Alfa Romeo Alfasud Sprint - Coupé-Bellezza mit Schottenkaro

Erstellt am 14. Januar 2015
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
40
Alfa Romeo / Werk 
4
Alfa Romeo - Fiat Group 
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Bruno von Rotz 
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Archiv 
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Sie sind nicht gerade so selten wie eine blaue Mauritius, aber im Strassenverkehr dürfte einem kaum je ein Alfa Romeo Alfasud Sprint der ersten Generation begegnen.


Alfa Romeo Alfasud Sprint (1977) - bei Volllicht brennen die inneren Scheinwerfer mit
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

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Bereits bei der Präsentation des ersten Alfasud im Jahr 1971 waren neben der Limousine weitere Versionen versprochen worden, doch es sollte bis 1976 dauern, bis Alfa Romeo einen Konkurrenten zum VW Scirocco vorstellen konnte. Gleich wie der Konkurrent aus Wolfsburg trat auch der Alfasud Sprint mit einem komplett neu gestalteten Karosseriekleid auf Basis der in Grosserie produzierten Familienlimousine an.

Nochmals Giugiaro

Für das Karosseriekleid beauftragte Alfa Romeo wie bereits bei der Alfasud Limousine Giorgetto Giugaro. Da dieser auch den VW Scirocco gezeichnet hatte, zeigten sich einige Ähnlichkeiten zwischen den konzeptionell vergleichbaren Coupés. Der “Scirocco Italiano” geriet aber durchaus eigenständig und man konnte auch Elemente des grösseren Alfetta GT Coupés entdecken.


Alfa Romeo Alfasud Sprint (1976) - vorgestellt mit 1,3 Litern Hubraum und 75 PS
Archiv Automobil Revue

Giugiaro gab dem Sprint ein elegantes, von geraden Linien dominiertes Coupé-Kleid, das die Vorzüge der Alfasudtechnik gekonnt in Praxisnutzen umsetzte. Von den 402 cm Gesamtlänge wurden immerhin 2,9 Meter den Passagieren als Nutzraum gegeben und im Heck  blieb auch noch Platz für 244 Liter Gepäck.

Auch das Interieur war neu und präsentierte sich bei der Lancierung im fröhlichen Schottenkaro-Muster, das immer in Braun gehalten war.


Alfa Romeo Alfasud Sprint (1977) - hinten gibt es zwei einzeln ausgeformte Sitze
Archiv Automobil Revue

Angepasst daran war auch der Instrumententräger aus braunem Kunststoff gefertigt und beherbergte zwei grosse Rundinstrumente direkt vor dem Fahrer. Lenkrad und Anbauteile wurden von der Alfasud-Limousine übernommen.


Alfa Romeo Alfasud Sprint (1977) - Interieur, Lenkrad und Armaturenbrett fast wie im normalen Alfasud
Archiv Automobil Revue
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Verbesserte Basistechnologie

Als Plattform für den Sprint diente der Alfasud ti, für das Coupé wurde der Motor aber von 1186 auf 1286 cm3 vergrössert. Die Leistung des Boxermotors stieg mit dem Weber-Doppelvergaser auf 75 PS bei 6’000 Umdrehungen.

Die Aufhängungen - Querlenker und Federbeine nach McPherson vorne, Starrachse mit Wattgestänge und Panhardstab hinten - konnten genauso vom Alfasud ti übernommen werden, wie die Bremsanlage mit Scheiben rundum, die allerdings wegen des leicht höheren Gewichts des Coupés (935 kg) etwas kräftiger ausgelegt waren.

Nicht billig, aber gut

Billig war der Alfasud Sprint 1,3 nicht, 16’280 Franken oder 15’490 DM mussten berappt werden und damit locker zwei bis drei Tausenderscheine mehr als für die günstigeren Alfasud-ti-Modelle. Für soviel Geld gab es in der Schweiz auch einen Opel Manta 19 SR oder den VW Scirocco 1500 GL, die es fahrleistungsmässig durchaus mit dem Italiener aufnehmen konnten.


