Mercedes-Benz 250 T - der Vater der Lifestyle-Kombis

Erstellt am 1. Februar 2018
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
43
Daimler AG 
37
Archiv 
6

Mercedes-Benz hat den Kombi nicht erfunden, den gab es schon lange vor der T-Reihe. Aber Mercedes machte die praktische, senkrechte Hecktüre im Ober- und Luxusklassen-Segment salonfähig und erfand damit den Lifestyle-Kombi.


Mercedes-Benz 250 T (1979) - als man mit 129 PS noch üppig motorisiert war
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Baureihe 123

Bereit im Januar 1976 hatte Mercedes-Benz mit der Baureihe 123 den Nachfolger der beliebten /8-Modelle eingeführt. Zunächst war der solide Wagen als Limousine erschienen, dann folgte das Coupé im Juni 1977.


Mercedes 280 TE (1977) - die 123-er-Reihe wird jetzt auch als geräumiger Kombi verkauft - Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt 1977
Archiv Automobil Revue

Auf der IAA in Frankfurt im September 1977 stand dann die T-Reihe. Das “T” stand dabei für “Touristik” und “Transport”. Die Automobil Revue kommentierte anlässlich der Präsentation:
“Die neue Reihe 230 T bis 300 TD von Mercedes-Benz zeigt schliesslich, dass auch der Kombi hohe Forderungen nach Zweckmässigkeit und Eleganz vereinen kann.”

Die Kundschaft nahm die ganze Baureihe sehr positiv auf, die Lieferfristen zogen sich zum Teil über Jahre in die Länge. Sicherheit, Alltagstauglichkeit, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit waren Charakteristiken, die dem "kleinen" Mercedes nachgesagt wurden und die von der Kundschaft auch geschätzt wurden.

Technik der Limousine

Der Kombi übernahm weitgehend die Technik der Limousine. Dies bedeutete Vier- und Sechszylindermotoren mit anfänglich 109 bis 177 PS, die an Viergang- oder Automatik-Getriebe gekoppelt waren und ihre Kraft auf die Hinterachse abgaben. Die Räder waren einzeln aufgehängt, vorne an je zwei Querlenkern, hinten an Dreiecksschwingen. Verzögert wurde mit Scheibenbremsen, gelenkt via eine Kugelumlauflenkung, bei den meisten Typen servo-unterstützt.


Mercedes-Benz 280 TE (1978) - im April 1978 begann im Werk Bremen die Serienproduktion der Mercedes-Benz T-Reihe (123)
Copyright / Fotograf: Daimler AG

Der Kombi verfügte immer über eine Niveauregulierung und breitere Reifen als die Limousine, beim 250 T hatten sie die Dimension 195/70 HR 14.
Neben den Benzin-Aggregaten gab es auch noch Dieselvarianten. 1980 ersetzte der eingespritzte 230 TE den 230 T, 1980 kam der 300 TD mit Turbodiesel dazu. Der 200 T rundete im selben Jahr das Programm nach unten ab.


Mercedes-Benz 300 TD (1979) - Turbodiesel
Copyright / Fotograf: Daimler AG

Ab August 1980 gab es zudem ABS auf Wunsch und ab 1982 den Airbag gegen Aufpreis. Im selben Jahr wurden die Modelle aufgefrischt, was sich mit geänderten Scheinwerfern und serienmässiger Servolenkung der Vierzylindermodelle zeigte. Die letzten Modelle wurden im Januar 1986 gebaut, in acht Jahren hatten bis dahin 199’517 Kombis das Werk in Bremen verlassen.

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Der neue Sechszylinder

Der kleine Sechszylinder mit 2,5 Liter Hubraum war 1975 der einzige 123-er gewesen, der einen wirklich neuen Motor erhalten hatte. Der “M 123”, so hiess der Reihensechszylinder, verfügte über eine obenliegende Nockenwelle, die über eine Kette angetrieben wurde. Die Kurbelwelle war vierfach gelagert. Mit einem Solex-Doppelregistervergaser (Typ 4 A 1) leistete der 2525 cm3 grosse Motor 129 PS, also 51 PS pro Liter. Damit war er sicherlich nicht überzüchtet, was sich auch in der niedrigen Verdichtung von 8,7:1 zeigte.


Mercedes-Benz 250 T (1979) - Vergasermotor
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Seine Stärken waren der weitgehend vibrationsfreihe Lauf und das kultivierte Klangbild, nicht aber seine Sparsamkeit. Zudem stellte der aufwändige Vergaser schon damals hohe Ansprüche an Mechaniker und Wartungsstand. Wolfgang König schrieb anlässlich des Dauertests einer 250-er- Limousine 1978: “Von Anfang an litt der 250 unter schlechten Übergängen beim Zuschalten der zweiten Vergaserstufe und bei Lastwechseln …”. Offenbar gelang es dem Solex-Vergaser nicht zu jeder Zeit das gewünschte Kraftstoff-Luft-Gemisch bereitzustellen, zudem zeigten sich immer wieder Startschwierigkeiten.

