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Bild (1/4): Morris Minor 1000 Tourer (1969) - das Verdeck schützt, es isoliert aber nur unwesentlich (© Daniel Reinhard, 2012)
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    Morris Minor 1000 Tourer - britischer Volkswagen mit Sympathiebonus

    28. Oktober 2012
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
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    Die Strecke von Basel nach Engelberg ist rund 130 km lang. Mit einem modernen Personenwagen schafft man die Distanz heutzutage in rund einer Stunde und 40 Minuten. Anfangs der Fünfzigerjahre aber war diese Fahrt eine Tagesreise, es gab weder Autobahnen noch Schnellstrassen, unzählige Dörfer mussten durchfahren und etliche Steigungen bezwungen werden.

    Der kleine Morris Minor der Familie Gubser hielt sich wacker, doch schon am Hauenstein musste eine Pause eingelegt werden, um den durch den Anstieg und die umfangreiche Besatzung belasteten und heiss gewordenen Minor abzukühlen. Vorne links sass der Vater, rechts daneben die Mutter mit dem Dampfkochtopf auf dem Schoss. Hinten sass Klein-Hans-Ueli mit seinen zwei Geschwistern und einem Au-Pair-Mädchen.

    Die Fahrt im Morris Minor muss einen grossen Eindruck auf den Knaben gemacht haben, denn im Mannesalter kaufte er sich nicht nur einen, sondern gleich mehrere Morris Minor und seine Liebe zum englischen Automobil dauert bis heute an.

    Probefahrt im Werk

    Als Hans-Ueli Gubser im Jahr 1968 ein neues Morris Minor Cabriolet bestellen wollte, war dieses zwar noch auf der Preisliste verzeichnet, ein Fahrzeug für eine Probefahrt aber war nirgends in der Schweiz mehr aufzutreiben. Das Werk aber verfügte noch über Demonstrations-Fahrzeuge und so machte sich Gubser auf nach England. Vom Flughafen wurde er mit einer noblen Daimler-Limousine abgeholt und auch die Fahrversuche endeten zur vollen Zufriedenheit.

    Der Wagen wurde mit Linkslenkung, Liegesitzen und in der Farbe Blau bestellt, die Rechnung vom 7. Januar 1969 lautete auf CHF 6’450 abzüglich Barzahlungsrabatt. Das war etwas weniger, als ein VW Käfer 1300 gekostet hätte, aber etwas mehr, als die Summe, die man für einen modernen Mini auslegen musste.

    Wie es sich herausstellte, handelt es sich beim blauen Minor um den letzten offiziell in die Schweiz eingeführten Morris Minor.

    Der Anfang - vom Mosquito zum Minor

    Begonnen hat die lange Karriere des Morris Minor schon viel früher, nämlich in den Kriegsjahren. Alec Issigonis stellte zusammen mit Reg Job und Jack Daniels am 1. Dezember 1943 den ersten Prototyp auf die Räder. Die zweitürige Limousine war schwarz und wies bereits die Konstruktionsmerkmale auf, die auch die spätere Serienversion erfolgreich machten: Frontmotor, Einzelradaufhängung vorne, Hinterradantrieb, selbsttragende Karosserie. Getauft war der Prototyp auf den Namen “Mosquito” worden.

    Gegen viel internen Widerstand schafften es Issigonis und sein Team, den Prototypen zum produktionsfähigen Fahrzeug zu entwickeln, welche man nun traditionsbewusst “Morris Minor” nannte. Die Präsentation war für die Earls Court Motor Show in London am 28. September 1948 geplant.

    Zu schmal geraten?

    Kurz vor Produktionsbeginn liess Alec Issigonis den Minor um 4 Zoll (10 cm) verbreitern, was dem Wagen zu einer breiteren Statur, besseren Fahreigenschaften und vor allem mehr Innenraum verhalf.

    Die Form, die amerikanischen Fahrzeugen der Zeit nachempfunden war, litt unter der Modifikation nicht, das Dach wies nun einfach einen flachen Übergang aus, die Fronthaube einen Mittelsteg. Insgesamt wirkte der Wagen sympathisch und seine rundliche Form gefiel.

    Moderne Konstruktion

    Technisch war der Neuankömmling auf der Höhe der Zeit. Seine selbsttragende Karosserie überzeugte durch Steifheit und hielt das Wagengewicht (rund 750 kg) tief. Die einzeln aufgehängten Vorderräder und die für die damalige Zeit revolutionären 14-Zoll-Räder sorgten für hervorragende Fahreigenschaften bei gleichzeitig gutem Komfort, der kleine Motor mit 918,6 cm3 Hubraum war für einen günstigen Benzinverbrauch verantwortlich und die Platzverhältnisse im Innen waren vor allem in Anbetracht der bescheidenen Aussenmasse (374,6 x 152,4 cm) opulent.

