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Bild (1/4): Morris Mini 850 Traveller - viel Gepäckraum für ein nur 3,3 Meter langes Auto (© Bruno von Rotz, 2018)
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    Morris 850 Traveller - der Mini mit dem zusätzlichen Etwas

    7. November 2018
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Bruno von Rotz 
    (33)
    BMW AG 
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    Der Mini , entwickelt von erfinderischen Alec Issigonis, beeinflusste die Autoindustrie wie nur wenige andere Autos. Vorgestellt im September 1959 wurden bis zum 4. Februar 1965 eine Million Minis gebaut, das Jubiläumsexemplar wurde unter der Longbridge-Belegschaft verlost.

    Austin Mini 850 (1960) - Alec Issigonis neben seinem meisterlichen Entwurf
    © Zwischengas Archiv

    Der Mini revolutionierte mit seinem Quermotor und darunterliegendem Getriebe sowie der beispielhaften Raumausnutzung nicht nur die Kleinwagen-Welt, er schuf auch die Basis für eine Vielzahl von weiteren Baumustern, eines davon war der Morris 850 Traveller, der als Austin Countryman hiess.

    Länger und geräumiger

    Am 16. September 1960 wurde der Morris 850 Traveller zusammen mit seinem Bruder Austin Countryman offiziell lanciert. Von “Zauberei auf Rädern” sprach die offizielle Pressemitteilung. Platz für vier Personen wurden offeriert und wenn nötig (und bei umgeklapptem Rücksitz) Raum für über 1000 Liter Gepäck.

    Austin Mini - der kleine Flitzer in der Durchsicht am Autosalon von Genf 1961, links der Traveller/Countryman
    © Archiv Automobil Revue

    Dabei hatte man nur den Radstand um ungefähr 10 cm verlängert und den Mini im hinteren Teil etwas gestreckt, so dass er nun knapp 3,3 Meter kurz war. Mit 674 kg blieb er ein Leichtgewicht, schaffte aber eine Zuladung von gegen 300 kg.

    Mit einer Spur Traditionalismus

    Charakteristisch für den Traveller waren die Holzelemente, die an die Shooting Brakes aus Vorkriegszeiten erinnerten. Eine tragende Funktion hatten diese Verzierungen allerdings nicht, aber sie sahen schmuck aus.

    Morris Mini Traveller (1961) - mehr Platz für Frau und Hund
    © Copyright / Fotograf: BMW AG

    Die beiden Türflügel des Kombihecks öffneten zur Seite und erlaubten ein bequemes Beladen des geräumigen Kofferraums, der auch ohne Umklappen der Rücksitze über 500 Liter Gepäckvolumen bot.

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    Kleinwagen mit aussergewöhnlicher Geräumigkeit

    Die Automobil Revue unterzog den frisch vorgestellten Morris Traveller im Frühling 1961 einem Kurztest und lobte insbesondere die guten Fahreigenschaften:

    “Auf der Prüfstrecke hat der mit vier Personen besetzte Traveller einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Der nichtsynchronisierte erste Gang musste nur zum Anfahren benutzt werden; beachtlich war das gute Anzugsvermögen aus niedrigsten Geschwindigkeiten im zweiten und dritten Gang. Auch der vollbeladene Wagen hat sich in den Kurven als recht flink erwiesen, der Frontantrieb beeinflusste das Fahrverhalten weder positiv noch negativ. Auf der Geraden hielt er die Fahrrichtung auf Bodenwellen genau inne, und die Bremsen erweisen sich als völlig ausreichend, auch wenn sie einen hohen Pedaldruck erfordern. Gut gefallen hat auch der Federungskomfort, bei verschiedenen Belastungen. Der verlängerte Radstand gleicht gewissermassen die etwas härtere Federung vor allem beim Überfahren von Bodenwellen aus. Die vergrösserte Innenlänge wirkt sich günstig auf den Komfort der hinten sitzenden Passagiere aus, vorne besteht nach wie vor die für einen Kleinwagen aussergewöhnliche Geräumigkeit.”

    Mit CHF 6400 war der Traveller im Jahr 1961 700 Franken teurer als der normale Morris 850 Mini in der Super Luxe Ausführung.

    Er wies aber auch ein auf 930 kg gesteigertes Gesamtgewicht auf, was durch eine etwas härter gewählte Gummifederung ermöglicht wurde. Der Komfortverlust wurde durch die Verlängerung des Radstands wettgemacht, befanden damals die AR-Tester.

    Nahe an der Basis

    Technisch orientierte sich der Morris 850 Traveller am Mini-Basismodell. Er verfügte über denselben quer eingebauten Vierzylindermotor mit 848 cm3 und 34,5 PS. Das Getriebe mit vier Vorwärtsgängen lag unterhalt des Motors und wurde vom selben Öl geschmiert. Angetrieben wurden die Vorderräder, die von Querlenkern und Gummifederrelementen geführt wurden. Hinten sorgten Einzelradaufhängungen mit Kurbellängslenkern für Spurtreue. Vier Trommelbremsen, die hydraulisch betätigt wurden, und eine Zahnstangenlenkung vervollständigten das Fahrwerk des selbstragenden Minis.

