit zweifellos ein Erfolg und ein würdiger Saisonabschluss für ein wahrhaft bewegtes Klassik-Jahr. Es soll zwar noch ein DriversApp-Sylvestertreffen auf Zürichs Albispass geben, doch in der hoffnungsvollen Erwartung von etwas Schnee dürften manche ihre Autos nach dem Drive nun für diese Saison einmotten, oder vielleicht doch noch nicht?
Für eine vierte Auflage des Drive gilt es aber, sich etwas einfallen zu lassen. Denn mit der jährlichen Verdoppelung der teilnehmenden Autos ist die Grenze schnell erreicht. Vielleicht wird ja daraus eine Sternfahrt im näheren und weiteren Sinne des Wortes. Doch die nächsten Weihnachten liegen noch weit und nun gilt es erstmal jene des Jahres 2025 hinter sich zu bringen.
Bilder: Marius Egli mariusegli.ch
























