Wer an James Bond denkt, hat meist sofort einen Aston Martin vor Augen. Doch im Filmklassiker “Goldfinger” von 1964 spielt noch ein weiteres britisches Automobil eine eindrucksvolle Rolle: der Rolls-Royce Phantom III des Schurken Auric Goldfinger. Mit seiner imposanten Erscheinung und dem markanten Kühlergrill verkörperte er den Luxus und die Eleganz, für die Rolls-Royce weltweit berühmt war.
Fast hundert Jahre später lebt diese Epoche in der Enter Technikwelt weiter. Dort steht ein Rolls-Royce Phantom II von 1929 – der direkte Vorgänger des Phantom III aus “Goldfinger”. Aufwendig restauriert und nach mehr als 1000 Arbeitsstunden wieder fahrbereit, ist er weit mehr als ein seltenes Luxusautomobil. Als Teil der Sammlung der Enter Technikwelt zeigt er, wie Technikgeschichte lebendig erhalten werden kann.
Ein Automobil für die gesellschaftliche Elite
Zwischen 1929 und 1935 entstanden lediglich rund 1700 Exemplare des Phantom II. Mit einer Länge von fast 5.7 Metern, einem Leergewicht von rund 2.5 Tonnen und einer weitgehend von Hand gefertigten Karosserie gehörte er zu den exklusivsten Automobilen seiner Zeit. Zu den Besitzern verschiedener Phantom-Modelle gehörten im Laufe der Jahrzehnte Persönlichkeiten wie Winston Churchill, Queen Elizabeth II. oder John Lennon.
Das Fahrzeug der Enter Technikwelt trägt die Fahrgestellnummer 26WJ und stammt aus einer der ersten Produktionsserien des Modells. Seine Erstzulassung erfolgte am 23. Oktober 1929 in England, die Karosserie wurde von Thrupp & Maberly in London gefertigt. Unter der langen Motorhaube arbeitet ein 7.7-Liter-Reihensechszylinder mit rund 120 PS Leistung. Was heute bescheiden klingt, gehörte Ende der 1920er-Jahre zur automobilen Spitzenklasse.
Rolls-Royce verfolgte schon damals einen kompromisslosen Qualitätsanspruch. Viele technische Systeme wurden doppelt ausgelegt, um höchste Zuverlässigkeit zu gewährleisten. Der Phantom II verfügt über zwei Zündsysteme mit insgesamt zwölf Zündkerzen, zwei Vergasersysteme, einen zuschaltbaren Reservetank und gleich zwei Reserveräder. Selbst die Frontscheinwerfer besitzen doppelte Glühfäden.
Ein kleines Detail verrät das hohe Alter des Fahrzeugs der Enter Technikwelt bereits auf den ersten Blick. Das berühmte RR-Emblem unter der “Spirit of Ecstasy” ist noch rot ausgeführt. Nach dem Tod des Firmengründers Henry Royce im Jahr 1933 wurden die Embleme nur noch in schwarzer Farbe hergestellt.
Eine aufwendige Wiedergeburt
Als der Phantom II, der aus dem Besitz eines verstorbenen Sammlers stammte, seinen Weg in die Sammlung der Enter Technikwelt fand, präsentierte er sich allerdings nicht mehr im Glanz vergangener Tage. Wie bei vielen Vorkriegsfahrzeugen erwiesen sich die Folgen langer Standzeiten als besonders problematisch. Wegen verharztem Benzin mussten Tank, Kraftstoffleitungen, Filter, Benzinpumpe und Vergaser ausgebaut, gereinigt und instandgesetzt werden. Zahlreiche Dichtungen waren spröde und mussten neu angefertigt werden. Auch die elektrische Anlage erforderte umfangreiche Arbeiten. Dazu kam eine eigens gefertigte Edelstahlauspuffanlage.
Besonders arbeitsintensiv gestaltete sich die Restaurierung des Innenraums. Das komplette Interieur wurde neu aufgebaut, zahlreiche Materialien ersetzt und unzählige Details sorgfältig aufgearbeitet. Allein rund siebzig Edelholzteile mussten repariert, geschliffen, neu lackiert und wieder eingebaut werden. Zudem wurden die Ledersitze aufwendig neu überzogen.
Heute, zwei Jahre und rund 1000 Arbeitsstunden später, vermittelt der Phantom wieder in jener Eleganz und Opulenz, die ihn einst zu einem der exklusivsten Automobile seiner Zeit machten.
Ein Zeitzeuge in der Enter Technikwelt
Wer heute hinter dem Steuer des Phantom II Platz nimmt, erlebt eine Zeitreise: Zunächst wird die Benzinversorgung geöffnet. Anschliessend müssen Zündung, Gemischaufbereitung und Leerlaufdrehzahl über verschiedene Hebel eingestellt werden. Erst dann wird der Starter über einen Knopf im Edelholzarmaturenbrett betätigt. Nach wenigen Umdrehungen erwacht dann der grosse Sechszylinder und läuft erstaunlich ruhig. Doch auch das Fahren selbst verlangt Erfahrung. Das Vierganggetriebe verfügt bei diesem Modell noch nicht über eine Synchronisation. Die Gänge müssen mit Gefühl und Zwischengas eingelegt werden. Die Lenkung erfordert Kraft, und die stattlichen Abmessungen verlangen Aufmerksamkeit.
Fast ein Jahrhundert nach seiner Erstzulassung erzählt dieser Rolls-Royce Phantom II heute gleich mehrere Geschichten und steht für die Ingenieurskunst der Zwischenkriegszeit und für das Handwerk des Karosseriebaus. Gleichzeitig schlägt er eine Brücke zur Filmgeschichte, als direkter Vorgänger jenes Phantom III, der mit James Bond berühmt wurde.
Heute ist der Phantom II Teil der Filmfahrzeug-Ausstellung der Enter Technikwelt und verbindet dort auf einzigartige Weise Automobilgeschichte, Handwerkskunst und Filmkultur.
Weitere Informationen gibt es auf der Website der Enter Technikwelt.























































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