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Bild (1/1): Bentley Empress II (1991) - schräg gestellte Frontscheinwerfer (© Robin Adams - Courtesy RM/Sotheby's, 2018)
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    Bentley Turbo RL Empress II - das rare Edelcoupé von Hooper

    30. November 2018
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Robin Adams - Courtesy RM/Sotheby's 
    (27)
    Bentley Media 
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    Rolls-Royce Heritage / Rolls-Royce Pressedienst 
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    In den Fünfziger, spätestens aber in den Sechzigerjahren gingen die goldenen Jahre das handwerklichen Karosseriebaus ihrem Ende entgegen. Eine Firma nach der anderen verabschiedete sich, oder konzentrierte sich auf Unfallreparaturen, Restaurierungen oder den Nutzfahrzeugumbau. Umso erstaunter durfte man in den Achtzigerjahren sein, dass die britische Firma Hooper auf den Autosalons der Welt gross auftrat und neue Kreationen präsentierte.

    Bentley Empress II (1991) - Eleganz auf den zweiten Blick
    © Copyright / Fotograf: Robin Adams - Courtesy RM/Sotheby's

    Ein fast zweihundertjährige Geschichte

    Bereits 1807 wurde die Firma Hooper gegründet, 1904 wurde erstmals ein Auto eingekleidet, ein Daimler für den König Eduard VII. 1909 wurde dann die Zusammenarbeit mit Rolls-Royce vereinbart.

    Ein “show room” war an der mondänen St. James Street in London eingerichtet worden und Monarchen aller Welt liessen sich von Hooper Autos schneidern.

    Rolls-Royce Silver Ghost 40/50 HP (1915) - mit Karosserie von Hooper
    © Copyright / Fotograf: Rolls-Royce Heritage / Rolls-Royce Pressedienst

    Während des zweiten Weltkriegs ging die Karosseriefirma in den Besitz der BSA-Gruppe über, die ihrerseits wiederum Daimler als Autofirma ihr Eigen nannte. Die Zusammenarbeit mit Rolls-Royce blieb aber bestehen und man hatte bei Hooper eine eigenständige Bauweise mit Ganzmetallstruktur und Aluminiumteilen entwickelt.

    Bentley Mark VI 2-Door Saloon Mark VI, Hooper & Co. Ltd (1952) - mit besonders geformtem kantigem Dachaufbau
    © Zwischengas Archiv

    Die neuen, oftmals aufsehenerregenden Karosserieentwürfe in Limousinen- oder Coupé-Form wurden gerne an der London Auto Show präsentiert.
    Während die BSA-Gruppe in finanzielle Nöte kam und Daimler an Jaguar verkauft wurde, überlebte Hooper die Wirren der Zeit und wurde schliesslich zur offiziellen Rolls-Royce- und Bentley-Verkaufs- und Serviceniederlassung.

    Rolls-Royce Camargue (1983) - mit zusätzlichem Schliff der Karosseriefirma Hooper - am Genfer Automobilsalon von 1983
    © Archiv Automobil Revue

    Es war viele Jahre ruhig um die britische Firma, ab den Achtzigerjahren aber stellte Hooper wieder am Genfer Autosalon aus, zur Überraschung vieler Beobachter. Gezeigt wurde ein blaues Rolls-Royce Coupé, das es so vom Hersteller nicht gab.

    Nur noch Bentley und Rolls-Royce

    In den Achtzigerjahren konzentrierten sich die Karosseriebauer von Hooper komplett auf Rolls-Royce- und Bentley-Modelle. Zum zweitürige Silver Spirit von 1985 gesellten sich über die nächsten Jahre eine zweitürige Bentley-Turbo-R-Version, der Empress II und die Emperor State Limousine, die 1990 in Genf gezeigt wurde.

    Rolls-Royce Hooper State Limousine (1986) - velrängerter Rolls für über eine halbe Million Schweizer Franken - Genfer Autosalon 1986
    © Archiv Automobil Revue

    Der Empress II erhielt diesen Namen, weil es bereits in den Fünfzigerjahre einen Empress von Hooper gegeben hatte, damals allerdings auf Daimler-Basis.

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    Der lange Turbo R als Basis

    Der 1987 in Genf präsentierte Empress II hatte den Bentley Turbo RL als Basis. Der Bentley Turbo war im Prinzip das Parallelmodell zum Rolls-Royce Silver Spirit und wurde bereits 1982 als Mulsanne Turbo erstmals vorgestellt und mutierte dann 1985 zum Turbo R mit Einspritzung und besserer Strassenlage (“R” für Roadholding).

    Bentley Turbo R (1996) - dynamische Eleganz
    © Zwischengas Archiv

    Rund 330 PS bei 4400 Umdrehungen wurden der leer über 2,2 Tonnen schweren Limousine attestiert, genug für sportwagenmässige Fahrleistungen (6,9 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h, 238 km/h Spitze gemäss AR-Test von 1987).

