Die grösste Radioantenne in der Schweiz
Der Sender spielte auf jedem alten Autoradio, das Mittelwelle auf 531 kHz empfangen konnte. Beim grossen Heimradio in der guten Stube stand da "Beromünster". Und genau dahin habe ich mich neulich auf einer Ausfahrt quasi "verfahren".
Die Geschichte des Schweizerischen Landessenders begann 1931, mit der Inbetriebnahme einer 60 kW-Anlage auf dem Boden der Gemeinde Gunzwil im Kanton Luzern, in der Nähe eines alten Marktfleckens im oberen Wynental: Münster. Der Name beruht auf einem Chorherrenstift, das dort bis heute steht. Der Graf Bero hat dieses nach einer Begegnung mit einem Bären vor mehr als 1000 Jahren gestiftet. Fast ebenso alt ist die Lateinschule des Ortes, heute das kantonale Gymnasium, die Kantonsschule. Der Autor dieser Zeilen hat da einst selber die Feder gefuxt und die Lehrer zur Verzweiflung gebracht. Aber das ist eine andere Geschichte.
Nun, ein Sender "Gunzwil" neben BBC London oder Radio Paris, Monte Carlo oder sonst aus einer wichtige Metropole Europas, das konnte nicht sein. Andererseits war es typisch für die föderalistische Schweiz, dass nicht eine einzige Kantonshauptstadt obenauf schwingen sollte. Und jedem Kanton einen Sender zu gönnen, wie das die Radiogegner gefordert hatten, war völlig absurd. Doch auch Münster als Name des Senders war nicht sehr eindeutig, darum nannte man den Sender "Beromünster", ein gut-eidgenössischer Kompromiss und ein völlig neuer Name ohne Vorgeschichte und damit Vorbehalte. Münster sollte gar wenige Jahre nach Start des Sendebetriebs "Beromünster" für sich ebenfalls übernehmen. Kaum ein Ortsname in der Schweiz ist jünger als dieser.
1937 wurde die Sendeleistung auf 100 kW erhöht und mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mutierte das an sich kaum sehr politisch gefärbte und vom Schweizerischen Mediengesetz zugunsten der Zeitungen auf ein sehr schmales Nachrichtenangebot beschränkte Radio in Deutschland zum "Feindsender". Um Punkt sieben Uhr am Freitagabend brachte Jean Rudolf von Salis mit der "Weltchronik" die Lage der Welt in deutscher Sprache über den Sender. Darin wurde von Hüben wie Drüben über das Kriegsgeschehen berichtet und der europäische Kontinent mit deutschsprachigen Nachrichten versorgt, die anderswo längst der Zensur zum Opfer gefallen waren. Kein Wunder, war das Gebiet des Senders stark bewacht und weitherum abgesperrt. Zudem war das Sendesignal mit 100 kWh so stark, dass man bei längerem Aufenthalt wohl mit ernsthaften gesundheitlichen Folgen hätte rechnen müssen. Wasserleitungen spielten Musik, Leichtstoffröhren leuchteten einfach so, ohne an eine Stromquelle angeschlossen zu sein. Und Teddy Stauffer spielte Swing, völlig unbehelligt, gesendet auf 531 kHz und heimlich empfangen und gehört. Auch das angekündigte Kriegsende am 8. Mai sendete als einzige Station in deutscher Sprache zeitgerecht – Radio Beromünster.
Etwas Geschichte, verbunden mit einer Ausfahrt im Klassiker, das ist immer eine gute Kombination. Leider spielte bei der Anreise kein Radio Beromünster mehr aus dem Lautsprecher des DeSoto. Auch keine Musikwelle 531 mehr, das letzte Programm, das über die 208 Meter hohe Antenne in den Äther geschickt wurde, denn das letzte Schweizer Radioprogramm auf Mittelwelle endete 2008. Heute ist die Anlage ausgebaut, der Turm und die Gebäude im Bauhausstil aber sind denkmalgeschützt. Und die Sendeanlage soll nach Nordkorea verkauft worden sein – auweia!
© Titelbild: ETH e-pics


























