Ein Update des Veteranenstatus steht bevor
Der Schweizer Veteranenstatus ist eine feine Sache. Damit erhalten historische Fahrzeuge einige Privilegien und Erleichterungen, so beispielsweise bei der periodischen Prüfung, dem Äquivalent zum deutschen TÜV. Bei älteren Fahrzeugen betragen die Prüfintervalle normalerweise zwei Jahre, für Veteranen gilt eine Frist von sechs Jahren, bis sie wieder bei Motorfahrzeugkontrolle MFK vorzufahren haben. Dem gegenüber steht eine jährliche Limite der gefahrenen Distanz von etwa 3000 Kilometer. Das System mit dem "Code 180", dem Eintrag im Fahrzeugausweis als "Veteranenfahrzeug" funktioniert recht gut.
Wo allerdings immer wieder Diskussionen aufgetaucht sind, ist beim geforderten optischen Zustand des geprüften Fahrzeuges. Bei der Technik und Sicherheit gab und gibt es derweil keine Differenzen. Was damals Stand derselben war und so auf die Strasse gerollt ist, das soll korrekt und optimal funktionieren. Dasselbe gilt für die strukturelle Integrität des Fahrzeuges, dessen Karosserie und Rahmen. Grösste Differenzen gab es hingegen immer wieder bei der Frage, welcher Lack noch als erhaltungswürdig gilt und wie ein Fahrzeuginterieur auszusehen hat. Darf ein Fahrersitz einen kleinen Riss aufweisen oder sind Spuren der Zeit und kleinere Reparaturen im Lack, leichte Pickel im Chrom oder, bei älteren Fahrzeugen noch im Nickel, tolerierbar? Darf gar ein Land-Rover, der 50 Jahre lang auf dem Feld und im Wald gedient hat, mit einigen leichten Beulen vorfahren?
Der Passus, das sich ein Veteranenfahrzeug so wenig wie möglich vom Zustand eines Autos, das die Fabrik verlassen hat, unterscheiden soll, wurde von den verschiedenen Prüfern in den Kantonen sehr unterschiedlich ausgelegt. Ja es führte sogar soweit, dass in diesen Fragen eher tolerantere Prüfstellen bevorzugt ausgewählt worden sind, um einem möglichen Verlust oder einer Verweigerung des Veteranenstatus aus dem Weg zu gehen.
Doch die Prüfer sind es leid, sich wegen optischer – und damit zum Teil auch höchst subjektiv zu beurteilenden Sachverhalten – mit den Fahrzeugbesitzern auseinandersetzen zu müssen. Und die Halter, die Restauratoren und Mechaniker, die ein Fahrzeug zur Prüfung bringen müssen, wollen etwas Sicherheit in der Frage, ob ein Altlack noch durchgeht oder – nur wegen eines einzigen Prüfers – zerstört, sprich überlackiert werden sollte. Dasselbe gilt für das Leder oder die Textilien mit leichten bis mittleren Gebrauchsspuren im Innenraum. Viele sind der Meinung, dass was nach 30 und mehr Jahren noch da ist, grundsätzlich gepflegt wurde, auch wenn es nicht mehr wie neu aussieht. Der «gepflegte Zustand» eines historischen Fahrzeugs berücksichtigt damit die Tatsache, dass selbst ein normal gepflegtes Gebrauchsauto nach 30 Jahren üblicherweise längst auf dem Schrott gelandet ist.
Deshalb soll nun in einer Revisionsrunde die Praxis etwas angepasst werden und der optische Zustand nicht mehr soviel Gewicht erhalten bei der Erteilung des Veteranenstatus. Ebenso steht eine Lockerung der Verwendungsmöglichkeiten von Veteranenfahrzeugen bevor. So sollen künftig Anhängerkupplungen ohne weiteren Nachweis eines vorhandenen historischen Anhängers an einem Veteranenfahrzeug möglich sein. Das würde etwa das Mitführen eines modernen Autotransportanhängers an einem Klassiker, beispielsweise mit einem ebenso historischen Rennwagen am Haken, möglich machen. Dasselbe gilt für einen modernen Wohnwagen um etwa an einem mehrtägigen Anlass eine mobile Bleibe mit dabei zu haben.
Die Beispiele sind nicht abschliessend und es gibt auch einige Knackpunkte wie eine allfällige Beschränkung einzelner Fahrzeuge auf bestimmte Strecken. Wie dies genau gemeint ist und welche Art Fahrzeuge davon betroffen sein sollen, ist noch unklar und die Vernehmlassungen dazu sind noch im Gange. Auch die Frage des Wegfallens der obligatorischen Abgaswartung in der Schweiz für Autos, die nach dem 1.1.1976 erstmals zugelassen wurden und noch ohne obligatorischen OBD-Stecker daherkommen, ist offen. Aber die Tatsache, dass diese Diskussionen geführt werden, ist ein gutes Zeichen für das historische Fahrzeug hierzulande. Wir werden sehen.

