    Wunder an Sparsamkeit konnten trotz moderner Einspritztechnik aber nicht erwartet werden, im Schnitt genehmigte sich der  5,27 Meter lange und 1,89 Meter breite Bentley gut 20 Liter pro 100 km, gemütlich gefahren durften es auch nur 17 Liter. sein. CHF 223’400 kostete ein Bentley Turbo R im Jahr 1987, DM 291’669 waren es im Jahr 1991 in Deutschland.

    Flüster-Turbo

    Götz Leyrer setzte sich für die Zeitschrift Auto Motor und Sport im Jahr 1991 hinter das Lenkrad des Bentley Turbo R und lobte das grosszügige Raumangebot, das gepflegte Interieur und die sehr reichhaltige Ausstattung. Auch die überdurchschnittliche Laufkultur des V8-Turbo-Motors fiel ihm auf, genauso wie die weich schaltende Dreigangautomatik. Selbst die Fahreigenschaften gaben wenig Anlass zu Kritik, einzig der nicht ganz befriedigende Abrollkomfort, der den fast supersportwagenmässigen Breitreifen der Dimension 225/65 R 15 V anzulassen war, führte zu einem negativen Kommentar.

    “Testberichte normaler Autos schließen gern mit einer Betrachtung des gebotenen Preis-/Leistungsverhältnisses - das scheint sich hier angescihts der ziemlich atemberaubenden Preise des Hauses Rolls-Royce zu verbieten. Doch die knapp 300’000 Mark, die der Turbo R kostet, stören die Kundschaft noch am wenigsten. Stein des Anstoßes ist viel eher die Lieferzeit von deutlich über einem Jahr”, schrieb Leyrer am Schluss seines Testberichts.

    An der Nachfrage haperte es also nicht, aber preislich ging es noch deutlich teurer.

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    Das teuerste Auto der Welt

    Für satte £ 275’000 (umgerechnet damals CHF 660’000) stand der von Hooper umgebaute Turbo RL (L für Langversion und 10 cm mehr Radstand) 1987 als dunkelblauer Empress II auf dem Genfer Autosalon.

    Bentley Turbo RL Empress II von Hooper - 1987 am Genfer Autosalon (© Automobil Revue Archiv AG)

    Der eindrückliche Wagen fiel nicht nur wegen des Preises, sondern auch wegen seiner Formgebung der Aluminiumkarosserie auf. Die Automobil Revue widmete ihm einen längere Beschreibung in der Salon-Berichterstattung:

    “In einen ziemlich anderen Bereich führte uns die auf dem Genfer Salon erneut traditionelle britische Karosseriebaukunst vorführende Firma Hooper & Co. (Coachbuilders) Ltd (Ciabon Works., Kimberley Road. London NW6 7SH). Bei Hooper wandelt man serienmässig Rolls-Royce und Bentley zu formvollendeten Coupés. Bei dem in Genf erstmals gezeigten (in der «AR» schon vor über einem Jahr angekündigten) Empress II handelt es sich allerdings um ein Coupé der Superlative. Empress II hatten schon die in der ersten Hälfte der Fünfzigerjahre bei Hooper karossierten, in eigenwilligem scharfkantigem Stil gehaltenen Luxus-Daimler geheissen.

    Die Basis für den neuen Empress II – der im laufenden Jahr nur in drei Exemplaren entstehen soll – liefert der viertürige Bentley Turbo R. Die Besonderheit besteht in dem auf gekonnte Weise schräggestellten traditionellen Bentley-Kühler; auch die anderen Karosserieteile erhielten einen Hauch von Aerodynamik, die jedoch geschickt mit dem hochtraditionellen Bentley-Stil vereinbart wurde. Zur Luxusausstattung zählen nicht nur viel Leder und Edel- holz sowie spezielles Cordgewebe, sondern auch eine Supermusikanlage, eine Bar («einschliesslich Kristallgläser der Marke Waterford, Karaffe und Eisbehälter») und vor allem vier elektronisch einstellbare Sitze.

    Wohl nicht zu Unrecht bezeichnet Hooper den Empress II mit einem Preis von 275’000 Pfund Sterling (gut Fr. 660’000.-) als «das teuerste Fahrzeug, das jemals für den Privatgebrauch konstruiert wurde».”

    Nachzutragen wäre, dass sie Basisausführung des Bentley Turbo RL damals CHF 257’500 kostete (Stand 1987), die Spezialausführung von Hooper also deutlich mehr als das Doppelte.

    Mit allem Komfort

    Für das viele Geld erhielt der Kunden auf jeden Fall Exklusivität, aber auch sehr viel Individualität geboten. Speichenräder, Dachluken, ein grafischer Equalizer für die Alpine-Stereoanlage mit 12 Lautsprechern und CD-Wechsler, ein besonderes Sportlenkrad, all dies und viel mehr gehörte dazu. Und alles war von der rund 70 Personen grossen Hooper-Crew zusammengebaut worden.