Immerhin verwöhnte der 2,5-Liter aber mit gutem Temperament, das sich nach einigen Jahren durch Erhöhung der Verdichtung und damit eingehender Leistungssteigerung auf 140 PS noch verbesserte.

Wenn Luxus und nicht Grösse zählen

Der “T” unterschied sich in den Grunddimensionen nicht von der Limousine, war also 4,73 Meter lang und 1,73 Meter breit. Auch der Kofferraum wuchs in der Fläche nicht, war aber dank umklappbarer Sitze hinten (auf Wunsch auch zweiteilig) deutlich variabler nutzbar.


Mercedes-Benz 250 T (1979) - nach Umklappen der Sitze ergibt sich ein ebener Ladeboden
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Wenn man die ganze hintere Sitzbank umklappte erhielt man einen 1,78 Meter langen Laderaum, der fast 900 Liter fassen konnte. Blieb die Sitzlehne hinten oben, dann reduzierte sich der Kofferraum auf 523 Liter und war damit etwas gleich gross wie derjenige der Limousine.

Im Vergleich zur Kombi-Konkurrenz musste der Mercedes sogar den Kürzeren ziehen, sowohl Citroën CX als auch Volvo 265 und Ford Granada boten mehr Kofferraum. Allerdings verströmte keines dieser Fahrzeuge eine derart luxuriöse Note wie der Mercedes, wo auch der letzte Quadratzentimeter noch durch hochwertigen Teppichboden, Vinyl oder Stoff verkleidet war.


Mercedes-Benz 250 T (1979) - einzeln umklappbare Sitze hinten kosteten Aufpreis
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Besonders brillieren konnte der Mercedes durch seinen Fahrkomfort und seine durchdachte Ausstattung. Auch war seine Karosserie deutlich steifer als andere Kombis.

Ausserordentlich sparsam war er allerdings nicht, 17,2 Liter Super liefen bei Testfahrten durch den Solex-Vergaser. Dafür war der 250 T mit 187,5 km/h im AMS-Test einer der schnellsten Fünftürer. Mit 12,1 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h (leer) und 14,7 Sekunden (beladen) bewegte sich die Fahrdynamik auf dem Niveau der Konkurrenz (Citroën CX 2400 Break, Ford Granada 2,8 GL Turnier, Volvo 265 GL).

Bemängelt wurde allerdings, dass das Umklappen der Sitzlehnen hinten beim Mercedes deutlich mehr Zeit, sprich 15 Sekunden, dauere als bei Citroën oder Ford (5 Sekunden). Und gleichzeitig sei die Lehne, wenn hochgeklappt, zu steil und nicht so bequem gepolstert wie bei der Konkurrenz.

T wie Teuer?

Am meisten kritisiert am Mercedes-Benz wurde aber der Preis, die ADAC Motorwelt übertitelte sogar ihren Test mit der Frage, ob das “T” nicht eher für “Teuer” stehe. Zwar waren Niveauregulierung, Heckscheibenwischer und einige andere Ausstattungselemente serienmässig, aber dafür kostete der Kombi locker vier Tausender mehr als die gleich motorisierte Limousine.


Mercedes-Benz 250 T (1977) - zusammen mit Limousine und Coupé der Baureihe W 123
Copyright / Fotograf: Daimler AG

Mit DM 29’753 (CHF 33’700) war der edle Stern aus Bremen im Jahr 1979 auch deutlich teurer als der Citroën (DM 23’590), oder der Ford Granada (DM 23’552). Nur gerade der Volvo war noch ein wenig teurer in Deutschland, unterbot den Mercedes in der Schweiz aber locker um 4000 Franken.


Mercedes-Benz 250 T (1978) - Werbung zweisprachig - vielseitig
Archiv Automobil Revue

Doch schliesslich hatte Mercedes mit der T-Reihe nicht den knapp kalkulierenden Handwerker, sondern den Freizeit-Segler, -Angler oder -Jäger im Visier. Angepeilt wurden erfolgreiche Geschäftsleute, die am Morgen ins Büro und am Nachmittag auf den Golfplatz fahren wollten. “Die vielseitigste Art, Mercedes zu fahren”, texteten die Marketing-Strategen.

