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Bild (1/10): Porsche 911 Carrera RS 2.7 (1973) - Blutorange zierte nur 126 RS-Modelle (© Daniel Reinhard, 2018)
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Porsche 911 Carrera RS 2.7 - der Legende auf der Spur

Erstellt am 30. Mai 2018
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
(34)
Porsche AG - Historisches Archiv 
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Schon die Bezeichnung tönt schnell und erheischt Aufmerksamkeit: Carrera RS. Dabei mussten die Porsche-Mannen anfangs der Siebzigerjahre dafür nicht einmal allzu viel erfinden. Sportwagen mit der Zusatzbezeichnung Carrera hatten sie schon in den Fünfzigerjahren (356 Carrera) und für den Rennsport (904 Carrera GTS, Carrera 6) in den Sechzigerjahren gebaut und das Kürzel “RS” stand ganz einfach für Rennsport, denn dafür wurde der Porsche 911 Carrera RS 2.7 gebaut.

Porsche 911 Carrera RS 2.7 (1973) - eine der Ikonen der Siebzigerjahre
© Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Heute gehört dieser Fahrzeugtyp, der nur in den Jahren 1972 und 1973 entstand, zu den gesuchtesten Klassiker aus dem ganzen Zuffenhausener Arsenal. Mit Preisen deutlich über einer halben Million war er der Vorreiter der 911-Euphorie, die auch häufiger gebaute Modelle im Sog nach oben zog.

Porsche 911 Carrera RS 2.7 (1973) - der Hersteller bleibt nicht im Unklaren
© Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Aber - hat der Carrera RS diese Ausnahmestellung wirklich verdient?

Deutschlands schnellste Rarität

Eigentlich war der Carrera RS ja als 911 S 2.7 geplant gewesen. Doch neue Homologationsbestimmungen, die 500 identische Exemplare (für die Gruppe 4) forderten, lösten bei Porsche einen Denk- und Entwicklungsprozess aus, der schliesslich zum gegenüber der Serie deutlich verbreiterten Leichtbau-Sportwagen mit Entenbürzel am Heck führte.

Die Verkaufsabteilung war mehr als kritisch, ob sich 500 derartige Autos überhaupt verkaufen lassen würden und forderte eine Komfortausstattung. Diese gab’s dann gegen Aufpreis und sie machte aus dem Homologations-Leichtgewicht eine Sport- oder Touring-Version.

Porsche 911 Carrera RS 2.7 (1972) in der Werbung - Deutschlands schnellste Rarität
© Zwischengas Archiv

Um die 500 Exemplare des in Paris im Oktober 1972 erstmals gezeigten Carrera RS 2.7 sicher an die Kunden zu bringen, wurde tüchtig Werbung geschaltet: “Eine Auflage von 500 für einen Sportwagen von der Klasse des Carrera RS ist nicht groß. Sie müssen also schon sehr schnell sein, wenn Sie Deutschlands schnellste Rarität fahren möchten.”

Die Käufer waren schnell überzeugt, bereits im November waren die ersten 500 Exemplare verkauft (aber nicht ausgeliefert), am Ende, knapp ein Jahr später, waren 1580 Stück gebaut.

Komplexe Produktion

Die Hersteller und der ersten 500 Exemplare war sehr aufwändig, da sie zunächst in Leichtbau-Ausführung fertiggestellt werden, auf die Waage gestellt und dann mit dem vom Kunden bestellten Optionen nachgerüstet werden mussten.

Später konnten dann diese Restriktionen gelockert werden und auch auf das eine oder andere Leichtbauteil wurde im Laufe der Produktionsdauer verzichtet, so dass sich die letzten Autos im Jahr 1973 nur noch geringfügig vom normalen 911 S unterschieden, wenn man einmal vom geänderten Motor, den modifizierten Aufhängungen und den Kotflügelverbreiterungen hinten samt Entenbürzel absah.

Porsche Carrera RS (1972) - weiss war die Standard-Farbe, die leichtmodelle hatten sehr kleine Räder
© Copyright / Fotograf: Porsche AG - Historisches Archiv

Insgesamt entstanden rund 200 Leichtbau-Versionen mit Sport-Paket und über 1300 Touring-Varianten mit mehr Komfort.

