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Der Ferrari 340 America Vignale Spider Competizione, der nicht siegen konnte

Erstellt am 4. Dezember 2016
, Leselänge 9min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bonhams 
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Courtesy Bonhams 
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Archiv 
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Der erste Sportwagen, der den Namen Ferrari trug, war der 125 S im Jahre 1947, angetrieben durch einen 1,5 Liter grossen V12-Motor, konstruiert durch  Gioacchino Colombo. Dieser Motor, später bis drei Liter aufgebohrt, war das Fundament des Ferrari-Erfolgs für Jahrzehnte. Doch die gewählte Motorkonzeption hatte auch Schwächen, eignete sich beispielsweise weniger für die Aufladung mittels Kompressor.

Lampredi anstatt Colombo

Aurelio Lampredi trat 1946 bei Ferrari ein, sozusagen als Nachswuchskontrukteur. Weil Enzo Ferrari erkannt hatte, dass der Colombo-V12 ihm in der grossvolumigen oder kompressor-aufgeladenen Formel-1-Rennserie nicht zum Erfolg verhelfen konnte, beauftragte er Lampredi mit der Konstruktion eines grossen V12. In der initialen Konfiguration wies dieser Rennmotor 3322 cm3 auf, war aber vor allem länger und grösser als der Colombo-V12, was ihn robuster und besser  geeignet für hohe Leistungsausbeute machte.

Die Rechnung ging auf, der neue Motor war nicht nur stärker, sondern verlangte auch nach deutlich weniger Wartung und Unterhalt. Lampredi wurde mit 30 Jahren Chefingenieur bei Ferrari, nachdem sich Colombo 1950 verabschiedete, um zurück zu Alfa Romeo zu gehen.

Der neue Motor sorgte aber nicht nur im Grand-Prix-Sport für Furore, schon bald setzte man ihn auch im Sportwagen ein. Erstmals war dies bei Chassis 0030 MT der Fall, einem Wagen der als 275 S im April 1950 bei der Mille Miglia mit Touring-Barchetta-Karosserie mit Ascari und Villoresi am Steuer eingesetzt wurde, aber mit Getriebeproblemen aufgeben musste.

Ferrari 340 America Spider Competizione Vignale (1952) - dreimal Weber 40 DCF
Copyright / Fotograf: Bonhams

In der Folge wuchs der Hubraum auf 4,1 Liter und wurde nun, wegen der steigenden Wichtigkeit des amerikanischen Markts, 340 America genannt. Villoresi konnte 1951 damit die Mille Miglia gewinnen. 22 weitere 340 America, alle mit gradzahligen Chassisnummern, wurden gebaut.

Vignale anstatt Touring

Während die frühen Ferrari Sportwagen meist von Touring eingekleidet worden waren, gehörte Alfredo Vignale ab 1951 ebenfalls zu den bevorzugten Blechschneidern. Es war auch seine Karosserie, die auf dem Mille-Miglia-Sieger von 1951 sass.

Als Designer zeichnete Giovanni Michelotti und von ihm stammte auch die Linienführung für das Fahrgestell 0196A. Es war eines von nur drei Competizione-Chassis, das als 17. von 22. 410-America-Fahrgestellen gebaut wurde. Competizione bedeutete in diesem Falle, dass die Weber-Vergaser noch grösser und die Hinterachse mit doppelten Blattfedern vorgesehen wurde.

Ferrari 212 Export (1951) - flach und windschlüpfrig, wenig Wetterschutz durch die Vignale-Karosserie
Archiv Automobil Revue

Von den 22 340 America kleidete Vignale deren 10 ein, für 0196A wählte man die Spider-Variante, die sich optisch an den 212 Export (Chassis 0076E) anlehnte.

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Premiere mit Taruffi

Das Chassis verliess am 15. April 1952 die Fabrik in Maranello, Vignale dengelte die Karosseriehaut in kürzester Zeit, so dass der Wagen Ende Monat für die Mille Miglia bereit war. Gemeldet wurde er mit Piero Taruffi am Steuer, ein berühmter Grand-Prix-Fahrer, zusätzlich bekannt unter anderem durch seinen Carrera-Panamericana-Sieg im Jahr zuvor.

