Classic Days Schloss Dyck 2019 - “Germany’s next Top-Goodwood”

Erstellt am 8. August 2019
, Leselänge 6min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
216

Kandidat für “Germany's next Top-Goodwood" sind mit Sicherheit die Classic Days auf Schloss Dyck. Jährlich werden eine Unmenge historischer Vehikel aller Art in die Gegend von Mönchengladbach gekarrt, von hochkarätigen Rennwagen vom Schlage eines Porsche 917 bis hin zum Kabinenroller à la BMW Isetta.


Porsche 917 KH (1970) - an den Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Vom einfachen Sachs-Moped bis zum Benz Dreirad gab es auch bei der 2019-er Ausgabe so ziemlich alles zu sehen, was die Technik während den letzten 125 Jahren auf die Strassen gebracht hat.

Engmaschiges und vielfältiges Programm

Die Zeit wird schnell knapp, will man alles sehen. Auf der Strecke tobt das Programm von morgens bis abends ununterbrochen, während gleichzeitig im Park der Concours d`Elégance oder Fahrzeugvorstellungen wie "Charme & Style" oder "Lovely Heroes" präsentiert werden.


Renault 4 CV Sport (1955) - an den Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Ganz klar ist, ein Tag reicht nicht, um das volle Programm wirklich in den Griff zu kriegen. Aber die Reise in die Nähe zum Ruhrgebiet und zwischen Braunkohle-Abbaugebiete und Atomkraftwerke lohnt sich allemal.


Bereit, den Mond zu erkunden - Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Was Marcus Herfort mit seiner Frau Simone und den rund 100 immer gutgelaunten und sehr freundlichen ehrenamtlichen Helfern hier jährlich auf die Beine stellen, ist absolut erste Sahne. Selbst wenn nicht immer die persönlichen Lieblingsautos vor Ort stehen oder fahren, so gibt es so viel weniger Bekanntes zu sehen und hören, dass es einfach eine grosse Freude ist, mit dabei zu sein.


VW ID R (2019) - an den Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Klar haben die grossen Hersteller, wie auch die "schweren" Sponsoren, ohne die es nicht möglich wäre einen derartigen Anlass durchzuziehen, ein wenig überhand genommen und zwischendurch auch für etwas Kopfschütteln gesorgt. So wurden zum Beispiel eine beträchtliche Anzahl historische Autos von einer Uhrenmarke angemietet und an Leute verteilt, die noch nie in einem derartigen Auto sassen. So brauchte tatsächlich eine Lenkerin Hilfe von Aussenstehenden, da sie nicht in der Lage war, mit “ihrem” Auto auch nur einen Meter rückwärts zu fahren und so in ihrer kompletten Verzweiflung bereits einen massiven Stau im Schlosspark produziert hatte.

Und vielleicht wurden auch nicht mehr alle Fahrzeuge penibelst auf ihre Echtheit geprüft, wie das noch vor Jahren der Fall war.

Aber auch ein "Pur-gatti" oder ein "nur" 400’000 Euro teurer 250 GTO erweckt in vielen weniger geschulten Augen ein Glänzen und Bewunderung.

Gross Begeisterung

Bereits auf dem Weg zum Grossanlass, der sich am 2. bis 4. August 2019 zum 14. Mal jährte, liess sich erkennen, dass die Classic Days möglichst alle Autoenthusiasten ansprechen möchten.


Mercedes-Benz Wendler 320 W 142 (1936) - im Concours "Masterpieces" an den Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Rund 30’000 zum Grossteil modisch gekleidete Besucher stürmten, mit und ohne historischem Fahrzeug, den Schlosspark und zeigten ihre grosse Begeisterung.

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Auto-Raritäten am Concours

Im nun wieder in die Classic Days integrierten Concours d’Elégance “Masterpieces” gab es einige sicherlich aussergewöhnliche Fahrzeuge zu bewundern:

Der Mercedes Benz Wendler 320 W142, mit sechs Zylindern und und 3200 ccm aus dem Jahr 1936 wurde 1950 von der Firma Wendler aus Reutlingen als Einzelstück mit einer Wendler-Karosserie versehen und anlässlich der Reutlinger Motorschau ausgestellt.


Mercedes-Benz Wendler 320 W 142 (1936) - im Concours "Masterpieces" an den Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die aussergewöhnliche Pontonkarosserie hat zwei separate Türen für je ein Reserverad. Ebenso ist ein zu seiner Zeit begehrtes Maybach-Getriebe mit einem vierten Schnellgang und ein dritter Autobahnscheinwerfer verbaut.