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In einer anderen Liga

Verglich man damals den Carrera RS mit dem 911 2.4 S, so waren die Unterschiede in der Fahrdynamik deutlich grösser, als die Retouchen an der Karosserie es erwarten liessen. Vor allem in der Sport-Variante spielte der RS in einer anderen Liga. Bei der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h, nahm der RS dem 911 S 1,7 Sekunden ab (5,7 anstatt 7,4 s), bis 180 km/h waren es schon 5,4 Sekunden (17.6 anstatt 23 s) und auch in der Spitzengeschwindigkeit war die Variante mit Spoiler mit 240 km/h schneller.

Porsche Carrera RS (1973) - Ermittlung des cw-Wertes
© Copyright / Fotograf: Porsche AG - Historisches Archiv

Das Spoilerpaket alleine brachte (gemäss Sport Auto) gegen fünf km/h, die 20 Mehr-PS waren für den Rest zuständig. Der Aufpreis war mit 2850 DM oder 4300 Franken überschaubar.

Meilenstein

Porsche musste sich sogar tüchtig anstrengen, um den Carrera RS 2.7 mit späteren Modellen noch sichtbar zu übertrumpfen. Selbst ein Porsche Turbo 930 konnte den RS bis 100 km/h nur um eine halbe Sekunde abhängen. Auch in der Spitze fuhr er ihm mit 250 km/h nicht ernsthaft davon.

Porsche Carrera RS (1972) - am Lenkrad Jürgen Barth
© Copyright / Fotograf: Porsche AG - Historisches Archiv

Und auch im Vergleich zum fast zwanzig Jahre jüngeren 964 RS muss sich der Ur-RS nicht verstecken, schliesslich lag dessen Leistungsgewicht mit 4,7 kg/PS nur unwesentlich unter den 4,8 kg/PS, die der Carrera RS 2.7 bereits 1972 offerierte. So ist es eigentlich nur verständlich, dass die Preise für originale RS 2.7 gegen den Himmel gestiegen sind.

HubraumAuktionen

Selber erfahren

Doch all die Zahlen sind schnell vergessen, wenn man sich einmal selber hinter das Lenkrad eines Carrera RS 2.7 setzen darf. Kaum hat die linke Hand den Zündschlüssel gedreht, beginnt im Heck der Sechszylinder-Boxermotor mit Einspritzung zu kreischen und zwar auf eine Art, die geradezu süchtig macht.

Porsche 911 Carrera RS 2.7 (1973) - im Vergleich zum 911 S fiel die Höchstleistung sogar bei zivileren Drehzahlen an
© Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Besser klang nach dem RS kaum mehr ein Porsche und dies unabhängig von der Drehzahl. Die Lautstärke ist drehzahlabhängig, sie steigt einfach an, je höher man dreht. Bei 240 km/h massen die AMS-Tester damals 91 dBA, ein Radio ist da auf jeden Fall überflüssig, genauso wie die ermahnenden Worte eines allfälligen Beifahrers.

Porsche 911 Carrera RS 2.7 (1973) - Touring-Ausstattung mit nachgerüstetem Lenkrad und Sportsitzen von König
© Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der produzierte Vortrieb beeindruckt selbst heute noch, vor allem aber hängt der RS komplett ohne Elektronik-Verzögerung am Gas. Jede noch so geringe Druckveränderung auf dem rechten Fusspedal wird sofort in Geschwindigkeitszunahme umgesetzt. Das kann ein 964 RS kaum besser.

Porsche 911 Carrera RS 2.7 (1973) - aus dieser Perspektive sahen ihn die meisten Verkehrsteilnehmer
© Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Erst wenn’s ums Bremsen oder Einlenken geht, merkt man dem Ur-RS sein Alter, er hat immerhin schon 45 Jahre auf dem Entenbürzel, an. Deutlich schwammiger wirkt die Verzögerung und auch die Richtungsveränderungen erfolgen mit Verzögerungen, was sicherlich an der Bereifung, aber auch an der Lenkung liegt. Allerdings muss gesagt werden, dass der Carrera RS 2.7 in seiner Zeit sicherlich ein Massstab war, selbst ein Dino 246 GT konnte dies alles nicht besser.

Porsche 911 Carrera RS 2.7 (1973) - das Spoilerpaket erhöhte die Endgeschwindigkeit um über 4 km/h
© Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Vielleicht am überraschendsten ist, dass sich der RS auch lammfromm durch eine Ortschaft bewegen lässt, er muss gar nicht immer schreien und kreischen, selbst tiefe Drehzahlen verursachen keinen Schluckauf und die Sicht nach draussen ist deutlich besser als bei den meisten Sportwagen, die dem RS folgten.