Alfa Romeo Alfasud Sprint (1977) - da lacht nicht nur das Herz
Archiv Automobil Revue

173,1 km/h schnell lief das offensichtlich gut im Futter stehende Coupé beim Test von Auto Motor und Sport, “nur” 166 km/h die Variante, die bei der Automobil Revue gemessen wurde. Auch beim Spurt von 0 bis 100 km/h zeigte sich der deutsche Testwagen mit 12,3 Sekunden der Schweizer Version, die sich 13,3 Sekunden Zeit nahm, überlegen. Nur im Testverbrauch war man sich einig. 10,5 Liter pro 100 km genügten dem sicherlich geschonten Coupé über die Testdistanz in beiden Ländern.

Das Testverdikt war hüben wie drüben positiv, abgesehen von Verarbeitungsmängeln der frühen Exemplare und von Kleinigkeiten im Detail. Das Coupé war eine erfreuliche Ergänzung der Palette, nur der Preis gab zu meckern, was die Automobil Revue aber relativierte:

“Sein «sichtbares» Plus aber ist die gelungene Coupé-Form, die den Wagen auch beim Anschauen zu etwas Besonderem macht, vor allem in dieser Klasse. Und das ist manchem, dem Limousinen zu alltäglich aussehen, etwas wert. Sogar einen Mehrpreis von fast 3000 Franken.”

Stetige Evolution

Im Einklang mit der Limousine wurde auch der Alfasud Sprint stetig aufgewertet. Bereits im Frühling 1978 erhielt das zierliche Coupé den 1,5-Liter-Motor mit 85 PS bei 5’800 Umdrehungen. Äusserlich änderte sich mit Ausnahme eines anders geformten Rückspiegels, modifizierten seitlichen Blinkleuchten sowie einer nun mattschwarz lackierten B-Säule wenig, im Innern aber waren die Karomuster verschwunden und durch Velours (von bester Qualität) ersetzt worden.


Alfa Romeo Alfasud Sprint 1.5 (1978) - nur kurze Zeit gebaut, bis die Mehrfachvergaser-Version Veloce ankam
Copyright / Fotograf: Alfa Romeo - Fiat Group

Ein Jahr später wurde die Leistung erneut angehoben. Dank nunmehr zwei Doppel-Fallstromvergasern von Weber standen beim Modell “Veloce” nun 95 PS bei 5800 Umdrehungen aus unverändert 1490 cm3 zur Verfügung und diesmal waren die Fortschritte bei den Fahrleistungen im Gegensatz zum Vorgänger mit 85 PS wirklich sichtbar. 10,4 Sekunden nahm sich die Testversion von Auto Motor und Sport für den Standardspurt aus dem Stand auf 100 km/h, als Höchstgeschwindigkeit wurden 179,1 km/h notiert.


Alfa Romeo Alfasud Sprint Veloce (1981) - optisch kaum Unterschiede zu den Vorgängern
Archiv Automobil Revue

Der Verbrauch im Test hielt sich mit nun 11,3 Litern pro 100 km in Grenzen. Neben den Standardmodellen gab es eine Reihe von Sondermodellen die auf Bezeichnungen wie “trofeo” oder “Grand Prix” hörten.

Bruch mit dem Alfa 33

Mit der Lancierung des Alfa Romeo 33, der sozusagen eine neu gezeichnete Limousine mit der Technik des Alfasuds war, setzte auch ein neues Kapitel für den Sprint ein. Die Front zierte nun ein Kunststoffkühler, rundum sorgten Kunststoffteile für Schutz, jeglicher Chrom war verschwunden. Auch die Rückleuchten wurden der Zeit angepasst. Als Motoren standen nun 1,3- und 1,5-Liter-Versionen zur Verfügung, die zwischen 86 und 105 PS (Ausführung Quadrifoglio Verde) leisteten. Neu gestaltete Sitze und ein modifiziertes Armaturenbrett begleiteten den Sprint in sein zweites Leben.


Alfa Romeo Sprint (1986) - Version "Quadrifoglio Verde" mit grünen Verzierungen
Copyright / Fotograf: Alfa Romeo / Werk

Im Herbst 1987 schliesslich kam die stärkste Motorisierung in den Sprint. 118 PS aus 1,7 Litern Hubraum reichten fast für 200 km/h und mit Einspritzung und Katalysator war der Sprint dann auch verbrauchs- und abgastechnisch wieder auf dem Stand der Konkurrenz.