    Bentley Empress II (1991) - Cockpit im typischen Bentley-Stil
    © Copyright / Fotograf: Robin Adams - Courtesy RM/Sotheby's

    Sechs Spezialisten davon befassten sich nur mit der Holzbearbeitung, sechs mit Lederausstattungen und weitere sechs mit der Farbspritzpistole. Dazu kamen je acht Karosseriespengler und Automechaniker, sowie zwei Monteure und vier HIlfskräfte.

    Auf die Abteilung “Holzbearbeitung” war man bei Hooper besonders stolz, wie Roger Gloor nach einem Besuch im Jahr 1986 zu berichten wusste, als er zusehen konnte, wie die Klapptischen und Armaturenbretter veredelt wurden: “Präzisionsarbeit wird ebenso Nussbaumwurzelholz verwendet, wie für die Hooper-eigenen Armaturenbretter. Auch bei diesen geht man einen Schritt weiter als bei Rolls-Royce selbst. Die Löcher für die Anzeigeinstrumente sind nicht bloss ausgeschnitten, sie weisen zusätzlich Randvertiefungen auf.”

    Bentley Empress II (1991) - herunterklappbare Tischchen wie schon in den Fünfzigerjahren
    © Copyright / Fotograf: Robin Adams - Courtesy RM/Sotheby's

    Es war also viel Handarbeit nötig, bis ein fast 5,4 Meter langer Empress II fertiggestellt war. Dies galt sicher auch für das rot-lackierte Coupé, das für diesen Artikel Modell stand. Dabei handelt es sich um das viertgebaute Exemplar überhaupt und um einen der insgesamt zwei gebauten Linkslenker.

    Bentley Empress II (1991) - eigenständige Coupé-Karosserie
    © Copyright / Fotograf: Robin Adams - Courtesy RM/Sotheby's

    Der Wagen wurde anfangs der Neunzigerjahre in der Werbung von Hooper gezeigt, bevor einer der Investoren in die Firma das Coupé nach Los Angeles mitnahm. Bis heute hat der Wagen nur gerade 7228 Meilen zurückgelegt, befindet sich also eigentlich fast im Neuwagenzustand.

    Eine Rarität geblieben

    Man kann sich vorstellen, dass es nicht ganz einfach war, den teuren Empress II zu verkaufen. Auch das Design war sicherlich nicht jedermanns Geschmack, was wohl auch auf die Vermischung traditioneller und moderner Ausstattungselemente galt.

    Bentley Empress II (1991) - Heckansicht
    © Copyright / Fotograf: Robin Adams - Courtesy RM/Sotheby's

    Jedenfalls verliessen bis anfangs der Neunzigerjahre nur gerade einmal fünf dieser Coupés den Karosseriebetrieb in London. Nur noch ein weiteres Exemplar wurde also nach dem roten Zweitürer gebaut. Dann war Schluss.

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    Und Hooper?

    Die Firma Hooper gibt es weiterhin als Rolls-Royce- und Bentley-Partner, aber Neuwagen werden keine mehr karossiert. Dafür werden Service- und Unterhaltsarbeiten angeboten und ältere Rolls-Royce-/Bentley-Modelle zu Cabriolets im Mulliner-Stil umgebaut. Das Kapitel “Neuwagen-Karosseriebau” ging also in den Neunzigerjahre endgültig zu Ende.

    Bentley Empress II (1991) - ein Karosseriebauer mit Tradition
    © Copyright / Fotograf: Robin Adams - Courtesy RM/Sotheby's

    Der hier portraitiert rote Bentley Turbo RL Empress II von 1991 wird von RM/Sotheby’s an der Arizona-Verteigerung im Januar 2019 ohne Mindestpreis angeboten. Ein Schätzwert wird erst später bekanntgegeben.

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    ···
     
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    ar******:
    01.12.2018 (12:57)
    Danke für den schönen Artikel zu diesem herrlichen Autoirrsinn der güldenen achtziger Jahre. Eigentlich war das ein fast schon billiges Auto, man muss es nur in der richtigen Relation sehen:

    Sechs Autos gebaut, das war mal wirklich exklusiv und das für ganze 660.000 Fränkli. Heute ist der Inbegriff des exklusiven Automobils der Bugatti Chiron.
    Kostet über 3 Millionen Franken, bei einer Produktion von 500 Exemplaren. Das ist eine um 8.333% höhere Produktion bei einem um 454% höheren Preis! Und dann hat der Bugatti noch nicht mal Klapptischchen. Pööhh, da nehme ich doch den Hooper!
    rr******:
    04.12.2018 (19:06)
    Der fuer Januar 2019 zur Auktion gehende rote Empress II ist von der wahnsinningen Calumet Collection in San Marcos CA. Diese tolle private Auto Collection wird leider aufgeloest.
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