Der Rolls-Royce Silver Ghost Springfield aus dem Jahre 1922 mit 7428 ccm und 6 Zylindern mit amerikanischer Brewster-Karosserie wurde 1925 an einen Bankier nach London ausgeliefert. Er ist seit 1974 in Deutschland und seit 1997 beim gleichen Besitzer.


Rolls-Royce Silver Ghost Springfield (1922) - im Concours "Masterpieces" an den Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der Kaiser von Japan bekam 1922 einen identischen Silver Ghost. Der Zar von Russland besass ebenfalls einen und Lenin sogar deren zwei, davon war einer mit Schneekufen ausgestattet.

Das Graham-Paige 827 Opera Coupé vom US-amerikanischen Automobilhersteller aus dem Jahr 1929 leistet stattliche 120 PS aus dem 5,3l Achtzylinder. 1927 kauften die Brüder Joseph B., Robert C. und Ray A. Graham die Paige-Detroit Motor Car Company. Ab 1930 wurden die Fahrzeuge unter dem Markennamen Graham verkauft. Graham-Paige baute 5 Modelle auf Basis des 827-Chassis, aber kein Opera-Coupé.


Graham-Paige 827 Opera Coupé (1929) - im Concours "Masterpieces" an den Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Das auf Schloss Dyck gezeigte Fahrzeug ist das einzige vom Karosseriebauer Briggs gefertigte Opera Coupé Le Baron. Lackierung und Interieur sind original. Mit der grossen Motorleistung und dem 4-Gang- Getriebe konnte der Wagen mit Marken wie Cadillac, Packard und Pierce Arrow mithalten.

1935 beauftragte Alfa-Chefingenieur Vittorio Jano die Brüder Gino und Oscar Jankovits mit dem Bau eines Mittelmotor-Sportwagens auf Basis des 6C 2300. Das einzigartige Auto, der Aerospider, sollte die deutsche Vormachtstellung im GP-Rennsport herausfordern. Zunächst mit einem 6-Zylindermotor ausgestattet, sollte dem weltweit ersten Auto mit Mittelmotor, später ein V12 eingebaut werden. 1937 wurde Nano bei Alfa Romeo entlassen und die weltpolitische Lage führte dazu, dass der Wagen in der Garage der Jankovits versteckt blieb.


Alfa-Romeo 6C 2300 Aerospider (1937) - im Concours "Masterpieces" an den Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Todesstrafe, wegen Unterstützung der Nazis, vor Augen, floh Gino mit dem Spider von Jugoslawien nach Italien und verunglückte dabei mit hoher Geschwindigkeit unter einem Schlagbaum. Reifen und Karosserie wurden auch noch durch Gewehrkugeln beschädigt. Nach dem 2. Weltkrieg galt er für lange zeit als verschollen bis er dann in einer kroatischen Scheune wiedergefunden wurde.

Siegreich im Concours waren allerdings andere Modelle. Als “Best of Show” wurde ein Bentley 4 1/2 Litre von 1928 erkoren.


Mercedes-Benz 170V Sindelfingen Cabrio A (1938) - im Concours "Masterpieces" an den Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Das Mercedes-Benz 170 V Sindelfingen Cabriolet A von 1938 erhielt die Gunst des Publikums. Der Ferrari 330 America von 1963 wurde als “Worlds Most Pristine Masterpiece” geehrte, der Fiat 2300 S als Coupé Michelotti von 1966 als “Most Significant Car Postwar” ausgezeichnet.

Als Beste ihrer Klasse wurden folgende Autos gewertet:

  • Bentley 4 1/2 Litre von 1928 (The Masterclass in Racing & Style)
  • Alfa Romeo Aerospider von 1937 (Extraordinary Cars of the Golden Years)
  • Rolls-Royce Phantom I Sedanca de Ville Thrupp & Maberly von 1927 (Around the World - The Grand Tour)
  • Porsche 356 von 1951 mit geteilter Frontscheibe (The New Era - Elegance & Innovation)
  • Maserati 3500 GT von 1958 (Early Postwar Internationality)
  • Facel Vega 6 HC Cabriolet von 1957 (Grace & Pace - Power & Beauty)
  • Lancia Flaminia Zagato von 1966/1967 (Coupes of Class & Rarity)
  • Dino 246 GT von 1972 (Italian Coachbuilding - Gran Turismo Class)
  • Ferrari 365 GTB/4 von 1968 (The next Generation - Pure Shape)

Fast im Renntempo

Während die Besucher in der Orangerie des Schlossparks die eleganten und schönen Fahrzeuge im Concours bestaunten, bretterten gleichzeitig legendäre orange-lackierte Jägermeister Fahrzeuge vom F2 bis zum M1, heute gehätschelt durch den Sammler Eckhard Schimpf, über die extra eingerichteten Rundstrecke.