    Austin Mini (1968) - mit grösser Heckscheibe und als Super-Deluxe mit 38 DIN-PS - Genfer Autosalon 1968
    © Archiv Automobil Revue

    Im Jahr 1968 liess die deutsche Zeitschrift Auto Motor und Sport den Morris 850 gegen die Mini-Konkurrenz in Form von Renault 4, Citroën Dyane, Fiat 850 und Honda N360 antreten. Der Mini in Normalausführung war dabei mit Ausnahme des Hondas das kleinste Auto, das aber trotzdem vier Passagieren genügend Platz bot. Überzeugen konnte der Mini mit seinem guten Fahrverhalten und ausreichenden Fahrleistungen bei angemessenem Komfort. In der Schlussabrechnung musste er aber, nicht zuletzt wegen seinem bescheidenen Kofferraumvolumen von 92 Litern vor den deutlich ausgewachseneren Renault 4 und Fiat 850 zurückstehen.

    Mit der Traveller-Ausführung wurde zumindest ein Nachteil überzeugend behoben, beim Komfort hatten die Briten einfach andere Vorstellungen als die Franzosen mit dem R4. Bezüglich Fahrleistungen dürfte die geringfügig schwere Kombivariante gegenüber der Kurzversion (0 bis 100 km/h in 34,8 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 116,5 km/h) nur wenig eingebüsst haben.

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    Stetig verbessert

    Im März 1960 wurde der erste Morris Traveller gebaut, im September erfolgte die offizielle Lancierung.

    Morris 850 Traveller (1965) - Kombiversion von Morris
    © Zwischengas Archiv

    Ab April 1961 gab es auch eine Version ohne Holzelemente, im Oktober wurde der Tank nach aussen unter das Auto verlegt, wovon ein Einfüllstützen auf der rechten Seite hinten zeugte.

    Im September 1964 hielten weitere Neuerungen Einzug im Kombi, unter anderem ein kombiniertes Zünd-/Starterschloss, ein Öldruckwarnlicht, Sonnenblenden und ein überarbeitetes Getriebe.

    Austin Mini Traveller Super-Deluxe (1962) - praktischer und beliebt
    © Copyright / Fotograf: BMW AG

    Im Oktober 1967 dann wurde der Mk2 eingeführt, der nun einen grösseren Motor aufwies, gleichzeitig aber einige Kilogramm leichter war. Im August 1968 endlich konnten sich die Käufer über ein vollsynchronisiertes Vierganggetriebe freuen, eine Automatik war schon drei Jahre früher ins Programm aufgenommen worden.

    Gebaut wurde der Morris Traveller von 1960 bis am 3. November 1969. Insgesamt verliessen 99’000 dieser Wagen die Fabrik, 23’500 davon waren Mk2-Modelle. Dazu kamen 108’000 baugleiche Austin Countryman.

    Noch beliebter als die noblen Familienkombis war allerdings der Mini Van, der von 1960 bis 1983 gebaut wurde und auf der technischen Basis des Traveller aufsetzte, als Nutzfahrzeug aber keine hinteren Seitenscheiben aufwies. Das rustikale Auto wurde deutlich über 500’000 mal verkauft.

    Morris Mini 850 Traveller - viel Glas bedeutet gute Rundumsicht
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Stilvoll vorfahren

    Mit einem Nutzfahrzeug hat der Morris 850 Traveller nichts zu tun. Er wirkt schick und gerade bei einer hellen Lackierung wirken die Holzbauelemente besonders gediegen. Ganz so nobel wie aussen geht es im Innern zwar nicht zu, hier wurde einiges an Kunstleder verbaut und die Schiebefenster in den Türen wirken genauso rustikal wie die Türöffner in Form von Schnüren.

    Morris Mini 850 Traveller - der Schalthebel schrammt eng am Gaspedal vorbei
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Die Sitzposition ist typisch mini-like, bewirkt durch die flache Stellung des Lenkrads und die Kürze nach vorne. Die Rundumsicht ist hervorragend, die Funktion der wenigen Bedienungselemente ist schnell verstanden. Etwas überrascht stellt man fest, wie eng der Schalthebel beim Gaspedal vorbei zieht, wenn man den ersten Gang einlegt.

    Morris Mini 850 Traveller - das Getriebe liegt unter dem Motor und wird durch dasselbe Öl geschmiert
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Zufrieden schnurrt der Vierzylindermotor und das Fahren macht trotz geringer Leistung viel Spass. Auch der Komfort ist komplett ausreichend und die Kurvenwilligkeit des Minis ist sowieso legendär. Natürlich kann man mit modernen Turbodieseln nicht mithalten, ein Cooper S ist der 850 halt nicht. Aber es reicht, um mitzuschwimmen und über 100 km/h will man mit dem hübschen Kombi auch nicht fahren.

    Morris Mini 850 Traveller - auch als Kombi kompakt geblieben
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    So kann man sich auch der anerkennenden Blicke und der vom Strassenrand vermittelten Sympathie erfreuen, die manch moderneres und schnelleres Auto heute vermissen lässt.

    Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen , die uns den schönen Morris Traveller für eine Fotosession überliess.

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