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Lancia Thema 8.32 - der rasante Maranello-Turin-Hybrid

Erstellt am 22. April 2015
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
36
Chrysler-Fiat Group (Lancia) 
9
Archiv 
2
Lancia Thema 8.32 (1989) - Understatement pur
Lancia Thema 8.32 (1989) - der gelbe Zierstreifen markiert ihn als teuersten Thema seiner Zeit
Lancia Thema 8.32 (1989) - so fuhr der Spitzenmanager von damals
Lancia Thema 8.32 (1989) - über 200 PS und Frontantrieb, das war damals durchaus eine Ansage
Lancia Thema 8.32 (1989) - am ausgefahrenen Heckflügel erkennt man die schnelle Variante auch
Lancia Thema 8.32 (1989) - der Fahrspass ist gross
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Möglichkeiten, eine Limousine durch Einpflanzung eines Sportwagenmotors zum super-schnellen und trotzdem komfortablen Fortbewegungswerkzeug zu konvertieren, hätte es eigentlich genügend gegeben. Der Motor eines Porsche 928 hätte wohl unter die Haube einer Mercedes-Limousine gepasst, den Lamborghini-V12 hätte man vielleicht auch im Audi-Bug unterbringen können und ein Aston-Martin-Motor hätte auch einen Rover antreiben können.

Bild Lancia Thema 8.32 (1989) - Giugiaro schuf eine elegante Limousine
Lancia Thema 8.32 (1989) - Giugiaro schuf eine elegante Limousine

Doch es gibt kaum Beispiele von Limousinen mit Sportwagen-Motoren anderer Marken, eine Ausnahme ist der Lancia Thema 8.32, der dank verwandtschaftlichen Verhältnissen im Fiat-Konzern entstanden ist.

Ein Plattform-Auto

Der Lancia Thema war der erste von vier Limousinen, basierend auf der durch die Hersteller Lancia, Fiat, Alfa Romeo und Saab gemeinsam entwickelte Limousinen-Plattform “Tipo 4”. Mit dem Thema brachte Lancia eine Oberklassen-Limousine, die gleichzeitig den Beta und den Gamma ersetzen konnte und zu einem bis 1995 in drei Serien gebauten Erfolgsmodell für den Turiner Hersteller wurde.

Bild Lancia Thema (1988) - ein 2.8 V6 i.e. der zweiten Serie
Lancia Thema (1988) - ein 2.8 V6 i.e. der zweiten Serie

Den Lancia Thema gab es mit dem von Fiat übernommenen Vierzylinder aus dem Modell 124, der aber stetig verbessert wurde.  Mit einem Turbo ergänzt leistete der Motor stattliche 165 und später sogar bis zu 201 PS, an Leistung mangelte es der italienische Limousine also genausowenig wie an Laufkultur, welche zumindest die ebenfalls angebotenen V6-Motoren zu bieten wussten. Auch das Design überzeugte mit Eleganz, Meister Giorgetto Giugiaro verantwortete die Linienführung der klassischen Dreivolumenlimousine.

Eine Marketing-Idee

Am Turiner Autosalon im April 1986 präsentierte Lancia die Variante 8.32. Die sperrige Bezeichnung - lieber hätte man den Wagen wohl Lancia-Ferrari Thema genannt, aber der Commendatore war dagegen - deutete auf das neue Triebwerk hin, das aus dem Ferrari 308 GTB Quattrovalvole stammte und 2927 cm3 Hubraum und 32 Ventile aufwies.

Bild Lancia Thema 8.32 (1989) - der Ferrari-V8 ist quer eingebaut
Lancia Thema 8.32 (1989) - der Ferrari-V8 ist quer eingebaut

Vor der Transplantation hatte man allerdings intensiv in die Motormechanik eingegriffen und der V8-Motor mit vier obenliegenden Nockenwellen arbeitete mit einer geänderten Kurbelwelle und einer modifzierten Zündfolge, die das Aggregat turbinenartiger und weniger aggressiv klingen liess, womit es für den Limousineneinsatz tauglicher wurde, während der Motor im Ferrari wie ein doppelter Vierzylinder lief. Die Leistungsausbeute betrug 215 PS bei 6750 Umdrehungen bei einem höchsten Drehmoment von 285 Nm bei 4500 U/min. So ganz abgelegt hatte der Motor seine Sportorientierung also trotz der Anpassungen nicht.