March 782 F2 (1978) - Jägermeister-Gruppe - Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Alfa-Romeo brachte, neben einem Alfa 6 Safety-Car, auch den erfolgreichen 33 TT12 mit Arturo Merzario am Steuer ins Ruhrgebiet.


Alfa Romeo 33 TT 12 (1975) - an den Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Ein Bild für Götter und all seine Fans waren natürlich die beiden Porsche 917 Kurzheck, die zusammen mit Alfa Romeo Tipo 33TT12 und einem Abarth 2000 durch die Schlossallee heranbrausten. Wunderschöne Autos in toller Landschaft.

50 Jahre Ford Capri

Neben der Rundstrecke fanden sich wie immer diverse Markenclubs, allen voran war diesmal Ford mit dem 50-jährigen Jubiläum des Capri.


Ford Capri Cabriolet Deutsch (1969) - an den Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Auch zahlreiche Privatbesitzer brachten auf Einladung von Ford ihre Coupés mit, von der ersten Generation 1969 bis hin zum Facelift der zweiten Generation, die erst 1986 auslief.

Und natürlich die Camping-Freunde

Zum Schluss wollen wir zur Freude der Camper auch die super restaurierten und sauber gepflegten historischen Wohnwagen und -mobile nicht vergessen.


Immer beliebte Camping-Ausstellung - Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Es scheint auch, dass diese Gruppe jährlich immer grösser wird. Mit viel Liebe zum Detail werden all die unzähligen Dekors jener Zeit der betreffenden Fahrzeuge angepasst.


Ab in den Skiurlaub mit dem Käfer - Classic Days Schloss Dyck 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Weitere EIndrücke von den Classic Days auf Schloss Dyck gibt es auch noch in der unterhaltsamen Bildergeschichte zum Anlass.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von AbarthCM
13.08.2019 (10:01)
Antworten
3 Tage Schloss Dyck waren für mich wie eine Rückblende in die Zeiten ohne technische Gemeinheiten. Alle Teinehmer waren gut gelaunt und vielfach passend gekleidet, wie auch die stets freundlich und rührig bemühten Helfer der Organisation. Auch ich, in meinem alten ABARTH-CASTROL Monteuranzug, kam gut rüber. Ich habe dort viele nette Gespräche mit sehr interessierten Besuchern führen können, was in anderen Fahrerlagern nicht so entspannt vonstatten geht. Für die Präsentation von modernen Fahrzeugen muss man schon bibelfest sein, ist aber scheinbar unumgänglich, weil sich sonst ein so großes Event nicht durch die Motorsport-GMBH kostendeckend finanzieren lässt. Auch meine Teilnahme zum Sonderlauf "70 Jahre ABARTH" ist durch FCA gesponsort worden, wie auch der Auftritt von Arturo Merzario (der Retter von Niki Lauda) im Alfa Romeo 33TT12, was sonst nicht stattgefunden hätte. Den rund 40.000 Besuchern hat es jedenfalls gut gefallen. Gestatten Sie mir noch einen Korrekturhinweis, das Fahrzeug auf den Bildern 116-118 ist kein Fiat Abarth 850 TC Nürburgring, sondern Fiat Abarth 1000 TC Corsa Grp. 2, Bj. 1967. Die 850er hatten zur Unterscheidung ab Werk ein gelbes Karodach gehabt. Aber weiss das noch ? Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr auf Schloss Dyck freue ich mich jetzt schon.
PS. Kommendes Wochenende geht´s auf die Insel nach Brands Hatch zu "70 Jahre ABARTH" beim FESTIVAL ITALIA.
Gruss aus dem Ölsumpf
ABARTH-Klaus
von Ru******
13.08.2019 (09:45)
Antworten
Dankesehr für den Artikel, das Thema Sponsoren kann ich als Teilnehmer fast der ersten Stunde unterschreiben. Schade ist, daß Sie mit keinem einzigen Bild oder Wort den großen und zum ersten Mal auch optisch gelungenen Stand der Amerikaner, platziert vor dem Miscanthusfeld, erwähnen. Sie hatten nämlich die letzten Jahre immer erheblich zu wenig Platz. Auch wäre ein Bild des Concours Klassensiegers FIAT-Michelotti 2300 S Coupés obligatorisch gewesen, einmal hatten Sie ihn auf dem Hintergrund mit drauf, warum dann nicht gleich richtig?
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