VW K 70 L 1970 – verkanntes Wunderauto der Mittelklasse?
Zusammenfassung
Die Sensation fand nicht statt. Geplant war sie für den Genfer Autosalon 1969 und der Star war der NSU K 70, die neue Mittelklasse-Limousine aus Neckarsulm. Kurzfristig wurde die Premiere abgesagt, nicht von NSU, sondern von Volkswagen, denn VW hatte kurz vorher mit NSU fusioniert. Doch ein Jahr später wurde der K 70 als Volkswagen wiedergeboren und auf den Markt gebracht. Dieser Bericht schildert die Geschichte des NSU/VW K 70 und zeigt ein frühes Exemplar aus dem Jahr 1970 auf vielen Bildern. Ergänzt ist der Bericht mit Archivbildern und Werbungen aus der Zeit.
Dieser Artikel enthält folgende Kapitel
- Aufwendige Entwicklung
- Opfer und Legendenbildung
- Wiedergeboren als VW
- Doch kein Wunderauto?
- Vergleichsweise teuer
- Ein wenig Modellpflege
- Fast ausgestorben
- Gerettet und gepflegt
- Erstaunlich modern
- Weitere Informationen
Geschätzte Lesedauer: 9min
Leseprobe (Beginn des Artikels)
Die Sensation fand nicht statt. Geplant war sie für den Genfer Autosalon 1969 gewesen und der Star war der NSU K 70, die neue Mittelklasse-Limousine aus Neckarsulm. Kurzfristig wurde die Premiere abgesagt, nicht von NSU, sondern von Volkswagen, denn diese hatte kurz vorher mit NSU fusioniert. NSU hatte Ende der Sechzigerjahre zwei Probleme. Zwischen der revolutionären Oberklassen-Limousine NSU Ro 80 mit Wankelmotor und dem NSU Prinz/1000/1200 klaffte eine empfindliche Lücke und gleichzeitig war man als kleiner Autoproduzent bezüglich Entwicklungsgelder eingeschränkt und ein ständiges Ziel potentieller Übernahmen.
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Bilder zu diesem Artikel

Positiv war das Raumangebot und die Übersichtlichkeit. Als Zugfahrzeug war er dagegen weniger geeignet, so dass ich ihn nach 3 Jahren gegen einen Citroen CX tauschte. Dessen Blechqualität war allerdings noch deutlich schlechter als die des K 70.
Das Auto war einerseits wohltuend modern - in einer Zeit, als noch sehr viel "Gelsenkirchener Barock" auf den Straßen unterwegs war. Die Karosserie war geräumig, wunderbar übersichtlich, der Kofferraum riesig. Als erstes meiner Autos hatte der K 70 ein Schiebedach, das freilich mangels Windabweiser während der Fahrt nicht zu gebrauchen war: es wummerte unerträglich. Das Fahrwerk war für damalige Verhältnisse eine Offenbarung: geschmeidig federnd (nur im Abrollen ein bißchen spröde), mit erstklassiger Spurhaltung, im Grenzbereich gutmütig.
Bei der Lenkung wurde dann schon grundlegendere Kritik fällig: die ging ziemlich schwer; der ungefähr gleich große und schwere Audi lenkte sich deutlich leichter. Auch das Getriebe des K 70 habe ich ein bißchen hakelig in Erinnerung.
Das dickste Minus war der Motor - oder dann doch wieder die Karosserie? Die hatte nämlich einen cw-Wert so ungefähr wie der Kölner Dom; die eckige Karosse war zwar praktisch, aber alles andere als aerodynamisch. So kam's, dass der 90 PS-Motor im K 70 sich arg zäh anfühlte und keine besseren Fahrleistungen vollbringen konnte als der 72-PS-Motor des alten Audi, dabei aber um die Hälfte mehr Benzin schluckte als letzterer. Mein enttäuschter Bleifuß führte zudem schon nach kurzer Zeit zu einer durchgebrannten Zylinderkopfdichtung.
Vermutlich war der aus dem luftgekühlten 1200er Vierzylinder des großen NSU Prinz weiterentwickelte Motor gar nicht mal so schlecht; aber mit dieser leistungsschluckenden Windschieber-Karosse war er einfach überfordert. Die miserable Aerodynamik war DAS große Manko des K 70, das in der Folge auch den Antrieb mit in die Kritik zerrte. Schade darum - und eigentlich wenig verständlich, da doch ausgerechnet NSU wenige Jahre vorher mit dem Ro 80 eine aerodynamische Revolution eingeleitet hatte. Hätte man davon auch nur ein bißchen was in die Entwicklung des K 70 mit einfließen lassen, dann hätte der ein Bombenerfolg werden können.
Ansonsten wurde der Parkplatz von heckmotorgetriebenen kleinen Limousinen dominiert. Auf dem Schulparkplatz waren "protzigere" Limousinen im Stile eines 220er Benz oder 20M noch die Ausnahme. Letztere passten weder zum Image des gutbürgerlichen Oberstudiendirektor noch zum frischen Wind der jungen Kolleginnen und Kollegen. Die bevorzugten Wagen von französischer Lebensart wie die Ente, Renault 4 und R16.



























































































































































































































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