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Technik im Rennwagen (4): Aston Martin DBR 1 von 1959 – Ein Sportwagen-Beau für Le Mans

Erstellt am 7. Mai 2021
, Leselänge 4min
Text:
Gerhard Schütz
Fotos:
Daniel Reinhard 
1
Bruno von Rotz 
18
Archiv Gerhard Schütz 
9
Tim Scott - Courtesy RM Sotheby's 
7
Aston Martin 
3
Jochen Hätty 
1
Balz Schreier 
1
Jochen Van Cauwenberge 
1
Stuart Adams Photography / stuartfadams.com 
1
Archiv 
1

Die Jahre 1958-1978 waren die zwei kreativsten Jahrzehnte der Renntechnikgeschichte. Diese Artikelserie porträtiert die innovativsten, zukunftsweisendsten, aber auch exotischsten Konstruktionen der Formel 1, der Indy Cars, der Sportwagen und der CanAm und zeichnet so zugleich die bis heute nachwirkenden, grossen Entwicklungslinien nach. Die Serie startete mit Lotus, einem der wichtigsten Innovationstreiber dieser zwei Jahrzehnte. Und mit Lotus wird die Serie auch ins Ziel kommen: Mit dem ersten Groundeffekt-Formel 1, der 1978 eine WM gewann, dem Typ 79. Doch in dieser Folge ist ein Sportwagen von Aston Martin an der Reihe.

Aston Martin DBR 1 (1959) - Effizienz elegant - Eleganz effizient
Copyright / Fotograf: Archiv Gerhard Schütz

Enzo Ferrari sagte einmal, dass jeder Rennwagen, der erfolgreich sei, auch schön sei. Auf nur wenige Wagen trifft dies besser zu als auf den Aston Martin DBR 1. Zugleich aber könnte man sagen: Dieser Wagen wäre auch einer der schönsten je gebauten Zweisitzer, wenn er erfolglos geblieben wäre.

Gewiss: Auch einer seiner Konkurrenten, der Jaguar D, war schön – sogar Enzo Ferrari war begeistert – aber er hat doch auch ein wenig etwas Pummeliges, und von vorne und hinten gesehen wirkt seine Karosserie etwas zu breit oder die Spur zu schmal, während der DBR 1 ringsum eine unaufdringliche, aber kraftvolle  Eleganz ausstrahlt; das Ordinär-Aggressive anderer Sportwagen ist ihm fremd.

Technisch war er nicht grundlegend revolutionär, aber er bildete eine ästhetische und technische Quintessenz dessen, was ein Frontmotorsportwagen vor dem Beginn der unumkehrbaren  Zentralmotor-Ära sein konnte.

Aston Martin DBR 1 (1959) - der Rohrrahmen erschwert den Einstieg
Copyright / Fotograf: Archiv Gerhard Schütz

Fast alles aus einer Hand

Die Arbeiten für den ersten nicht von einem Strassensportwagen abgeleiteten zweisitzigen Rennwagen von Aston Martin begann Chefkonstrukteur Ted Cutting 1955.

Heute undenkbar: Cutting war der Schöpfer des ganzen Wagens – bis auf das Getriebe, das von David Brown (DB), dem Mutterkonzern, stammte und 1950 schon im erfolglosen 16-Zylinder-BRM eingesetzt worden war.

1956 debütierte der DBR1 mit einem Sieg in Spa. In Le Mans lag er in einer 2,5-Liter-Liter-Version zweitweise auf dem vierten Platz.

1957/58/59 kam es unter dem Management von John Wyer (später Ford GT40, Porsche 917) neben andern Erfolgen wie einem Doppelsieg in Spa zu einem Hattrick mit Stirling Moss auf dem legendären Nürburgring, einer der schwierigsten Strecken der Welt.

“Der Sportwagen mit dem besten Handling aller Zeiten”, Stirling Moss

Moss war so überzeugt von dem Wagen, dass er 1959, als das Werk nur den Le Mans- Einsatz geplant hatte, auf eigene Kosten ein Exemplar am Nürburgring einsetzte, wo er den dritten Sieg in Folge einfuhr. Darauf wurde beschlossen, doch die ganze   Meisterschaft zu fahren, und kam so auch zum Gesamtsieg 1959. Auch Paul Frère war begeistert.

Aston Martin DBR 1 (1959) - mit grosser Klappe – Tankraum statt Kofferraum
Copyright / Fotograf: Archiv Gerhard Schütz

Le-Mans-Sieg im Jahr 1959

Kontinuierliche Weiterentwicklung führte 1959 als Dreiliter zum Doppelsieg in Le Mans (Salvadori/Shelby vor Trintignant/Frère).

