V8/I6-Hybrid-Treffen 2020 – attraktive Nicht-Vollblüter in der Motorworld Kemptthal

Erstellt am 17. August 2020
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
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Während Kleinserienhersteller wie Ferrari, Aston Martin oder Lamborghini es sich leisten konnten, eigene Motoren zu bauen, mussten weniger gut dotierte Sportwagenbauer mit Fremdaggregaten arbeiten. Dies kostete deutlich weniger als eine eigene Motorenentwicklung und die Risiken waren zudem wesentlich geringer. Und weil die Amerikaner kräftige V8- (und auch Reihen-Sechszylinder-) Motoren bauten und diese auch kleineren Firmen anboten, griffen Bristol, De Tomaso, Facel-Vega, Iso Rivolta, Jensen, Monteverdi oder TVR gerne zu.


V8-Hybride von sieben Marken - Facel Vega, Jensen, De Tomaso, Ghia, Iso Rivolta, Monteverdi und Gordon - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

So entstanden “Halbblüter”, wie es einst eine deutsche Automobil-Zeitschrift nannte, die zwar nicht mit exotischer Technik, dafür aber mit Zuverlässigkeit und niedrigen Wartungskosten punkten konnten. Man hätte auch von Hybrid-Sportwagen und Limousinen sprechen können.

Ein Treffen der Nicht-Vollblüter

Eigentlich lag es nahe, einmal ein Treffen solcher Hybrid-Autos zu organisieren, aber man musste ja auch zuerst auf die Idee kommen. Michi Koch und Felix Kistler vom rührigen Jensen Car Club of Switzerland nahmen sich des Themas an und organisierten das erste Treffen bei Motorworld Kemptthal zwischen Zürich und Winterthur.


Dreimal amerikanischer V8-Sound, drei Markenphiliosphien - Sunbeam Tiger (rechts), Bristol 411 und Facel Vega Facel II - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Trotz Corona-Pandemie meldeten sich viele Hybrid-Besitzer an, und am schönen 15. August 2020 kamen noch mehr als erwartet. Fast die ganze Bandbreite an Fahrzeugen war da, höchstens ein paar Exoten, z.B. ein Bizzarrini, ein Allard, ein Monica oder ein TVR mit Ford-V8-Power fehlten.


Jensen Interceptor verschiedener Jahrgänge und Ausführungen in Reih' und Glied - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Dafür waren andere Hersteller besonders zahlreich vertreten.

Heisse Italiener

Die italienischen Hybrid-Sportwagenbauer vertraten mehrere De Tomaso Pantera, zwei De Tomaso Mangusta, drei Iso Rivolta Lele (von 284 gebauten), ein weiterer Iso Rivola IR 300 und ein Intermeccanica Italia, den man vielleicht eher den Amerikanern zurechnen müsste. 


Iso Rivolta Lele (1971) - einer von 284 produzierten Wagen - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz
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Elegante Briten

Aus englischer Fertigung waren neben fast schon ein wenig dominierenden Jensen, die u.a. von einer Vielzahl an Interceptor, mehreren SP, zwei 541, zwei C-V8 und einem FF vertreten waren, mehrere Bristol (411) und Sunbeam Tiger präsent.


Jensen SP (1972) - zwei der raren SP-Varianten neben einem normalen Intercepor - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Auch zwei AC Cobras, wenn auch neuerer Fertigung hatten sich eingefunden. Leider fehlte ein AC 428 oder auch ein TVR mit Ford-V8-Motor. Dafür gesellten sich andere TVR-Sportwagen mit nicht-amerikanischer Antriebstechnik dazu.

Distinguierte Franzosen

Aus Frankreich stammen die sportlichen GT und Limousinen der Marke Facel-Vega. Selten sieht man derartig viele Coupés und Viertürer dieses Herstellers zusammen, in Kemptthal jedenfalls machten die HK 500, Facel II und Excellence einen grossen Eindruck.


Facel Vega HK 500 (1959) - französisches Auto mit amerikanischer Antriebstechnik - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Sie wurden auch noch von einer Nicht-Hybrid-Facellia begleitet. Facel hatte es ja mit einer eigenen Motorenentwicklung im Vierzylinderbereich versucht und damit auch den Fortbestand der eigenen Firma infragegestellt. Hätte man sich doch mit dem Hybridansatz begnügt!

Der Schweizer Exote

Peter Monteverdi dachte nie daran, einen eigenen Motor zu bauen. Von Anfang an pflanzte er Chrysler-V8-Motoren in seine eleganten Frontmotor-GT-Coupés, aber auch in den Mittelmotor-Hai ein.