Ferrari 340 America Spider Competizione Vignale (1952) - mit Piero Taruffi an der Mille Miglia 1952
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

Als Beifahrer setzte sich Mario Vanelli neben ihn in den mit Startnummer 614 antretenden Ferrari. Das Ziel erreichten die beiden im Mai 1950 allerdings nicht, wie die Automobil Revue berichtete:

“Um den Angriff der Mercedes abzuwehren, hatte Ferrari eine aus Villoresi, Taruffi, Bornigia und Scotti bestehende Mannschaft zusammengestellt. Da Villoresi durch einen in der vergangenen Woche erlittenen Autounfall am Start verhindert war, verpflichtete Ferrari in letzter Minute den ursprünglich auf einem Ferrari der Scuderia Guastalla gemeldeten Bracco und vertraute ihm das neue für Villoresi vorgesehene Coupe mit einem in aller Stille vorbereiteten 2998-cm3-Zwölfzylindermotor an, dessen Leistung etwa bei 220 PS liegen dürfte. Taruffi fuhr dagegen einen offenen Wagen, dessen Motor eine Weiterentwicklung des 4,1-Liters ist, wobei mit einiger Sicherheit angenommen werden darf, dass auch in diesem Fall der Hubraum vergrössert wurde. …

Der Kampf zwischen den Ferrari und den Mercedes wurde zu einem Duell zwischen Bracco und Kling, in das nur Taruffi kurz eingreifen konnte, der allerdings auf den nassen Strassen durch seinen starken Motor eher behindert als im Vorteil war. …

Das ungeschriebene Gesetz, dass, wer Rom als Erster passiert, nicht auch in Brescia als Erster ankommt, bestätigte sich wieder einmal. Ferrari setzte nun zum Generalangriff an. Taruffi holte in seiner Heimat vier Minuten auf und war bis auf 3 1/2 Minuten an Kling herangekommen, als ihn zwischen Siena und Florenz ein Kardangelenkbruch aus dem Rennen warf …”

Es gewann Braccio auf dem schwächeren Ferrari, obwohl er, als er im Ziel ankam, nicht einmal wusste, dass er in Führung lag. Der 410 America aber hatte sein wahres Potential nicht zeigen können.

Schweizer Start mit Daetwyler

Nach einigen Modifikationen am Wagen, reiste der Spider 0196A, leicht an der Karosserie zwecks besserer Luftführung und Kühlung der hinteren Bremsen modifiziert, nach Bern in die Schweiz, wo er Willy Peter Daetwyler für den Start beim Sportwagenrennen im Rahmen des Grand Prix von Bern zur Verfügung gestellt wurde. Dieses Sportwagenrennen war zwar das Vorspiel für das Monoposto-Rennen, aber der erwartete Kampf zwischen Mercedes-Benz, Ferrari und Aston Martin versprach grosse Spannung.

Ferrari 340 America Spider Competizione Vignale (1952) - Dätwyler kommt im zweifarbigen Spider nicht vom Start weg (hinter den beiden Mercedes 300 SL zu sehen)
Archiv Automobil Revue

Die Automobil Revue berichtete vom Rennen am 17. Mai 1952:

“Im Training hatte sich der Zürcher W. P. Daetwyler, der als einziger die schweizerischen Farben vertrat, auf einem Ferrari 340 Amerika mit 4,1-Liter-Motor seinen Konkurrenten als eindeutig überlegen erwiesen, so dass er (Redaktion: mit fünf Sekunden Trainingsvorsprung) als grosser Favorit in die Arena stieg. …

Mit dem Augenblick, da sich die Startflagge des Rennleiters zum Preis von Bern senkt, erleben die Zuschauer auf der Tribüne eine gewaltige Sensation. Der Bug von Daetwylers Ferrari bäumt sich auf - ein Knacks - und senkt sich wieder; der Wagen bleibt stehen! Der Zweikampf Ferrari gegen Mercedes-Benz ist beendigt, bevor er begonnen hat. Ursache des Fehlstartes ist ein Bruch des hinteren Kardangelenkes. Ob dieses wegen eines Materialfehlers das grosse Drehmoment des Motors nicht aushielt oder ob Daetwyler in der Aufregung mit einer zu hohen Tourenzahl starten wollte, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Der Plan der Scuderia, die gegnerischen Wagen ruhig starten und sie durch Daetwyler im Lauf der ersten Runde ruhig überholen zu lassen, ist gescheitert. …”

Wieder kein Glück für den Ferrari, der in Bern mit dem Kennzeichen “Prova MO 36” startete, auch Lokalmatador Daetwyler dürfte über den Misserfolg nicht glücklich gewesen sein.

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Ausfall auch in Le Mans und an der Targa Florio

Kurz danach wurde der Wagen dann in blauer Farbe bei den 24 Stunden von Le Mans eingesetzt. Louis Rosier und Maurice Trintignant setzten sich ans Steuer, doch eine defekte Kupplung verwehrte dem Spider nach sechs Stunden auch dieses Mal eine Zielankunft.

