Spalten wir gleich zu Beginn einmal ein paar Haare, denn der Markenname Jaguar wurde erst ab 1945 offiziell verwendet. Und selbst davor hatte er bei "Standard Swallow" erst seit 1935 als Modellbezeichnung existiert. Insofern müsste das Buch, wenn man ganz korrekt sein wollte, eigentlich "100 Jahre die Firma, die später einmal zu Jaguar werden sollte" heissen. Denn am 11. September 1922 gründete William Lyons in Blackpool ein kleines Unternehmen namens "Swallow Sidecar", um Motorrad-Beiwagen zu bauen.
Da aber Jaguar aus der kleinen Blechnerei hervorging, weit bekannter ist und "SS" heute wie damals eher die falschen Assoziazionen weckt, ist das eine nachvollziehbare Vereinfachung.
Detaillierte Geschichte mit Nebensträngen
Nun aber zum Buch: 600 Seiten ist der Brocken dick. Daraus ergibt sich rein rechnerisch, dass Autor Heiner Stertkamp pro Jahr sechs Seiten zur Verfügung hat. Und die nimmt er sich auch. Die Geschichte der Firma mit den drei Namen wird so ausführlich nachgezeichnet, dass erst auf Seite 202 der E-Type zum ersten Mal erwähnt wird, sieht man einmal vom Inhaltsverzeichnis ab. Das lässt Raum für amüsante Randnotizen. So durfte 1950 die gesamte Jaguar-Belegschaft mit Sonderzügen zur Premiere des Mark VII am 22. Oktober nach London fahren.
Neben der "Haupthandlung" nimmt sich Stertkamp auch die Zeit, die Geschichte von Daimler kurz zu umreissen (im Vergleich zur Jaguar-Geschichte in diesem Buch. Gemessen an anderen Büchern immer noch sehr ausführlich) und zu erzählen, wie Englands älteste Automarke 1960 zu Jaguar kam. Ebenso wird auf die kurze Verbindung von Jaguar und Aston Martin, die 1994 zum DB7 führte, eingegangen. Das Motorsport-Engagement im Allgemeinen und Le-Mans-Programm im Speziellen kommt ebenfalls nicht zu kurz. Erfreulich in diesem Zusammenhang ist, dass der "C-Type" konsequent bei seinem korrekten Namen "XK 120 C" genannt wird.
Viele grosse, aber auch kleine Bilder
Die gezeigten Bilder sind grösstenteils historisch, wobei unterschieden werden muss zwischen alten Aufnahmen "aus der Zeit" und Fotos von Oldtimer-Treffen aus den 80er- und 90er-Jahren, die heute strenggenommen auch schon "historisch" sind. Die zeitgenössischen Werks- und Presseaufnahmen überwiegen allerdings deutlich – bis hin zu den aktuellen Modellen.
Ebenfalls schön neben den schwarz-weiss-Fotografien sind die farbigen Illustrationen von berühmten Auots wie "Old Number Eight" von Sammy Newsome, dem Rekord-XK-120 "LWK 70" oder dem Lightweight-Prototyp "E 2 A" für Briggs Cunningham. Weniger schön: manche Fotos sind leider deutlich zu klein geraten. Auf Innenraum-Totalen im Format drei-mal-vier Zentimeter lässt sich ausser der ungefähren Position des Lenkrads kaum etwas erkennen.
Technik-Geschichte gesondert
Im Anhang des Buches (ab Seite 418) findet sich eine Zeittafel, die alles, was vorher im Lauftext ausformuliert wurde, noch einmal übersichtlich zusammenfasst. Wer also schnell nochmal eine Information nachschlagen möchte, muss dafür nicht noch einmal mehrere Seiten Fliesstext durchkämmen.
Ebenso enthält der Anhang noch detailliertere Technik-Entwicklungsgeschichten, die in der Unternehmensgeschichte zu weit vom eigentlichen Thema weggeführt hätten. Der XK- und der AJ-Motor, die E-Type-Hinterachse sowie einige weitere Jaguar-Konstruktionen bis hin zur Innenraum-Belüftung werden hier noch einmal ausführlich erläutert, allerdings nicht mehr ganz so stark bebildert.
Zu guter Letzt folgt ab Seite 490 noch der Katalog-Teil mit technischen Daten aller Modelle vom 1927er Austin-Swallow bis zum aktuellen Jaguar I-Pace. Ebenso finden sich hier alle ab Werk angebotenen Lackfarben mit Code und Angebotszeitraum sowie Jaguar-Verkaufszahlen nach Modell und Jahr.
Fazit
"Jaguar – 100 Jahr Sport & Eleganz" bietet neben einer sehr detaillierten Firmen-Chronik auch viel historisches Bildmaterial und einen informativen Nachschlage-Teil. Trotz ansprechenden Tiefgangs ist Heiner Stertkamps Buch vor allem für Liebhaber der Marke Jaguar an sich interessant und weniger für reine Fans eines speziellen Modells. Die erfahren zwar auch genug über ihre Lieblingsbaureihe, kaufen aber verhältnismässig viel unternehmensgeschichtlichen "Ballast". Wer sich beispielsweise ausschliesslich für den E-Type interessiert, dem sei zunächst das Werk von Philip Porter angeraten, da Stertkamp alle Modelle gleichwertig behandelt und auch dem weniger geliebten, modernen X-Typ den verdienten Raum gibt.
Für die Bibliothek des markenübergreifend Interessierten Auto-Fans, der nur ein Buch über jeden Hersteller im Regal haben möchte, ist dieses Buch hingegen ideal. In Anbetracht des Informationsgehalts erscheint der Preis günstig.
Bibliografische Angaben
- Titel: Jaguar – 100 Jahre Sport & Eleganz
- Autor: Heiner Stertkamp
- Sprache: Deutsch
- Verlag: Heel
- Auflage: Überarbeitete 2. Auflage November 2021
- Format: Gebunden, 280 x 280 mm
- Umfang: 600 Seiten, 1700 Abbildungen
- ISBN: 978-3-96664-302-3
- Preis: EUR 49.95, CHF 64 (bei Georg Dönni)
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