    Zudem war die Zahnstangenlenkung war ein innovativer Lösungsansatz, dessen sich zu jener Zeit noch nicht einmal teure Sportwagen bedienten.

    Begeisterter Empfang

    Der neue Kleinwagen aus England wurde auf dem Heimmarkt, aber auch in anderen Ländern begeistert empfangen. Bereits im Jahr 1950 testete die Automobil Revue den 27 PS starken Morris Minor, erreichte damit 97 km/h Höchstgeschwindigkeit und einen günstigen Verbrauch von 6 bis 8 Litern pro 100 km.

    Vor allem das Fahrverhalten, das auch weit teureren und ambitionierten sportlichen Wagen noch einiges vormachen könne, wurde gelobt. Weniger gefiel die straffe Federung und schon bald kam der Wunsch nach mehr Motorleistung auf. Der Langstreckentest schloss mit den Worten: “Zusammenfassend muss der Morris Minor als eine ausserordentlich gut gelungene Konsturktion bezeichnet werden, denn ein normaler Viersitzer mit einem Motor von 918 cm3, der Durchschnittsgeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erlaubt, ist auch im Zeitalter der verbesserten Kleinwagen noch nichts gewöhnliches.”

    Stetige sanfte Verbesserungen

    Zu Beginn war der Minor als zweitürige Limousine oder als ebenfalls zweitüriger Tourer, eine Cabriolet-Limousine erhältlich. Die tiefliegenden Scheinwerfer verschwanden bereits 1950, die grösste Design-Änderung in der gesamten Bauzeit. Der Ausrüstungsumfang, der  zu Beginn mit nur einem Scheibenwischer, Stop- und Schusslicht noch sehr sehr spartanisch gewesen war, vergrösserte sich kontinuierlich. Ab 1950 gab es dann auch eine viertürige Limousine.

    1952 wurde mit dem Minor Serie II der betagte seitengesteuerte Motor durch das modernere Aggregat aus dem Austin A30 ersetzt. Leistungsmässig tat sich damit zwar nicht viel, aber der Fahrkomfort gewann deutlich. 1953 kam der Traveller dazu, ein Stationswagen mit Hecktüre. 1954 präsentierte man in London ein leicht modifiziertes Gesicht.

    Bis 1956 wurde der Series II Minor gebaut, dann erschien ein völlig überarbeiteter Minor 1000 mit grösserem Motor (948 cm3) und nun 37 SAE-PS. Das Temperament des Wagens hatte damit nachhaltig profitiert, 117 km/h lagen jetzt drin.

    Auch als Nutzfahrzeug bewährte sich der Kleinwagen, Van- und Pickup-Versionen empfahlen den Minor auch für Handwerker.

    Millionenfach erfolgreich

    Der Morris Minor 1000 war ein grosser Erfolg. Am 4. Januar 1961 verliess das 1’000’000ste Exemplar das Werk, man hatte eigens ein Sondermodell in Lila mit weisser Lederpolsterung eingeführt und 349 Mal gebaut. Sogar das Markenemblem auf der Haube war entsprechend angepasst worden und lautete auf “Minor 1’000’000” statt “Minor 1000”.

    Der Minor wurde damit zum erfolgreichsten britischen Fahrzeug der Zeit. Ab September 1962 wurde der Motor des Morris 1100 mit 1’098 cm3 Hubraum und 50 SAE-PS eingebaut, endlich hatte der kleine Wagen das Temperament, das ihm aufgrund seines Fahrverhaltens schon immer zugestanden hatte. Sogar Geschwindigkeiten über 120 km/h waren jetzt möglich.

    1964 wurde das Interieur aufgefrischt, jetzt waren sogar Liegesitze erhältlich.

    Nach 23 Jahren kam das Ende

    Mit dem Zusammenschluss der BMC und Leyland stand 1969 eine Modellreihenbereinigung an. Ein Modell nach dem anderen aus der Produktion genommen, zuerst verschwand das Cabriolet (Juni 1969), dann die viertürige Limousine (November 1970), die zweitürige Limousine (Dezember 1970) und schliesslich der Traveller (April 1971). Insgesamt 1’609’955 Exemplare des erfolgreichen Kleinwagens waren gebaut worden, die Exportrate betrug bis 70%.