Die Kraft wurde über ein Fünfganggetriebe an die Vorderachse übertragen. Alleine wegen der Leistungssteigerung wäre der neue Motor sicher nicht nötig gewesen, hier ging es um Prestige.

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Nobel ausgestattet

Dies zeigte sich auch an der Ausstattung, die sichtlich nobel und luxuriös daher kam. Mollige Teppiche, viel Leder und Edelholz verströmten Wohnzimmer-Atmosphäre. Eine vollautomatisch regelnde Klimaanlage war (teilweise gegen Aufpreis) genauso vorhanden wie die elektrische Sitzverstellung, Fensterheber, Sitzheizung oder ein umfangreiches Überwachungsinstrumente-Inventar. Ein elektronisches Fahrwerk oder ein elektrisches Schiebedach konnten ebenfalls bestellt werden.

Bild Lancia Thema 8.32 (1989) - Leder und Wurzelholz im Cockpit
Lancia Thema 8.32 (1989) - Leder und Wurzelholz im Cockpit

Eine serienmässige Besonderheit war der elektrisch ausfahrende Heckspoiler, der mittels Drehschalter am Lenkrad rechts aktiviert wird und die Kofferraumgrösse von nun 470 Litern leicht reduzierte.

Bild Lancia Thema 8.32 (1989) - der motorisch ausfahrende Heckspoiler
Lancia Thema 8.32 (1989) - der motorisch ausfahrende Heckspoiler

Ein Erkennungszeichen der Spitzen-Limousine waren im Übrigen die von Hand aufgemalten Zierstreifen sowie Kühlergrill und Räder, die in Anlehnung an Ferrari konzipiert wurden.

Schnell, aber nicht superschnell

1455 kg brachte die von der Automobil Revue im Jahr 1988 getestete Limousine mit Katalysator und daher auf 205 PS reduzierte Leistung auf die Waage. Der Spurt von 0 auf 100 km/h gelang damit in 7,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 232 km/h. Dies war schnell, aber nicht überragend. Die Turbo-Variante des Thema liess sich damit jedenfalls nicht abhängen. Etwas besser im Futter zeigte sich die ECE-Version mit 215 PS, die bei optimalen Verhältnissen nur 6,7 Sekunden für den Standard-Sprint auf 100 km/h benötigte und noch etwas schneller lief.

Bild Lancia Thema 8.32 (1989) - natürlich untersteuert die frontangetriebene Limousine, dies dient der Fahrsicherheit
Lancia Thema 8.32 (1989) - natürlich untersteuert die frontangetriebene Limousine, dies dient der Fahrsicherheit
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Opernarien aus dem Motorraum

Die reinen Fahrleistungen überzeugten allfällige Probefahrer also nicht unbedingt, der Klang hingegen schon. Die Automobil Revue beschrieb die akkustischen Fähigkeiten nach einer Testfahrt im Jahr 1986: “Das aus dem Ferrari-Mittelmotor-Sportwagen stammende Triebwert weiss nämlich mit ‘Melodien’ zu begeistern, die echte Autoliebhaber als wahre Musik empfinden. Im unteren Drehzahlbereich schnurrt die Dreilitermaschine unter leichter Last kaum hörbar, tritt man jedoch das Gaspedal durch, entwickelt sich ein Grollen, das ab etwa 3500 Touren zusätzlich Gesellschaft durch ein hochfrequentes, an eine Kreissäge erinnerndes Singen erhält; oberhalb 5000 U/min verrät das bellende Staccato unzweifelhaft die Edelmaschine aus Maranello.”