Nach der Reparatur und nun wieder rot lackiert wurde der Ferrari an die Targa Florio gesandt, dieses Mal durfte Giovanni Bracco, der Mille-Sieger, den Wagen mit Startnummer 64 lenken. Doch die Pechserie sollte sich fortsetzen, wie die Automobil Revue in ihrem Bericht kommentierte:

“In der allgemeinen Hetzjagd unterbot Mille-Miglia-Sieger Bracco schon im ersten Durchgang den Rundenrekord: 52 Min. = 87,073 km/h, eine fast unglaubliche Zeit für einen grösseren Wagen auf dieser engen und kurvenreichen, teilweise belaglosen Strecke. Den alten Rekord hatte Bracco 1951 mit 53 Minuten und 24 Sekunden aufgestellt. Hinter dem führenden Biellesen folgte Giulio Cabianca (OSCA) mit 45 Sekunden, dann Bonetto mit 52 Sekunden und seine Stallgefährten Valenzano und Anselmi, welche von Cortese und Levegh verfolgt wurden. Der Franzose hatte sich, trotz seines grossen Wagens und seiner geringen Streckenkenntnis, mit der Piste überraschend gut zurechtgefunden.

Schon in der zweiten Runde fehlte Ferraris Hoffnung, Bracco, der irgendwo auf der Strecke geblieben war …”.

Es soll sich wiederum um Getriebeprobleme gehandelt haben, einmal mehr wurde der Ferrari 340 America, Chassis 0196A um einen möglichen Sieg gebracht. Den holte übrigens Bonetto auf einer Lancia Lancia-Aurelia.

Ein grösserer Wagen?

Erstaunen in der damaligen Berichterstattung könnte die Bezeichnung “ein grösserer Wagen” auslösen. Tatsächlich war der Ferrari kaum vier Meter lang, wies einen Radstand von 2,5 Meter auf und wog als Spider (trocken) gerade einmal rund 850 kg. Diesem Gewicht setzte der 4,1-Liter-Motor über 260 PS entgegen, was für eine Spitze von über 280 km/h ausreichte.

Ferrari 340 America Spider Competizione Vignale (1952) - der Wagen kann hinten ziemlich lebendig werden
Copyright / Fotograf: Bonhams

Beklagen konnten sich die Herren Rennfahrer also nicht, aber die unbändige Kraft malträtierte halt eben auch die Kraftübertragung über Gebühr, wie die erfolglosen Einsätze gezeigt haben.

Das Gesamtpaket, das neben dem Motor und dem Fünfganggetriebe aus einem massiven Rahmen, Einzelradaufhängungen an der Vorderachse, Starrachse hinten und Trommelbremsen bestand, entsprach der damaligen Ferrari-Konstruktionsphilosophie.

Neue Besitzer, neue Karosserie

Nach den mehr oder weniger offiziellen Werkseinsätzen wurde der Ferrari 340 America Spider noch über Jahre in der Hand von Privatiers an vielen Rennveranstaltungen eingesetzt, unter anderme am 31. August 1952 beim Bergrennen Maloja-St. Moritz in der Schweiz.

Ende 1952 erhielt der Wagen weitere Karosseriemodifikationen im Werk, 1954 wurde er komplett umkarossiert. Die originale Spider-Karosserie wurde entfernt, an deren Stelle kam ein einzigartiger Vignale-Coupé-Aufbau, der möglicherweise zuvor bereits auf einem Aston Martin DB3 Chassis eingesetzt worden war.

Das nun zweifarbige Coupé trat im März 1953 die Reise nach den USA an. Verschiedene Besitzer wechselten sich ab, bis der Wagen 1999 nach Europa zurückkehrte, wo er im Besitz von Lord Bramford komplett restauriert und in seine alte Form zurückversetzt wurde.

Ferrari 340 America Spider Competizione Vignale (1952) - mit der damaligen Mille-Miglia-Startnummer
Copyright / Fotograf: Bonhams

Zu diesem Zweck wurde die Vignale-Spider-Karosserie komplett rekonstruiert, so dass der Sportwagen dann wieder in seiner ursprünglichen Mille-Miglia-1952-Konfiguration dastand.

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Zurück zum Start

Seither wurde der Spider 0196A einige Male portraitiert und wechselte auch mehrfach den Besitzer. Im Mai 2012 nahm er, 60 Jahre nach seinem ersten Einsatz, wiederum an der Mille Miglia teil.

Ferrari 340 America Spider Competizione Vignale (1952) - spartanisches Cockpit
Copyright / Fotograf: Bonhams

Der Motor im Bug soll immer noch derjenige sein, der auch damals seinen Dienst tat.

Und am 19. Januar 2017 soll dieser Ferrari einmal mehr einen neuen Besitzer finden, wenn Bonhams ihn in Scottsdale versteigern wird. Ein Estimate wurde nicht angegeben, doch dürfte mindestens eine hohe siebenstellige Summe für den Kauf nötig sein, immerhin sassen einst einige der grössten Rennfahrer ihrer Zeit am Steuer des kompakten Sportwagens.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von to******
06.12.2016 (23:25)
Antworten
3-fach Sieg für Lancia Aurelia, eine sportliche Limousine der Oberklasse
(heute Premium- oder?) an der Targa Florio 1952.
Kaum zu glauben!
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