Monteverdi 375 S (1970) - Coupé-Eleganz aus der Schweiz - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

In Kemptthal fuhren zwei High-Speed-Coupés (375 L und 375 S) vor, ergänzt um einen Geländewagen des Typs Safari.

Der Doppel-Hybrid von Erich Bitter

Nicht zufällig war das Opel-Logo genauso auf der Einladungskarte wie das Bitter-Markenzeichen. Der deutsche Autobauer Opel nutzte bereits in den Sechzigerjahre amerikanische Motorentechnik für die KAD-Baureihe.


Bitter CD (1973) - neben einem Opel Diplomat, der die Technik lieferte - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Und Erich Bitter setzte dann diese Technik wiederum in sein elegantes Coupé namens Bitter CD ein. Und tatsächlich waren sowohl ein Opel Diplomat als auch ein Bitter CD vor Ort in Kemptthal.

Zwei absolute Exoten

Als ob Autos mit einigen hundert gebauten Exemplaren nicht schon exotisch genug gewesen wären, so fanden sich vor den stimmungsvollen Gemäuern der ehemaligen Maggi-Produktionsstätten auch zwei Sportwagen ein, die man hierzulande kaum je zu Gesicht kriegt.


Ghia 450 SS (1967) - italienisches Designstück mit amerikanischer Technik - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Da war einmal einer der 57 gebauten Ghia 450 SS. Dieser offene Sportwagen entstand auf Initiative des Amerikaners Burt Sugarman, der den Ghia G 230S auf Basis des Fiat 2300 Coupés auf einem Road&Track-Titelblatt gesehen hatte. Anstatt der Fiat-Mechanik kamen Komponenten des Plymouth Barracuda zum Einsatz, trotzdem kosteten die handgefertigten Einzelstücke viermal soviel wie der Serien-Barracuda. Einfach zu verkaufen war der Wagen nicht, zumal dafür nur ein Händler in Hollywood exklusiv zuständig war.


Ghia 450 SS (1967) - knapp drei Dutzend davon sollen überlebt haben - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Immerhin nicht ganz drei Dutzend der Autos sollen überlebt haben, einer zeigte sich in Kemptthal von seiner besten Seite.


Ghia 450 SS (1967) - mit MOPAR-V8 273 Commando - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Ähnlich selten, wenn auch in knapp doppelter Zahl entstanden, ist der Gordon Keeble GT, den Auto-Rennfahrer und Journalist Paul Frère einst mit dem Ferrari 330 GT verglich und auch noch schrieb, dass der britische GT schneller und ruhiger sei, nicht zuletzt dank des Motors der Chevrolet Corvette.


Gordon Keeble GT (1964) - Desig von Giorgetto Giugiaro - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Rund 100 Stück des von Giorgetto Giugiaro gezeichneten Coupés wurden mit Kunststoffkarosserie bis Mitte der Sechzigerjahre gebaut. Dass man in Kemptthal einen dieser Wagen sehen konnte, war ein kleines Wunder.


Gordon Keeble GT (1964) - stilvolles Interieur mit vielen Anzeigen - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Immerhin war dafür eine längere Anreise des Besitzers aus Deutschland nötig.

Ungezwungen

Es sollte ein kollegiales Treffen ohne Stress und Zwänge sein. Und so war es auch. Anstatt Concours-Wahlen oder Geschichlichkeitsprüfungen waren Geselligkeit und ein gemeinsames Bier angesagt.


Fast alle dieses Autos haben einen amerikanischen V8-Motor an Bord, aber es gibt Ausnahmen - V8- und I6-Hybrid-Treffen Kemptthal 2020
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Das passte perfekt und die Restaurants und Bars in der Motorworld Kemptthal freuten sich über die Besucher. Passt! Wiederholung erwünscht!

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von pl******
20.08.2020 (07:46)
Antworten
Sehr schöne Fotos und top restaurierte Autos! Ein Augenschmaus....
von jj******
19.08.2020 (12:58)
Antworten
Die gehörten eigentlich nicht dazu, ebenso wie die Facellia oder der Aston Martin, aber wer schickt die an so einem Tag wieder nach Hause?

Es war das erste Treffen nach langer, langer Zeit und das Wichtigste war die entspannte Atmosphäre, das Reden, Fachsimpeln und endlich mal wieder Autos schauen.

Nächstes Jahr wird das bestimmt etwas klarer getrennt - jetzt ging es um den kleinen Genuss.
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