Modern geblieben

“Englisch-Rot” ist der jung gebliebene Kombi, der zur Probefahrt einlädt. Die 152’000 km Laufleistung sieht man ihm kaum an. Da zeigen sich die Früchte der Detailverliebtheit und Qualitätsorientierung der Stuttgarter Ingenieure. Und man beginnt auch die Taxifahrer zu verstehen, die damals bei der Ablösung der Baureihe 123 durch den Nachfolger 124 auf die Strasse gingen, um für den Fortbestand der ausgereiften Limousine zu demonstrieren.

Die Farbe wirkt heute ziemlich unorthodox und fast schon ein wenig mutig. Im Innern begrüssen uns Stoffpolster und orange-braune Teppiche, die gemäss damaligen Testberichten an die Interieurgestaltung im öffentlichen Verkehr erinnern. Vor dem Fahrer sitzt ein ziemlich grosses Lenkrad, das auf Leder verzichten muss. Doch auch so ist es ziemlich griffsympathisch und sowieso halten sich die Lenkkräfte dank Servounterstützung in Rahmen.


Mercedes-Benz 250 T (1979) - freundliches Interieur
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Gestartet wird natürlich durch Schlüsseldreh, an einen Choke muss man dabei nicht denken. Einen Drehzahlmesser gibt es nicht, dafür einen riesigen Tacho (bis 200 km/h), eine kaum kleinere Uhr und eine mehrteilige Anzeige mit Benzinstand, Wassertemperatur und Öldruck.


Mercedes-Benz 250 T (1979) - Tacho bis 200 km/h
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Wir legen den ersten von vier Vorwärtsgängen ein und kuppeln ein. Behände zieht der Mercedes los, in kurzer Zeit sind drei Gangwechsel erfolgt und wir fahren mit 80 km/h dahin. Komfortabel rollt der Kombi auf seine vier grossen Rädern ab, der Motor lässt sein melodiöses Reihensechszylinder-Lied erklingen. Wer andere Mercedes-Benz der Siebziger- und Achtzigerjahre gefahren ist, wird sich sofort wohlfühlen. Die Lenkung ist genügend direkt, die Bremsen packen genau richtig zu.


Mercedes-Benz 250 T (1979) - heute ein vergleichsweise kompaktes Auto
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Und praktisch ist der noch heute. Wenn die Sitze umgeklappt sind, steht viel Stauraum zur Verfügung. Wenn man nicht bis ins Dach hinauf zulädt, bleibt der Mercedes übersichtlich bis zur hintersten Ecke. Man könnte ihn eigentlich jeden Tag fahren, doch gut erhaltene S123 sind heute gesuchte Sammlerfahrzeuge, die geschont und gehätschelt werden. Darum nimmt der Bestand hoffentlich auch kaum mehr ab und die Preise bleiben einigermassen bezahlbar.

Rarität

Nur gerade 7704 Mercedes-Benz 250 T wurden zwischen 1978 und 1982 gebaut, vielen war der kleine Sechszylinder zu teuer, der Vierzylinder 230 T oder 200 T die bessere Alternative. Oder er war nicht leistungsstark genug und der 280 TE wurde ihm vorgezogen. So blieb der Vergaser-Sechszylinder schon damals selten, bis heute dürfte die Population noch deutlich stärker geschrumpft sein.


Mercedes-Benz 250 T (1979) - einfach zu beladen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Dabei bietet er heute Gewähr, auch ohne komplexe Elektronik-Testgeräte am Leben zu bleiben und gleichzeitig spritzig genug zu sein, um auch im modernen Strassenverkehr nicht zum Verkehrshindernis zu werden. Verbunden mit einem angenehmen Motorgeräusch und akzeptablen Trinksitten ist der 250 T immer noch das, was er schon damals war, ein gelungener Kompromiss, für den man gerne etwas mehr Geld ausgibt.

Wir danken classic-autos.ch für die Gelegenheit, den Mercedes-Benz 250 T von 1979 fotografieren zu können.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von sc******
09.12.2019 (16:16)
Antworten
Jeder soll fahren was er will aber sich als Citroën - Eigner über Rostprobleme aus zu lassen finde ich voll daneben. Mit Sicherheit werden die meisten Oldtimer gekauft weil Erinnerungen an früher eine große Rolle spielen. Meine Autos sind ein Audi 100 Gl Typ C1 und ein T-Modell Typ W123. An beiden hängen alte Erinnerungen.
von 4d******
08.05.2018 (12:57)
Antworten
Keine Frage;der W 123 Kombi war ein tolles Auto,er soll auch nicht schlechtgeredet werden,aber der Vater der Lifestyle Kombis ist er nicht.
Die Engländer und die Amis hatte Jahre zuvor bereits diese Fahrzeuge im Angobot.
Aus deutscher Sicht waren auch der Opel Ascona Voyage Vorreiter.
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