Ganz perfekt war die Sportlimousine allerdings nicht, der Frontantrieb und das hohe Gewicht auf der Vorderachse schränkten die Handlichkeit etwas ein, die unbändige Kraft zerrte an der Lenkung und liess sich vor allem bei glitschigen Strassenoberflächen nicht immer in Vortrieb umsetzen.

Wertvoll

72’600 DM (ECE-Ausführung 1987) oder 69’100 Franken (Katalysator-Ausführung 1988) musste investieren, wer zu den 3537 Thema-8.32-Besitzern gehören wollte, die sich zwischen 1986 und 1992 für die teuerste Möglichkeit entschieden, Lancia zu fahren.

Als ihre beste Investition würden sie den Wagen wohl nicht bezeichnet haben, denn trotz der Nähe zu Ferrari blieben die Preise lange sehr niedrig und stiegen erst in den letzten Jahren wieder spürbar an. Für Käufer ist das gut, doch sollten sie sich bewusst sein, dass Eingriffe in die teure Technik zünftig ins Geld gehen kann, denn nicht nur werden die Komponenten des Motors fast mit Golf aufgewogen, sie sind im prall gefüllten Motorraum auch vielfach schlecht erreichbar.

Bild Lancia Thema 8.32 (1989) - ein gelber Streifen und besondere Alufelgen kennzeichnen das noble Modell
Lancia Thema 8.32 (1989) - ein gelber Streifen und besondere Alufelgen kennzeichnen das noble Modell

Freude beim Fahren

An Wartungskosten denkt man am Steuer des Lancia Thema 8.32 heute allerdings kaum, dazu macht er einfach viel zu viel Freude. Er benimmt sich überraschend handzahm und wer je den Vergleich mit dem Ferrari 308 GTB machen konnte, ist überrascht über die gänzlich andere Tonkultur des 32-Ventilers, der vor allem im unteren Drehzahlbereich mehr an die V8-Motoren aus Bayern als an jene aus Maranello erinnert.

Das Interieur fühlt sich bequem an und eigentlich möchte man gerne im Heck Platz nehmen, wo einst auch Enzo Ferrari in seinen letzten Tagen sass, um die Soundanlage mit den einzeln regelbaren Kopfhörern zu testen. Doch vorne macht der Lancia einfach mehr Spass, und man geniesst die überlegenen Fahrleistungen, die mühelose Bedienung und die gute Rundumsicht. Alleine die Anzeigen-Vielfalt macht ein wenig ratlos und die Entscheidung, ob man nun den etwas protzigen, aber eigentlich weitgehend nutzlosen Heckflügel elektrisch ausfahren soll oder ihn bescheiden im Kofferraum ruhen lässt, nimmt einem niemand, auch keine Automatik, ab.

Der hier vorgestellte Lancia Thema 8.32 wird am Samstag, den 25. April 2015 von der Oldtimer Galerie in Toffen versteigert und stellt mit seinem tiefen Kilometerstand sicher eine ganz besondere Gelegenheit dar.

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Lancia Thema 8.32 (1989) - am ausgefahrenen Heckflügel erkennt man die schnelle Variante auch
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Quelle:
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von fu******
24.03.2020 (16:45)
Antworten
Ich hatte den Thema 8.32(mein 3.und letztes Fahrzeug der Marke Lancia) als Alltags und Familienauto und viel Freude am fahren aber die Wartungs und Unterhaltskosten waren exorbitant so dass ich dann für einen Spottpreis beim Kauf eines BMW M 3 E 36 in Zahlung gab.....Habe den Kauf aber nie bereut,den Verkauf inzwischen schon eher.
von we******
15.01.2019 (07:48)
Antworten
Ich hatte von 1989 bis 1995 einen Thema 8.32, Farbe innen und aussen wie der abgebildete, Kilometerstand am Schluss 95'000. Die regelmässig anfallenden Services inkl. Zahnriemenwechsel gehörten in die oberste Preisklasse und haben trotzdem den Garagisten nicht reich gemacht.
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