Aston Martin DBR 1 (1959) - Le-Mans-Sieg im Jahr 1959, dank Radabdeckungen war der Wagen 20 km/h schneller
Copyright / Fotograf: Archiv Gerhard Schütz

Für Le Mans wurden nach den wenig erfolgreichen Vortests u.a. die Räder teilweise verkleidet, um die Höchstgeschwindigkeit auf der langen Hunaudières-Geraden zu steigern. Dazu kam eine leichte Erhöhung des Hecks, um den Fahrtwind besser  von der Windschutzscheibe überzuleiten, und der Beifahrersitz erhielt eine Abdeckung. So gewann man laut Paul Frère insgesamt 20-22km/h auf der Hunaudières-Geraden- ein beträchtliches Plus.

Aston Martin DBR1 (1959) - In Le Mans 1959
Copyright / Fotograf: Aston Martin

Was war es, das diesen Wagen nicht nur schön, sondern erfolgreich machte? Er war kompakt (Radstand 228 cm, Länge 4 m, Gewicht trocken 800 kg, davon das Chassis 58 kg), er hatte eine sehr gute Gewichtsverteilung (Frontmotor hinter der Vorderachse, dank Trockensumpfschmierung tief im Gitterrohrrahmen eingebettet, querliegendes Transaxle-5-Gang-Getriebe), vorne eine unabhängige Aufhängung an Kurbellenkern mit querliegenden Torsionsstäben, hinten eine De Dion-Achse, 4 Scheibenbremsen.

Aston Martin DBR 1 (1959) - Front-Zentral-Motor-Kunstwerk
Copyright / Fotograf: Archiv Gerhard Schütz

Der zuverlässige Dreiliter-Reihen-6-Zylinder  mit zwei obenliegenden Nockenwellen, Doppelzündung und drei Weber Doppelvergasern leistete relativ moderate 255 PS in der Version mit vier Kurbelwellenlagern und höherer Kompression, 244 PS in der mit sieben Lagern. Es gab auch Versuche mit einer Einspritzung, die aber nie eingesetzt wurde. Die Karosseriehaut bestand aus einer leichten und dünnen Aluminium-Magnesium-Legierung.

Aston Martin DBR 1 (1959) - grüner Leader - Einsatz in Spa
Copyright / Fotograf: Archiv Gerhard Schütz

Der Wagen zeigte schon bei den ersten Testfahrten sein Potential, und die Kinderkrankheiten waren schnell aussortiert. Einzig das Getriebe – ausgerechnet das Bauteil aus dem eigenen Konzern – sollte immer wieder zu Ausfällen führen und war erst 1959 genügend zuverlässig geworden.

Paul Frère, Le-Mans-Zweiter 1959, sagte: “Das Getriebe war sehr schlecht zu schalten. Das führte dazu, dass ich in der langsamen Mulsanne-Kurve nicht in den ersten herunterschaltete, dafür aber im zweiten Gang nur mit Mühe wieder hinausbeschleunigen konnte. Das ebenfalls querliegende Getriebe des Lancia-Ferrari D50 von 1955 dagegen war wunderbar zu schalten, obschon es ebenfalls ein Klauengetriebe war”.
Ende 1959 zog sich Aston Martin, als erster und zugleich letzter britischer Sieger in der Markenweltmeisterschaft, aus den Sportwagenrennen zurück, um in der Formel 1 weiterzufahren, was aber kein Erfolg wurde.

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Vom Rennerfolg zur Finanzanlage

Die Wagen kamen in Privathand, DBR1/3 zum Beispiel für 4250 Pfund. Ein Jahr später wurde er für 900 Pfund weiterverkauft und zwei Jahre danach für 1100 Pfund. 2017 wurde dann z.B. DBR1/2, der Le-Mans-Sieger, bei Sotheby’s für rund USD 20 Millionen versteigert. Der Beau für Le Mans wurde zur Geldanlage.

Aston Martin DBR1 (1956) - als Lot 148 an der Versteigerung von RM/Sotheby's in Monterey 2017
Copyright / Fotograf: Tim Scott - Courtesy RM Sotheby's

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ro******
12.05.2021 (12:43)
Antworten
Eine wunderschönes Auto. Einige Kellison Modelle ähneln diesem Auto im Aufbau und in der Formensprache.
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