Mysterium

Der gefahrene 911 Carrera RS 2.7 mit Chassis-Nummer 911.360.0584 ist ein wenig ein Mysterium. Gemäss dem RS-Buch von Dr. Thomas Gruber und Dr. Georg Konradsheim wurde er im Februar 1973 als 584. Exemplar und als einer von 245 nach Italien gelieferten Wagen in Blutorange (gab’s 126 Mal beim RS) ausgeliefert. Als Optionen waren die Ausführung M472 (Touring-Paket) und 409 (Sportsitze links und rechts) spezifiziert, zudem wies der Wagen die italien-spezifische Ausstattung auf, was z.B. das Weglassen des fahrerseitigen Aussenspiegels (später nachgerüstet) bedeutete.

Porsche 911 Carrera RS 2.7 (1973) - frech, dieser Entenbürzel
© Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Ob sich dies genau so abspielte, oder ob der Besitzer bereits damals auf eine Mischung aus Touring- und Sportpaket beharrte, ist unklar. Heute jedenfalls sind die leichten Kunststoff-Stossstangen und Fenster (wie beim Sport-Modell), aber die Innenausstattungselemente des Touring-Pakets (472) montiert.

Nach einigen Jahren in Italien gelangte der Wagen in die USA, wo er bis 1990 blieb. Dann kam der Wagen wieder zurück nach Europa, bereits mit zusätzlichen Ölkühler, zeitgenössischen König-Schalensitzen und Überrollkäfig ausgerüstet. Das originale Autoradio und die ursprünglichen Innenraumteppiche sind aber immer noch montiert. Ein Fahrerauto ohne “wenn” oder “aber”.

Porsche 911 Carrera RS 2.7 (1973) - umrundet Kurven mit geringer Seitenneigung
© Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

“Hat der Carrera RS diese Ausnahmestellung wirklich verdient?”, fragten wir eingangs und man kann diese Frage nur mit “ja” beantworten, davon ist jeder überzeugt, der sich schon einmal hinter das Lenkrad des Wagens setzen durfte.

Vergleich von vier Porsche-Modellen

Fahrzeug 911 S 2.4 Carrera RS 2.7 911 Turbo 930 964 RS
Jahr 1972 1972 1975 1991
Hubraum ccm 2341 2687 2992 3600
PS 190 210 260 260
bei U/min 6500 6300 5500 6200
max Drehmoment mkg 22 26 35 33
bei U/min 5200 5100 4000 4800
Anzahl Gänge 5 5 4 5
Felgen vorne 6 J x 15 6 J x 15 7 J x 15 7.5 J 17
Felgen hinten 6 J x 15 7 J x 15 8 J x 15 9 J 17
Reifen vorne 185/70 VR 15 185/70 VR 15 185/70 VR 15 205/55 ZR 17
Reifen hinten 185/70 VR 15 215/60 VR 15 215/60 VR 15 255/40 ZR 17
Länge cm 414.7 410.2 429.1 427.5
Breite cm 161 165.2 177.5 165.2
Höhe cm 132 132 132 127
Gewicht (vollget.) kg 1110 1010 1210 1225
Leistungsgewicht kg/PS 5.8 4.8 4.7 4.7
0 bis 100 km/h in s 7.4 5.7 5.2 5.2
0 bis 180 km/h in s 23 17.6 15 14.7
Vmax km/h 231.4 240 250 263
Innengeräusch bei 100 km/h dBA 76 74 74 77
Testverbrauch pro 100 km 16.9 17.3 20.9 14.9
Neupreis DM 31150 34000 65800 145450
Neupreis CHF 41850 46150 78650 133000
Exemplare gebaut 5603 1580 2876 1989
Classic Data Zust 2 (2018) EUR 147000 510000 160000 170000


Am 16. Juni 2018 kommt der abgebildete blutorange Porsche 911 Carrera RS 2.7 von 1973 an der Versteigerung der Oldtimer-Galerie Toffen auf dem Dolder unter den Hammer, eingeschätzt auf CHF 550’000 bis 650’000.

Galledia

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Quelle:

Neueste Kommentare

 
 
ss******:
10.04.2020 (14:37)
Hallo Porsche Freunde
Ich würde gerne eure Meinung wissen
Warum ist der Porsche 911 Carrera 2.7 911/83 1975 210 PS
MFI,G Modell mit RS Technik so unbekannt
LG
Sani
hp******:
08.06.2018 (08:37)
Bild 22 der Tacho müsste bis 300 km /h gehen !!!
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