Von Monstern und Beulen – 100 Jahre Carrozzeria Zagato in der Autoworld Brüssel 2019

Erstellt am 8. Oktober 2019
, Leselänge 3min
Text:
Wolfram Hamann
Fotos:
Wolfram Hamann 
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Ein Besuch der Autoworld Brüssel lohnt sich stets, nicht zuletzt wegen der dort gezeigten Sonderschauen. Derzeit ist das einhundertste Jubiläum des italienischen Design- und Entwicklungsbüros Carrozzeria Zagato - eine der wenigen Überlebenden dieser einst florierenden Branche - Thema einer Ausstellung. Den Besucher erwartet allerdings keine umfassende Werkschau, so fehlt etwa das in einem anderen belgischen Museum untergebrachte Miniauto Zagato Zele aus der Mahy-Sammlung. Dennoch ist die Sonderschau beeindruckend, der Reiz der Ausstellung liegt in Bandbreite der Exponate.


Impressionen von der Sonderausstellung - 100 Jahre Carrozzeria Zagato in der Autoworld Brüssel 2019
Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

Insgesamt fast 90 Jahre Firmengeschichte

Anhand von 15 ausgewählten Fahrzeugen meist italienischer Provenienz werden in drei Segmenten immerhin fast 90 Jahre Firmengeschichte dargestellt (eigentlich wären es sogar 16 Exponate, wenn man den Alfa Romeo 2600 Sprint Zagato von 1965 aus der permanenten Ausstellung in der Empore hinzunimmt). Das älteste Auto der Schau ist ein Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport Zagato von 1932, das jüngste Exponat - der auf einem Audi 3 basierende Zagato Zuma - ist vom Baujahr 1998.


Der Älteste: Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport Zagato (1932) - 100 Jahre Carrozzeria Zagato in der Autoworld Brüssel 2019
Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

Beulen müssen nicht immer schlecht sein

Beginnen wir mit gestalterischen Gemeinsamkeiten: Fast alle gezeigten Autos tragen das für Zagato typische "Z" auf den vorderen Kotflügeln (und nicht nur da!).  Auch die "doppio bolla", zwei beulenartige Ausbuchtungen im Fahrzeugdach - meist "double bubble" genannt - ist an einigen Exponaten zu entdecken. Doch das dürfte es dann auch schon an Gemeinsamkeiten sein. Denn im Laufe der Zeit finden sich bei Zagato rundliche Karosserieformen ebenso wie scharfkantige. Erstaunlich ist aber vor allem die Vielfalt des Designs. Nun lässt sich über Geschmack bekanntlich streiten und die Schönheit soll ja im Auge des Betrachters liegen, so dass an dieser Stelle Zurückhaltung geboten erscheint.


Fiat 750 Zagato Abarth (1958) it "double bubble" - 100 Jahre Carrozzeria Zagato in der Autoworld Brüssel 2019
Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

Unstrittig dürfte wohl sein, dass der von Ercole Spada (*1937) gestaltete Aston Martin DB 4 Zagato ein Meilenstein des Designs ist, der aus jedem Blickwinkel perfekt zu sein scheint. Nicht zuletzt wurde er kürzlich aus diesem Grund in der Düsseldorfer Ausstellung "PS: Ich liebe dich" in einem Museum präsentiert. In Brüssel erwartet den Besucher direkt am Eingang ein dunkelgrüner DB4 mit dem Zusatz "Sanction 3". Damit ist gemeint, dass es sich um ein erst nach 1987 durch Zagato nachträglich gebautes Fahrzeug handelt (Aston Martin selbst hatte in den Jahren 1960/61 insgesamt 19 Exemplare der Designikone hergestellt). Auf eine Diskussion über die Originalität von Fahrzeugen soll hier indes verzichtet werden, da dies im Hinblick auf das Design unerheblich erscheint.


Aston Martin DB 4 Zagato "Sanction 3" (1988) - 100 Jahre Carrozzeria Zagato in der Autoworld Brüssel 2019
Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann
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Design ist Geschmackssache

Doch es finden sich auch Fahrzeuge, deren Design polarisiert. Dies gilt zunächst für den Alfa Romeo SZ von 1992, dem ob seiner ungewöhnlichen Erscheinung der Spitzname " il Mostro" (das Monster) verpasst wurde. Und auch der Autech Zagato Stelvio AZ 1 von 1991 (auf Nissanbasis) trägt das berühmte "Z". Doch auch dieses Auto ist äußerst gewöhnungsbedürftig.


Polarisierend: Autech Zagato Stelvio AZ 1 (1991) - 100 Jahre Carrozzeria Zagato in der Autoworld Brüssel 2019
Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

So befinden sich auf beiden Seiten der Motorhaube an Ohren erinnernde, hutzenartige Gebilde, die Rückspiegel enthalten. Dieses Stilelement wird auch am Fahrzeugheck abgemildert aufgegriffen. Ungewöhnlich sind ferner die sog. NACA-Öffnungen an den Rädern- dergleichen findet man sonst ja eher auf Motorhauben. Mit Ausnahme des Autech und des Aston Martin tragen die sonstigen Exponate italienische Namen. Fiat ist mit zwei Exemplaren vertreten: Zum geschickt neben dem DB4 platzierten seltenen 8 V (Otto Vu) von 1955 gesellt sich der in Rennen erfolgreiche Fiat 750 Zagato Abarth von 1958 mit dem charakteristischen "double bubble"-Dach.

Das Monster von Alfa Romeo

Das zweite Ausstellungssegment zeigt ausschließlich Autos von Alfa Romeo. Außer den schon erwähnten 6C von 1932 und dem "Mostro" sind dies der auf der Giulietta basierende Alfa Romeo SZ "Tonda" mit seinem knappem Rundheck von 1960, der Alfa TZ 1 auf Basis der Giulia aus den frühen Sechzigern  sowie der ebenfalls von Ercole Spada stammende Alfa Romeo GT 1300 Junior Z von 1971. Auf ihn geht auch ein weiteres Coupé zurück: der bereits erwähnte Alfa Romeo 2600 SZ aus der permanenten Ausstellung der Autoworld. 


Das Monster: Alfa Romeo SZ "Mostro" (1992) - 100 Jahre Carrozzeria Zagato in der Autoworld Brüssel 2019
Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

Ausschliesslich Lancias im dritten Teil der Ausstellung

Der dritte Teil der Ausstellung enthält ausschließlich Lancias und zwar aus den Jahren 1958 (Appia) bis 1992 (Hyena). Gezeigt werden ferner eine Flaminia Sport von 1966, eine Flavia 1800 Sport (mit eigenwilliger Fenstergestaltung) von 1963 sowie eine Fulvia von 1971- natürlich sämtlich mit dem Namenszusatz "Zagato".


Lancia Fulvia Zagato (1970) - 100 Jahre Carrozzeria Zagato in der Autoworld Brüssel 2019
Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

Weitere Informationen

Informationen zur Autoworld finden Sie auf der Website von Autoworld Brüssel .

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von he******
17.10.2019
Antworten
...Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Was mich wundert ist, dass Zagato bei seinen ungewöhnlichen Formen wohl nie etwas Asymmetrisches ausprobiert hat. Immerhin hat es Autos gegeben, deren Seitenansicht auf Grund der Türenanordnung unterschiedlich war. Aber an Front und Heck hat sich wohl nie ein Designer herangetraut. Warum eigentlich nicht?
von rk******
15.10.2019 (07:25)
Antworten
Zagato und Colani habe einfach eine geniale Formgebung an den Autos erreicht, einfach nur schön.
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