Langläufer

Dem Sprint war ein langes Leben beschieden, denn erst 1989, also 13 Jahren nach der Lancierung, verliessen die letzten Coupés das Werk. Rund 120’000 Sprint der verschiedenen Versionen wurden gebaut, wenig im Vergleich zu den über eine Million Alfasud-Limousinen. Und wohl auch ein Grund dafür, warum sie heute so selten sind.

Auf dem Markt findet man, wenn überhaupt, Exemplare der späteren Generation mit dem 1,7-Liter-Motor, aber kaum Chromstossstangen-Modelle. Am rarsten sind mit Ausnahme der Sondermodelle die 1,3-Liter-Versionen mit dem Schottenkaro-Interieur.

Fast 40 Jahre später

Er gilt nicht umsonst als einer der hübschesten Alfas der neueren Zeit, der Sprint. Und vor allem die frühen Modelle können als klassische Leckerbissen auf eine treue Fangemeinde zählen. Die Proportionen - 4,02 x 1,61 x 1,31 Meter - lassen das leicht keilförmige Coupé elegant erscheinen.


Alfa Romeo Alfasud Sprint (1977) - eigentlich war beim 1,3-Liter die B-Säule in Wagenfarbe gehalten
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der Einsteig klappt problemlos, das Lenkrad kann höhenverstellt werden, der Schalthebel steht griffbereit auf der Mittelkonsole. Nur der Griff zum Zündschlüssel geht ins Leere, denn der Alfasud hatte wie der Porsche 911 das Zündschloss links statt rechts vom Lenkrad. Auch der Kombihebel rechts am Steuer überrascht mit der Betätigung der Lüftung, wenn er nach unten gezogen wird. Zum Betätigen der Scheibenwischer will er gedreht werden, genauso wie der Blinkerhebel, der beim Drehen das Hauptlicht einschaltet.


Alfa Romeo Alfasud Sprint (1977) - Interieur in Braun gehalten - passend zum Sitzmuster
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Servoverwöhnte Autofahrer wundern sich über die Bedienkräfte für die Lenkung, aber wenn der Wagen in Fahrt ist, vergisst man diese Strapazen gleich wieder. Denn Fahren mit dem Sprint ist eine Wonne. Der Motor sprotzelt ein fröhliches Lied, der Wagen sitzt satt auf der Strasse, ohne durch fehlenden Komfort zu nerven. Die Fahrleistungen reichen locker aus, um im heute streng reglementierten Verkehr mitzuschwimmen und die bewundernden Blicke der Passanten schmeicheln dem Fahrer.


Alfa Romeo Alfasud Sprint (1977) - mit bescheidenen Trinksitten - 10 Liter genügen meist für 100 km
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Und dass man auch noch eine komplette Familie samt Gepäck in den Wagen packen kann, macht den Alfasud Sprint fast alltagstauglich, nur dem Winter mit Schnee und Salz aussetzen möchte man den Wagen heute nicht mehr, dazu sind dem Rost doch allzuviele zum Opfer gefallen.

Wir danken der Firma allcarta für die Gelegenheit, den seltenen Alfa Romeo Alfasud Sprint 1,3 aus dem Jahr 1977 portraitieren zu können.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von he******
23.01.2020 (21:18)
Antworten
Naja, ganz so schlimm war's dann doch nicht. Bei mir waren bei einem 1976 Sprint die vorderen Kotflügel und die Unterkanten der Türen nach 6 Jahren durchgerostet. Das war auch nicht viel schlechter als bei einigen Golfs zu der Zeit. Dafür fuhr sich der Alfa aber viel besser und die Ausstattung war auch viel schicker als bei VW und Konsorten. War ein wirklich schöner Wagen aber nach 8 Jahren war dann Schluss und er wurde noch für kleines Geld verkauft. Schade, dass es heute nichts mehr vergleichbares gibt.
von ra******
26.01.2019 (22:02)
Antworten
Bilder 5 und 6 zeigen, wie schön dieses Fahrzeug war und heute noch ist. Ein Traumwagen in jeder Beziehung.
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