    Im Erstbesitz

    Jetzt sitzen wir also im blauen Morris Minor Tourer, den Besitzer Gubser im Winter 1969 als Neuwagen in Empfang nahm. Seither hat er rund 346’000 km damit zurückgelegt. Schon nach sechs Jahren waren 120’000 km erreicht, nach weiteren fünf 205’000 km und bereits 1992 war die 300’000-km-Marke überwunden. Der blaue Wagen tat tagein und tagaus seinen Dienst, Skiträger und Schneeketten sicherten auch seine Dienste im Winter. Erst in jüngeren Jahren wurde der Wagen etwas geschont und nur noch gelegentlich benutzt.

    Wie für einen Minor üblich glänzte das kleine Cabriolet weitgehend mit vorbildlicher Zuverlässigkeit. An einige Malheure kann sich Gubser aber dann doch erinnern. So ereilte ihn vor vielen Jahren in Gletsch im Kanton Wallis ein Getriebeschaden. Weil ein Termin in Graubünden anstand und eine kurzfristige Reparatur nicht möglich war, legte Gubser die rund 120 km lange Strecke im ersten Gang zurück. 11 Stunden dauerte die ungemütliche Fahrt, aber der Minor machte nicht schlapp.

    Kleinere Pannen gab es natürlich auch, Zündverteiler, Benzinpumpe und Lichtmaschine mussten irgendwann einmal ersetzt werden. Und bei ungefähr 180’000 km wurde der Motor revidiert.

    Mit Sympathiebonus

    Der Minor bringt Passanten zum Lächeln wie kaum ein anderes Fahrzeug. Die “knuddlige” Form mit den bauchigen Kotflügeln, der geschwungenen Motorhaube und dem rundlichen Heck weckt Sympathien. Und besonders im offenen Tourer - das Dach geht im Nu auf - kommt Freude auf, fehlendes Temperament wird man heute kaum mehr vermissen.

    Gestartet wird mit Zündschlüssel, die Schaltung folgt einem herkömmlichen H-Schema und ist mit Ausnahme des ersten Ganges synchronisiert. Er ist einfach zu fahren, der kleine Flitzer und man sieht Besitzer Gubser seine Routine an, wenn er den Wagen manövriert, beschleunigt und bremst.

    Günstig bis heute

    Noch Jahre nach der Einstellung der Produktion taten die Minor ihren Dienst im Alltag, erst nach und nach wurden sie von den Sammlern entdeckt. Die grosse Produktionsmenge ist für den nur langsamen Anstieg der Preise verantwortlich. Auch heute noch kriegt man gut erhaltene Limousinen für einen vierstelligen Euro-Betrag, respektive für weniger als 14’000 Franken, Cabriolets, Travellers und seltene Baujahre sind entsprechend teurer, so dass ein sehr gut erhaltener Tourer durchaus auch 20’000 Euro oder 25’000 Franken kosten kann.

    Im Unterhalt bereitet der Wagen vor allem technisch wenig Kopfzerbrechen, der grösste Feind des Minors ist der Rost, der in der selbsttragenden Karosserie viele Angriffspunkte findet. Insgesamt ist der Teilenachschub gut organisiert.

    Sogar eine Tuning-Gemeinde hat sich um den Kleinwagen entwickelt. Durch Einbau von anderen BMC-Motoren, Scheibenbremsen und anderen leistungssteigernden Accessoires sollen es Minor-Modelle auch schon einmal mit einem Golf GTI (Stichwort Miller-Minor) aufnehmen können.

    “Der Morris Minor bietet Komfort und alle Vorzüge des grossen Wagens zu den Kosten des Kleinwagens” texteten die Nuffield-Verkäufer im Jahr 1950 und im Prinzip stimmt diese Aussage auch für den Minor-Oldtimer. Man erwirbt sich mit ihm ein selten gewordenes Fahrzeug mit viel Sympathiebonus und erträglichen Kosten, der dazu beim Fahren noch viel Spass macht.

    Wir danken dem Besitzer H. U. Gubser, der uns seinen rüstigen Klassiker im Detail gezeigt und erklärt hat.

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    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    ph******:
    28.11.2017 (07:43)
    Ein interessanter Bericht. Ich fahre einen 68-er Traveller. Das massive Eschenholz sorgt stets für erstaunte und bewundernde Blicke, der Sympathiefaktor ist enorm, und selten ist der Minor auch in dieser Ausführung in der Schweiz.
    fo******:
    15.11.2012 (17:35)
    Zu den "Weiteren Informationen" empfehle ich einen Artikel aus der deutschen "Welt am Sonntag" zum 100. Geburtstag von Alec Issigonis, 2006. Der Autor stellt ihn auf seiner Website als PDF zur Verfügung: http://www.transworteur.de/wamsmorrisminor191106.pdf
    Antwort vom Zwischengas Team (Redaktion)
    15.11.2012 (17:46)
    Vielen Dank für den Hinweis und den direkten Link. Interessant!
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